LiBeraturpreis 2009 an Elizabeth Subercaseaux überreicht

Maria Hoffmann-Dartevelle, Elisabeth Subercaseaux
und Ingeborg Kästner bei der Preisverleihung (v.l.)

Heute Nachmittag wurde in der Christuskirche in Frankfurt der diesjährige LiBeraturpreis [mehr…] feierlich an die in Chile geborene Schriftstellerin Elizabeth Subercaseaux überreicht.

In ihrer Begrüßungsansprache würdigte Ingeborg Kästner, Initiative LiBeraturpreis, das preisgekrönte Buch Eine Woche im Oktober als gelungenes Werk, das nicht Fragen beantwortet, sondern zum Nachdenken anregt – wie es gute Literatur tun sollte.
Ingeborg Kästner dankte auch der Übersetzerin Maria Hoffmann-Dartevelle und dem Pendo Verlag, in dem das Buch im Vorjahr erschienen ist.

José Luis Morales Molyneux, Generalkonsul von Chile, freute sich mit der Preisträgerin, die er schon seit vielen Jahren kennt, über die Auszeichnung.

Die Grüße der Frankfurter Buchmesse überbrachte Nina Klein und unterstrich, dass das Herz der Messe mit den Übersetzungen und den Leserinnen und Lesern schlägt. So wurden im vergangenen Jahr 3.623 Belletristik-Titel ins Deutsche übersetzt, Übersetzungen aus dem Spanischen haben allerdings nur einen Anteil von 2,6 Prozent an allen Übersetzungen ins Deutsche. Umso mehr ist es eine Freude, dieses erstmals 1999 in Argentinien erschienene Buch auszuzeichnen.

Den Bogen vom Buchtitel zur Gegenwart spannte Laudatorin Dr. Bettina Höfling-Semnar und wies auf die anstehende Messewoche hin. Anschließend ging sie näher auf den Roman ein, Birgitta Asseuer begleitete den Vortrag mit Passagen aus dem Werk.

Nach der Übergabe der Urkunde bedankte sich Elizabeth Subercaseaux und deutete ihre Schwierigkeiten mit dem Begriff Heimat an. Als Tochter einer Deutschen, die als Enkelin von Clara und Robert Schumann deutscher nicht sein konnte, wuchs sie sowohl in Chile als auch in England bei der Großmutter auf. Mit 22 Jahren ging sie nach Spanien, war dort journalistisch tätig und brachte dort auch ihre drei Kinder zur Welt.

1974 zog Elizabeth Subercaseaux zurück nach Chile, das sich allerdings unter der Pinochet-Diktatur stark verändert hatte. 17 Jahre lang kämpfte die Journalistin mutig gegen dieses Regime.
Später zog sie in die USA nach Philadelphia, dort und in Chile lebt sie abwechselnd.

Ihre erzählerischen Anfänge schildert Elizabeth Subercaseaux mit einem Erlebnis, das sie mit zehn Jahren stark beeindruckte. Damals nahm sich die schweigsame Mutter ihrer Freundin das Leben. Die Ehefrau fand in den Taschen ihres Mannes ein Bild von Brigitte Bardot und glaubte, das sei seine Geliebte. Ein Gespräch zwischen Mann und Frau, das diesen Irrtum leicht aufgeklärt hätte, fand nicht statt. Elizabeth Subercaseaux wollte die Stimme dieser einsamen Frauen sein. Frauen, die sich aufopfern und aufgeben, nur für und in anderen leben und keinen Platz für eigene Identität haben. Das ist ihr mit Eine Woche im Oktober gelungen.

Eine Installation zum LiBeraturpreis, der in diesem Jahr zum 22. Mal vergeben wurde, findet in der Frauenfriedenskirche in Fankfurt-Bockenheim statt. Dort werden alle Preisträgerinnen mit ihren Werken und ihrem sozialen Umfeld porträtiert.

JF

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