Frankfurt: Binding-Kulturpreis an Verlag Schöffling & Co. verliehen

Bergit Gräfin Douglas, Ida Schöffling,
Klaus Schöffling, Peter Feldmann

Heute Mittag wurde im Kaisersaal im Frankfurter Römer in einer Feierstunde der mit 50.000 Euro dotierte Binding-Kulturpreis an den Verlag Schöffling & Co. überreicht.

Nach Auszeichnungen des Stroemfeld-Verlags 2001 und des Verlags der Autoren 2014 erhielt in diesem Jahr zum dritten Mal ein Frankfurter Editionshaus diesen Preis, der zu den höchstdotierten Deutschlands gehört.

Oberbürgermeister Peter Feldmann begrüßte die zahlreichen Gäste zur „Ehrung für einen Verlag, der mit Frankfurt verbunden ist“. Schöffling setze mit seinem Programm seit mehr als 20 Jahren auf Qualität. Feldmann würdigte Klaus Schöffling außerdem als Initiator des Festivals Frankfurt liest ein Buch.

Bergit Gräfin Douglas, Vorstandsvorsitzende der Binding-Kulturstiftung, erwähnte zu Beginn ihrer Ansprache den Hirnforscher Wolf Singer. Er sei der Meinung, dass es bei zunehmendem Alter wichtig für das Gehirn sei, dass man sich auch ärgere. Nun sei diese Preisverleihung, angestoßen vor über 20 Jahren von Klaus Peter Erbrich und Rüdiger Volhard – beide waren anwesend – , jedoch kein Anlass, sich zu ärgern. Im Gegenteil; Gräfin Douglas wünschte dem Verlegerehepaar Klaus und Ida Schöffling noch viele weitere erfolgreiche Jahre und weiterhin einen „Kraft schenkenden Umgang mit den Autoren“.
Was die Gräfin wirklich ärgere, sei der rückläufige Bierkonsum in Deutschland: „Die Deutschen trinken derzeit pro Jahr 43 Liter Bier weniger als noch vor 40 Jahren“, sagte sie und ging mit gutem Beispiel voran.

Die Laudatio hielt Hannes Hintermeier, FAZ. „Wir sind keine Schraubenfabrik, sondern kümmern uns um geistiges Gut“, sei oft aus Verlagskreisen zu hören. Doch wirtschaftlich erfolgreiche Verlage müssten beides beherrschen – gutes Management wie in einer Schraubenfabrik und die erfolgreiche Verbreitung geistigen Gutes. Ein Dauerspagat.
Hintermeier erinnerte an den legendären Siegfried Unseld, bei dem Klaus Schöffling lernte und sich zum Experten für Exilliteratur entwickelte. 1987 gründeten Klaus und Ida Schöffling die Frankfurter Verlagsanstalt. Als dieses Editionshaus auf der Kippe stand und die Schöfflings aus dem Verlag gedrängt wurden, solidarisierte sich eine Reihe namhafter Autoren mit ihnen. 1993 wurde die Schöffling & Co. Verlagsbuchhandlung gegründet, bis 2004 war Eva Demski Mitgesellschafterin.
„Ziel des Verlages war es nie, mit unsäglich vielen Titeln Geld zu verbrennen. 25 bis 30 Neuerscheinungen pro Jahr bringt der Verlag Schöffling heraus. Und die Kaiserstraße 79 ist zu einem Stück Heimat für die Autoren geworden“, stellte Hintermeier fest.
Indes sei Schöffling kein Fachverlag für innerdeutsche Autoren, auch internationale Schriftsteller seien im Programm präsent.
Einen Seitenhieb auf die Jagd nach Bestsellern in der Branche konnte sich Hintermeier nicht verkneifen: „Das es beim Feuilleton kein Interesse mehr für nicht Marktgängiges gibt, ist beunruhigend. Die Buchindustrie ist wie die Lebensmittelindustrie – sie bedient den Massengeschmack. Es ist nicht leicht, dagegen anzukämpfen.“

Ebenfalls nicht leicht sei es, wenn Autoren, die mit dem Verlag gewachsen sind, sich monetärer Vorteile wegen von ihm trennen. „Ein 1000 Seiten starkes Lichtlein wie Frohburg hilft da ungemein“, äußerte Hintermeier.
So ist 2016 ein erfolgreiches Jahr für den Verlag Schöffling: Frohburg von Guntram Vesper, der im Publikum saß, ist mit dem Preis der Leipziger Buchmesse ausgezeichnet worden. Brigitte Döbert, Übersetzerin von Die Tutoren von Bora Ćosić, erhielt für diese Arbeit den Straelener Übersetzerpreis. Und nun kommt der Binding-Kulturpreis hinzu.

Nicht unerwähnt ließ Hintermeier die Arbeit Ida Schöfflings und wies dabei auf eine Spezialität hin: Der literarische Katzenkalender sei „die Bibel des deutschen Katzenliebhabers“ und stütze das ganze Verlagsgebäude. „Katzen würden Schöffling kaufen“, resümierte der Laudator.

In seiner Dankesrede bemerkte Klaus Schöffling, dass es nicht gerade viele Preise für Verlage gäbe. Umso mehr freue er sich „unbändig“ über die Auszeichnung für sein Haus, das seit 1994 am Projekt eines unabhängigen Verlages arbeite. „Der Vorteil, auf mehreren Beinen zu stehen, ist die Garantie für die Unabhängigkeit“, unterstrich der Verleger. Kalkulieren würde man eher wenig im Verlag, das bringe ohnehin nur schlechte Laune. „Wir machen einfach, dann wird es vielleicht – wenn auch nicht immer – gut.“

Der Verlag und sein Team zeichnen sich, wie Klaus Schöffling betonte, durch Mut, umfangreiche Kenntnisse der Literatur, Enthusiasmus, höchste Kenntnisse der deutschen Sprache, Verlässlichkeit und Respekt im Umgang mit den Autoren aus.

Mit einem Blick auf die Galerie der deutschen Kaiser im Saal scherzte Bartträger Klaus Schöffling: „Die da an der Wand hatten wohl auch ein Faible für langes Gesichtshaar.“

Klaus Schöffling nutzte seine Dankesrede zudem, um anzuregen, über einen Preis für Lyrik, der möglichst hoch dotiert sein sollte, nachzudenken.

Anschließend stellte er alle anwesenden Verlagsmitarbeiter vor und bat sie mit vor das Publikum.

Im Gespräch mit Burkhard Spinnen, langjähriger Autor des Hauses, wurde ein Stück Verlagsarbeit sichtbar.

Abschließend zitierte Klaus Schöffling im Hinblick auf das am Abend bevorstehende Fußballspiel Deutschland – Italien Mesut Özil: „Nur mit Freude gehst du auf den Platz.“ „Das ist bei uns genauso. Unser Platz ist der Verlag“, sagte Schöffling.

JF

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