Deutscher Hörbuchpreis 2014 – das sind die Gewinner

Sechs Empfänger des begehrten schweren Preises aus Edelstahl stehen fest: Der Verein Deutscher Hörbuchpreis e.V. gab soeben die prämierten Erwachsenen-Titel bekannt. Für die zwölfte Verleihung des Preises, den der WDR im Jahr 2002 ins Leben gerufen hat, wurden 284 Hörbücher von gut 80 Verlagen bewertet. Wie immer sind einige Überraschungen dabei, aber auch „Wiederholungstäter“.

Zu Letzteren gehört die „Beste Interpretin“ des zurückliegenden Hörbuchjahres: Laura Maire (für „Schattengrund“ von Elisabeth Herrmann, Der Hörverlag) zeigt nach Meinung der Preisträgerjury große Sprecherkunst. Im Klartext: „Mit faszinierender, wunderbarer Sicherheit wechselt Laura Maire die Tonlagen und die Stimmungen, denen sie auf diese Weise Ausdruck gibt – oft zwischen zwei Atemzügen, ganz unangestrengt und rätselhaft beiläufig. Ihr virtuoses Sprach-Spiel füllt die Rolle des verträumt heranwachsenden Kindes ebenso aus wie diejenige der gereiften jungen Frau.“
Jungen Romanfiguren eine gleichzeitig glaubwürdige wie frische Stimme zu geben, sei „eine der größten Herausforderungen im Hörbuch“, meint auch Heike Völker-Sieber, Pressesprecherin beim Hörverlag. „Laura Maire verfügt über genau dieses Talent, und das in einer Weise, die immer wieder staunen lässt.“

Nominiert waren auch:
Sascha Icks für das Hörbuch „Kiki“ von Antje Damm, Oetinger audio
Sandra Hüller für das Hörbuch „Die erstaunlichen Abenteuer der Maulina Schmitt. Mein kaputtes Königreich“ von Finn-Ole Heinrich, Hörcompany

Frank Arnold
© privat

Als „Bester Interpret“ wird Frank Arnold ausgezeichnet – für das Hörbuch „Landgericht“ von Ursula Krechel, Audiobuch. Nach Meinung der Jury mache er sich „lesend zum sprachlich-markanten Anwalt des Romans“. Denn: „Sein wirkungsvoller Einsatz rhetorischer Mittel, die gekonnte Variation von Rhythmus, Tempo und Tonart sowie das analytische Abtasten der Erzählstruktur schaffen ein außergewöhnliches Hör-Erlebnis. Er erweitert den Text um Nuancen, die nicht geschrieben werden können.“
Frank Arnold freut sich sehr über den Deutschen Hörbuchpreis und lobt die Vorlage: „Besonders beeindruckt hat mich bei der Arbeit daran die hohe Emotionalität der Figuren und Situationen, die verhalten, fast verdeckt, subkutan ständig spürbar ist, ohne vordergründig ausgestellt zu werden oder gar lauthals aufzutrumpfen. Ein Buch, welches einem nachgeht.“

Ebenfalls nominiert waren:
Matthias Koeberlin für Andreas Eschbachs „Todesengel“, erschienen bei Lübbe Audio
Robert Stadlober für das Hörbuch „Abschied von den Eltern“ von Peter Weiss, der Hörverlag

Als „Bestes Hörspiel“ des Jahres 2013 darf der belleville Verlag seine Produktion „Orphée Mécanique“ nennen. Mit dem Hörspiel überträgt Autor Felix Kubin den antiken Orpheus-Mythos in eine futuristische Moderne. „Virtuos orchestrierte Töne und Stimmen, Musik und Klang wirken auf faszinierende Weise zusammen“, schwärmt die Jury. „Eine großartige Parabel auf unser mediales Zeitalter und ein suggestives, traumwandlerisches Hör-Erlebnis, das neue Wege eröffnet.“ Und Verlagschef Michael Farin freut sich über die gelungene Verbindung von Kultur und Kommerz: „Das Label ist ein Experimentierfeld, eine Plattform, von der Hubschrauber der Kunst starten. Felix Kubins Hörspiel ist eines dieser waghalsigen Fluggeräte – ein überaus unterhaltsames und auch erfolgreiches.“

