Heinrich-Mann-Preis 2015 an Adam Zagajewski

Der Heinrich-Mann-Preis der Akademie der Künste geht in diesem Jahr an den polnischen Essayisten, Dichter und Erzähler Adam Zagajewski. Diese Wahl trafen die Juroren Friedrich Dieckmann, Sebastian Kleinschmidt und Robert Schindel, der Preisträger des letzten Jahres. Der mit 8.000 € dotierte Preis für Essayistik wird am 27. März, dem Geburtstag Heinrich Manns, im Akademie-Gebäude am Pariser Platz verliehen.

Aus der Begründung der Jury: „Der in Krakau lebende polnische Schriftsteller Adam Zagajewski – welterfahrener Europäer, vielsprachig, traditionsbewusst, Freund der deutschen und französischen, der amerikanischen und russischen Dichtung – zählt zu den renommiertesten Autoren seines Landes. Seine Gedichte, Erzählungen und Essays haben einen unverwechselbaren Ton, einen Ton der Sehnsucht und der Resonanz, in dem Wahrnehmung und Erinnerung, Außenwelt und Innenwelt lange nachhallen. Zwei Melodien gleichsam, ein trauriges Dur und ein heiteres Moll, zwei Welten, die sich suchen und in den besten Augenblicken auch finden. Und in allem Nachdenklichkeit, aus der das Verlangen nach Verstehen spricht. In Zagajewskis Werk begegnen sich, ähnlich wie bei Czesław Miłosz, Poetisches, Philosophisches und Theologisches. Das eine als Erleuchtung des Bewusstseins in der Sprache der Anschauung, das andere als Erhellung des Bewusstseins in der Sprache des Denkens, das dritte als metaphysische Unruhe und Transzendenzbedürfnis. Wer sich dem Meditativen seiner Verse, dem Elegischen der Prosa, dem moralischen Ernst seiner Gedanken hingibt, macht die Erfahrung, dass dieser warmherzige, skeptische, humorvolle und selbstironische Autor nicht nur behutsam nach dem Sinn der Welt fragt, sondern den Sinn der Welt genauso behutsam beglaubigt. Zagajewski ist ein Dichter der Einfühlung … Er ist ein Dichter, der das Sein im Ganzen fühlbar macht.“

Zagajewski wurde am 21. Juni 1945 in Lwów (Lemberg) geboren, er wuchs in Gliwice und Krakau auf, er studierte Psychologie und Philosophie und war Redaktionsmitglied verschiedener literarischer Zeitschriften. 1982 zog er nach Paris, wo er zwanzig Jahre als Emigrant lebte und Redaktionsmitglied der polnischsprachigen Literaturzeitschrift Zeszyty Literackie war. Heute lebt er wieder in Krakau. Seit 2007 lehrt er regelmäßig an der University of Chicago. Adam Zagajewski ist Mitglied der Akademie der Künste seit 1999. Werke in deutscher Übersetzung u.a.: Polen. Staat im Schatten der Sowjetunion (Rowohlt, 1981), Der dünne Strich. Roman (1985), Mystik für Anfänger. Gedichte (1997), Ich schwebe über Krakau. Erinnerungsbilder (2000), Die Wiesen von Burgund. Ausgewählte Gedichte (2003), Verteidigung der Leidenschaft. Essays (2008), Unsichtbare Hand. Gedichte (2012), Die kleine Ewigkeit der Kunst. Tagebuch ohne Datum (2014), alle im Carl Hanser Verlag erschienen.

Die diesjährige Preisverleihung findet am Freitag, dem 27. März, um 19 Uhr in der Akademie der Künste, Pariser Platz 4, statt.

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