Die Gewinner des Deutschen Hörbuchpreises 2009 – Teil 1

Der Verein Deutscher Hörbuchpreis e.V. – bestehend aus WDR, Börsenverein, FOCUS und litCOLONY – macht es wieder spannend und geht auch in diesem Jahr den Weg der „gestaffelten“ Preisträger-Veröffentlichung: Die Gewinner der ersten drei Kategorien stehen nun fest.

1. Als „Bestes Kinderhörbuch“ ist in diesem Jahr die SWR-Produktion „Der Krieg der Knöpfe“ gewählt worden (nach Louis Pergaud, erschienen bei Headroom).

Bestes Kinderhörbuch

Die Jury begründete ihre Entscheidung unter anderem damit, dass das Hörbuch „durch Poesie und eine sinnliche Klangwelt besticht“ und dass „das hervorragende Sprecherensemble und die Musik in eine musikalische Fantasiewelt entführen“.

Zum Inhalt: Bewaffnet mit Gummischleudern und Kieselsteinen, liefern sich die Kinder von Longeverne und Velran erbitterte Kämpfe. Den Besiegten werden sämtliche Knöpfe von ihren Kleidern geschnitten. Da rutscht dann nicht nur das Herz in die Hose, sondern gleich die Hose selbst. Auch die Idee, nackt in den Kampf zu ziehen, ist nicht der Weisheit letzter Schluss…

„Ich freue mich riesig über den Preis“, sagte Headroom-Chefin Theresia Singer, die sich bei nur gut acht Neuerscheinungen pro Jahr und zwei Nominierungen zum Deutschen Hörbuchpreis 2009 in ihrer Arbeit bestätigt fühlt. Denn das jetzt ausgezeichnete Hörbuch gehört zur Reihe der „Orchesterhörspiele“ mit dem Reihentitel „… mit Pauken und Trompeten“, die in ihrer Machart einzigartig sind. „Der Krieg der Knöpfe“ ist schon der zweite Titel der Reihe, der den Deutschen Hörbuchpreis erhält.

Außerdem waren in dieser Kategorie nominiert: „Mercy Watson Superstar“ (Kate DiCamillo / Hörcompany) und „Herr Röslein“ (Silke Lambeck / DAV).

2. Gleich zwei Mal kann sich der Hörverlag über den Gewinn des Deutschen Hörbuchpreises freuen, u.a. in der Kategorie Das besondere Hörbuch in der Disziplin Klanggestaltung. Gewonnen hat die Produktion „Reise ans Ende der Nacht“ nach Louis-Ferdinand Céline, ein aufwändiges Hörspiel des Bayerischen Rundfunks.

Das besondere Hörbuch:
Beste Klanggestaltung

„Musik und Sound verweben sich mit Sprache zu einem komplexen Ganzen“, urteilte die Jury, und Pressesprecherin Heike Völker-Sieber fügt hinzu: „Die Aufsplittung der Rolle des Ich-Erzählers Bardamu auf Vater und Sohn – Felix und Florian von Manteuffel – ist nur eine der genialen Entscheidungen des Bearbeiters Michael Farin und des Regisseurs Ulrich Lampen“, erklärt sie die nach ihrer Meinung weiteren Gründe für die herausragende Qualität des Hörbuchs. „Bardamus fiebrige Reise durch drei Kontinente und Célines expressionistisches Erzählen finden ihre Entsprechung in Ulrich Lampens Komposition aus Stimmen, Sounds und musikalischen Motiven.“

Zum Inhalt: Die Nacht kam 1932 in die Welt. Sie ist lang, wahrscheinlich wird sie ewig dauern. Die Reise des Kriegsfreiwilligen, Armenarztes, Weltverächters Ferdinand Bardamu ans Ende der Welt, dorthin, wo es keinen Grund zur Hoffnung mehr gibt, kein menschliches Gefühl, keinen Fortschritt, sondern nur den klaren Blick ins Nichts… Die Geschichte ist ein Schrei nach Gerechtigkeit – in einer Welt, in der Grausamkeit, Hass, Egoismus und Bereicherung das Leben bestimmen.

Nominiert waren außerdem: „Illegal“ (Polle Wilbert / Intermedium Records) und „Mieses Karma“ (David Safier / Hörbuch Hamburg).

3. Ausgezeichnet als „Beste Interpretin“ wurde Irm Hermann für das Hörbuch Enigma Emmy Göring (Werner Fritsch / Hörverlag).

Irm Hermann:
Beste Interpretin

Die Sprecherin schafft es nach Meinung der Jury, „mit dem Einsatz differenzierter Mittel der Figur Kontur zu verleihen und zu zeigen, wie monströs Naivität sein kann“.

Zum Inhalt: Emmy Göring ist eine richtig Süße – ihr Vater war schließlich Schokoladenfabrikant, und über allem liegt ein flüssig-brauner Guss. Schokoladenbraun auch ihr Gatte: Hermann Göring – und nicht zuletzt der von ihr hochverehrte Führer. Jetzt monologisiert sie als ehemalige Schauspielerin und übriggebliebene Gattin. Sie plaudert in naiv-spießigem Ton aus dem Nähkästchen der schockierend-verbrämten Pseudo-Tugendhaftigkeit der Nazi-Elite …

Die Charakterisierung „Idealbesetzung“ treffe selten so zu wie hier, meint Heike Völker-Sieber: „Eine andere Sprecherin als Irm Hermann ist nahezu undenkbar. In ihrer Rolle überzieht sie die Gräueltaten des Nazi-Regimes mit giftig-bitterer Süßlichkeit. Ihre Interpretation verleiht diesem abgründigen Monolog-Hörspiel eine unvergleichliche Wucht.“

Die begnadete Schauspielerin Irm Hermann ist als Sprecherin im Medium Hörbuch noch relativ unbekannt, ganz anders jedoch im Film, Fernsehen und Theater. Unter anderem wirkte sie in mehr als 20 Produktionen von Rainer Werner Fassbinder mit und übernahm Rollen in zahlreichen Serien wie „Tatort“ oder „Polizeiruf 110“. Aktuell ist sie im Kinofilm „Anonyma – Eine Frau in Berlin“ zu sehen.

Fast genauso gute Sprechleistungen bescheinigte die Jury den Interpretinnen Sandra Hüller für „Rapunzel“ (Silke A. Schuemmer / Hoffmann und Campe) und Sophie Rois für „Heldensterben“ (Christine Grän / Eichborn/Lido).

Die restlichen Hörbuchpreis-Gewinner werden am 16. Februar bekannt gegeben – in den Kategorien „Beste Fiktion“, „Beste Information“, „Bester Interpret“ und „Beste verlegerische Leistung“.

Die Würdigung aller Preise – inklusive der Publikumspreise „Hörkules“ und „Hörkulino“ – erfolgt in einer Gala am 15. März im WDR-Funkhaus in Köln und wird live im Fernsehen und Radio übertragen.
rw

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