Geschwister-Scholl-Preis für Otto Dov Kulka

Für sein Buch Landschaften der Metropole des Todes. Auschwitz und die Grenzen der Erinnerung und der Vorstellungskraft (DVA) wird Otto Dov Kulka mit dem 34. Geschwister-Scholl-Preis ausgezeichnet. 1933 in der Tschechoslowakei geboren, überlebte Kulka als Kind das KZ Auschwitz. Als Historiker befasste er sich zeitlebens mit der Geschichte des jüdischen Volkes und lehrte an der Hebräischen Universität in Jerusalem.

Sein eigenes Schicksal machte er jedoch nie zum Thema seiner wissenschaftlichen Arbeiten. In seinem Buch Landschaften der Metropole des Todes bricht Kulka mit dieser strikten Trennung. Er forscht in den fragmentarischen Erinnerungen seiner Kindheit, seinen Träumen und deren Quellen. Damit reicht sein Werk über die historischen Fakten hinaus und regt ein Nachdenken über die Bedingungen des Erinnerns an.

Die Jury begründet ihre Wahl damit, dass das Werk kein klassisches Erinnerungsbuch ist, „sondern eine Reflexion über die Chancen und Grenzen des Erfassens und Verstehens und eine schmerzliche Auseinandersetzung mit dem eigenen Gedächtnis. In einer Zeit, in der sich die Frage nach der Erinnerung an die Verbrechen des Nationalsozialismus und die Ermordung der Juden Europas neu stellt, ehrt die Jury des Geschwister-Scholl-Preises mit Otto Dov Kulka einen herausragenden Forscher und einen Schriftsteller, der mit seinen „Landschaften der Metropole des Todes“ zu einem mutigen Selbst-Erforscher und einem Erkunder der Abgründe des Menschlichen geworden ist. Kulkas Buch wirkt beim Leser nach und schafft es mit seinen Erinnerungsbildern, die Wahrnehmung der Vergangenheit zu verändern und somit neue Impulse für die Gegenwart zu geben.“

Der Geschwister-Scholl-Preis wird im Rahmen des Literaturfests München vergeben. Die Preisverleihung findet am 18. November um 19.00 Uhr in der Großen Aula der Ludwig-Maximilians-Universität in München statt.

Für den 19. November ist eine öffentliche Lesung des Preisträgers auf der Münchner Bücherschau im Rahmen des Literaturfests München geplant.

Der Börsenverein – Landesverband Bayern und die Landeshauptstadt München vergeben 2013 den mit 10.000 Euro dotierten Geschwister-Scholl-Preis zum 34. Mal. Zu den Preisträgern zählten in den letzten Jahren unter anderem Andreas Huckele (Pseudonym Jürgen Dehmers), Liao Yiwu, Joachim Gauck und Roberto Saviano.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.