Hamburg: Verleihung des Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreises 2011 an Morris Gleitzmann und Uwe-Michael Gutzschhahn

Der australische Autor Morris Gleitzmann wurde gestern Abend in Hamburg mit dem Katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis der Deutschen Bischofskonferenz ausgezeichnet [mehr…]. Zusammen mit seinem deutschen Übersetzer Uwe Michael Gutzschhahn erhält Gleitzman den Preis für sein Buch Einmal (Carlsen).

Uwe-Michael Gutzschhahn,
Morris Gleitzman (v. l.)

Das Buch, dessen Handlung 1942 im deutsch besetzten Polen spielt, wurde im vergangenen Jahr bereits von der Jugendjury für den Deutschen Jugendliteraturpreis nominiert. Ebenfalls in der Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn erscheint im August der Folgeband Dann. Ein dritter Band Jetzt ist für 2012 in Vorbereitung.

Das Literaturhaus Hamburg bot ein schönes Ambiente für einen festlichen Abend. Überhaupt stimmte bei der Preisverleihung alles: Die professionelle Moderation von Gisela Steinhauer (WDR), die Musik des Duos Afra und Manfred und die Auswahl der Redner sorgten für bewegende Unterhaltung.

Das Buch habe „eine eminent religiöse Bedeutung, ohne eine explizit religiöse Sprache zu verwenden“, lobte der Vorsitzende der Publizistischen Kommission der Deutschen Bischofskonferenz, Bischof Gebhard Fürst in seiner Preisbegründung. Es handle „von einer Grundfähigkeit, die dem Glauben vorausgeht, nämlich dem Bewusstsein, dass menschliche Erkenntnis die Realität nie vollständig erfasst, und dass es den überraschenden Einbruch einer wunderbaren Wendung geben kann.“ Glaube, Liebe und Hoffnung würden dabei in einer kindlichen Figur sichtbar gemacht, die der Welt mit Staunen begegnet und gerade dadurch eine Sprache für das Unaussprechliche des Menschseins findet.

Die Übersetzung von Uwe-Michael Gutzschhahn würdigte Fürst als eine Leistung, die die „literarische Qualität des Originaltextes auch für die deutschsprachigen Leserschaft in überzeugender Weise zum Ausdruck“ bringt.

Der Hamburger Erzbischof Werner Thissen hob die politische Bedeutung des Lesens hervor. Lesen sei ganz und gar keine unschuldige Sache. Es befähige die Menschen mehr zu sehen, besser zu hören und umfassender zu verstehen. „Lesen formt und fördert den Menschen. Darum ist es wichtig, dass wir unsere Kinder und Jugendlichen zu eifrigen Leserinnen und Lesern erziehen.“

Morris Gleitzman, 1953 in Großbritannien geboren, lebt seit 1969 in Australien, wo er für seine Bücher mehrfach ausgezeichnet wurde. Zur gestrigen Preisverleihung war er eigens aus seiner Heimat angereist. Die Auszeichnung mit dem katholischen Kinder- und Jugendbuchpreis sei etwas ganz Besonderes für ihn, betonte Gleitzman. „Keine hat mir mehr bedeutet als diese“, sagte er. Als Grund nannte er den Umgang der Deutschen mit dem Holocaust. „In einigen Ländern denkt man lieber nicht über die Kinder des Holocaust nach. Die Gedanken daran könnten zu schmerzvoll, beschämend oder unbequem sein. Ich bin tief bewegt, dass das in diesem Land nicht der Fall ist“.

Das Buch lasse lebendig werden, „was nirgends auf der Welt, erst recht nicht in unserem Land in Vergessenheit geraten darf“, betonte Uwe-Michael Gutzschhahn. „Es ist ein wunderbares Glück, ohne Angst leben zu können. Dafür, dass uns dieses Glück erhalten bleibt, ist Literatur, ist aber ganz sicher auch der uns verliehene Preis von Bedeutung.“

In den kommenden Tagen sind der Autor und sein Übersetzer auf Lesereise in Schulen. Am Donnerstag, lesen sie im Münchner Lesetraum, der Buchhandlung des Sankt Michaelsbunds. Wer es nicht nach München schafft, im Herbst gehen die beiden wieder auf Lesereise.

ML

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