Zu den Nominierten gehörten auch:
„Iranian Voices. Republik der Verrückten von Oliver Kontny und Marc Sinan, erschienen bei Buchfunk
„Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg und verschwand“ von Jonas Jonasson, der Hörverlag

Über die Auszeichnung „Bestes Sachhörbuch“ freut man sich gleichermaßen in Köln und in Basel: „Fallbeil für Gänseblümchen. Der Spionageprozess gegen Elli Barczatis und Karl Laurenz im Originalton“, eine WDR-Produktion von Maximilian Schönherr unter der Regie von Nikolai von Koslowski, ist im Christoph Merian Verlag erschienen und bringt erstmals die Prozess-Mitschnitte der Stasi zu Gehör.
Das überzeugte die Jury: „Die Überfülle des Tonmaterials haben Autor und Regisseur auf verdienstvolle Weise gefiltert. Ihr Feature leuchtet die Persönlichkeit und Psyche der beiden Angeklagten eindrucksvoll aus und entlarvt die schamlose, ideologiekonforme Art der Prozessführung. Die Collage ist ein eindrucksvolles Zeitdokument, spannend und außerordentlich erschütternd.“
Der Verlag aus Basel freute sich schon im Dezember darüber, insgesamt im Laufe der Zeit bereits in fünf verschiedenen Kategorien des Deutschen Hörbuchpreises nominiert worden zu sein – und 2014 hat es geklappt. Der Wunsch von Verlagsleiter Oliver Bolanz ist offensichtlich: „Wir hoffen, dass nun noch mehr Buchhändler auf unsere Hörbücher aufmerksam werden, die seit einigen Jahren dem Buchhandel in Deutschland durch die Vertretermannschaft von steinbach sprechende bücher angeboten werden.“
Lese-Tipp: Hintergründe zur Entstehung von „Fallbeil für Gänseblümchen“ bringt das WDR-eigene Magazin „Print“ in seiner Februar-Ausgabe, die am 1.2. auch online abrufbar sein wird: (www1.wdr.de/unternehmen/service/wdr-print/wdr_print106.html).

Mitnominiert waren:
„Peter Handke / Siegfried Unseld. Der Briefwechsel“ von Raimund Fellinger, speak low
„Egon Bahr: ‚Das musst Du erzählen‘. Erinnerungen an Willy Brandt, erschienen bei Hörbuch Hamburg

Die Kategorie „Das besondere Hörbuch“ rückt in diesem Jahr das Genre Science-Fiction in den Fokus. Gewonnen hat: „Schöne neue Welt. Ein Roman der Zukunft“ von Aldous Huxley, Der Hörverlag. Den Mehrwert zum Buch liefert vor allem der Sprecher, der damit zum zweiten Mal mit dem Hörbuchpreis bedacht wird: „Rhythmisch prägnant und stimmlich vielseitig enttarnt Matthias Brandt die Methoden der Normierung und Ausrottung in Huxleys Albtraumklassiker“, lobt die Jury. „Begleitet von ironischen und satirischen Untertönen zieht seine Lesung den Hörer neu in den Bann der Schreckensperspektiven. Souverän profiliert sich Brandt als Fürsprecher bedrohter Individualität.“
Dass Huxleys Zukunftsvisionen erschreckend treffsicher waren, hebt Heike Völker-Sieber hervor: „Durch die ungemein differenzierte Interpretation von Matthias Brandt erscheinen sie uns nicht nur sachlich nachvollziehbar, sondern packen unmittelbar und emotional. Und das heute – 82 Jahre nach dem Ersterscheinen und in einer Zeit, in der sich technische und gesellschaftliche Entwicklungen täglich selbst überholen.“

Auf dem Treppchen standen noch:
„Macht’s gut und danke für den Fisch“ nach Douglas Adams, der Hörverlag
„Sprachlabor Babylon“ von Till Müller-Klug, Archiv der Jugendkulturen

