Internationaler Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt für Marie Ndiaye und Claudia Kalscheuer

Die Jury hat entschieden: Der Internationale Literaturpreis – Haus der Kulturen der Welt geht an Marie NDiaye. Der mit 25.000 Euro dotierte Preis wurde heute Abend im Haus der Kulturen der Welt verliehen. Marie NDiaye wird für ihren Roman Drei starke Frauen (Suhrkamp) ausgezeichnet. Der Übersetzerpreis, dotiert mit 10.000 Euro, geht an Claudia Kalscheuer, die den Roman aus dem Französischen übersetzte.

Aus der Jurybegründung für die Autorin Marie NDiaye: „Marie NDiayes ‚Drei starke Frauen’ ist ein subtiles, dicht geschriebenes, in seiner sprachlichen Ausgestaltung einen starken Sog entfaltendes Buch über gestörte Beziehungen, emotionale Abhängigkeiten und unerhörte Abgründe innerhalb der Familie: eine fein austarierte Choreographie von verstörenden Annäherungs- und Abstoßungs¬pro¬zessen, deren Motiv nicht umsonst die Hitchcockschen Vögel sind. Und damit führt der Roman vor, was Schreiben jenseits der althergebrachten Kategorien von Heimat und Herkunft sein kann: ‚Welt¬kulturliteratur’ jenseits von Migration und Exil, die eine neue grenzüberschreitende Formensprache vorantreibt.“

Aus der Jurybegründung für die Übersetzerin Claudia Kalscheuer: „Claudia Kalscheuer ist es gelungen, den fein austarierten, halb alptraumhaften, halb surrealen Rhythmus des Textes im Deutschen abzubilden. Sie folgt sehr genau den Satzbewegungen des französischen Originals, wählt aber an den entscheidenden Stellen Möbiusschleifen, setzt Inversionen, reduziert die Zahl der Alliterationen, ohne ihr poetisches Moment auch nur im Entferntesten aufzugeben, und schreibt auf diese Weise ihrer Übertragung die deutsche Sprachmelodie ein, lädt sie mit exakt dem gleichen dichten, verstörenden Rhythmus auf, den das Original der ‚Drei starken Frauen’ auszeichnet. Und dies ist eine Meisterleistung.“

Die Festrede hielt die Schriftstellerin Sibylle Lewitscharoff. Als Vertreterin der Jury stellte Sigrid Löffler zusammen mit dem Moderator des Abends Denis Scheck die Shortlist-Kandidaten Edouard Glissant Das magnetische Land, Yasmina Khadra Die Schuld des Tages an die Nacht, Yiyun Li Die Sterblichen, Shahriar Mandanipur Eine iranische Liebesgeschichte zensieren, Dinaw Mengestu Die Melodie der Luft, Daniyal Mueenuddin Andere Räume, andere Träume und Marie NDiaye Drei starke Frauen vor.

Die Preise übergaben Jan Slovak, der Stifter des Preises, und Bernd M. Scherer, Intendant des Hauses der Kulturen der Welt. Im Anschluss an die Preisübergabe lasen die Autorin und der Schauspieler Jan Josef Liefers Auszüge aus dem preisgekrönten Roman.

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