Wer lieferte im Hörbuchjahr 2013 die „Beste verlegerische Leistung“? Den Preis bekommt in diesem Jahr die Hörcompany für ihre Hörbuchreihe „Weltliteratur für Kinder“, mit der die Hamburger ihren jugendlichen Hörern klassische Literatur näherbringen. Die Jury würdigt die kontinuierliche Arbeit der beiden Verlegerinnen Andrea Herzog und Angelika Schaack: „Das ist fesselndes Hörvergnügen für Kinder – und für Erwachsene ebenso! Aufwändig gestaltete Booklets und nicht zuletzt die szenischen Lesungen aus den Urtexten machen neugierig auf die Originale von Shakespeare über Goethe bis Büchner.“
Mit einer Gedichtzeile ihres Lieblingspoeten Jacques Prévert beschreibt Andrea Herzog ihre Gefühle nach der Mitteilung des Hörbuchpreis-Vereins: „Dankbar, erstaunt, entzückt.“ Die Freude über die Anerkennung ihrer Arbeit sei „einfach riesig“ gewesen. Und: „Als der Anruf kam, hatte ich richtig Herzklopfen und konnte erstmal gar nicht viel sagen. So eine Nachricht muss ja auch erstmal richtig im Bewusstsein ankommen.“

Auf den Plätzen landeten:
Der Hörverlag für das Hörbuch „Poems. The Waste Land und weitere Gedichte“ von T. S. Eliot
Nyland-Stiftung und Aisthesis Verlag für das Hörbuch „BLACKBOX. Hörspiele, Tondokumente, Jazz & Lyrik“ von Michael Klaus

Katharina Thalbach
© Hans-Georg Gaul

Ein weiterer Hörbuchpreis, der „Sonderpreis für das Lebenswerk“, geht diesmal an Katharina Thalbach. Sie sei „eine Ausnahmeerscheinung“, sagt die Jury – nicht nur als Schauspielerin und Regisseurin, auch als Hörbuch-Interpretin. „Alle Facetten der Darstellungskunst beherrschend, hat sie eine außergewöhnliche Bandbreite an Produktionen veröffentlicht. So unterschiedlich diese auch sind, jeden Text vermag sie alleine mit ihrer Stimme zu inszenieren.“

Als letzter Preisträger wird das „Beste Kinderhörbuch“ am 30. Januar veröffentlicht. Noch im Rennen sind diese Titel:
„Munkel Trogg – Der kleinste Riese der Welt“ von Janet Foxley, Der Audio Verlag
„Olivia – Manchmal kommt das Glück von ganz allein“ von Jowi Schmitz, Der Audio Verlag
„Eine dunkle & GRIMMige Geschichte“ von Adam Gidwitz, Audiolino

In dieser Kategorie wird der Gewinner von einer hörerfahrenen Kinderjury des Magazins ZEIT LEO ermittelt, einem Partner des Hörbuchpreis-Vereins. Die fünf Kinder hatten sich bereits Mitte Januar in Hamburg getroffen und zwei Stunden lang intensiv beraten, um am Ende – so das Reglement – zu einer einstimmigen Entscheidung zu gelangen. Einen Blick hinter die Kulissen dieser Sitzung bringt „WDR Print“ in seiner März-Ausgabe.

Die Preisverleihung für alle Gewinner findet am 12. März im WDR-Funkhaus statt – als Auftaktveranstaltung der lit.COLOGNE. Da eine Berichterstattung über Hörbücher mittlerweile selbst im Radio eher selten geworden ist, sollten Interessierte im Kalender zwei Termine markieren: Die Gala zum Deutschen Hörbuchpreis ist live im Radio zu hören (ab 20.05 Uhr auf WDR5, hr2-kultur, NDR Kultur und Antenne Saar) und auch wieder als Aufzeichnung im TV zu sehen (in der Nacht vom 15. auf den 16. März ab 0.30 Uhr auf 3sat).

rw

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