Preis der deutschen Schallplattenkritik: Jahrespreis geht an Mark Twain-Autobiografie

Der Jahresausschuss des Preises der deutschen Schallplattenkritik (PdSK) hat getagt. Bei diesem Treffen wird traditionell über die Jahrespreise entschieden, die höchste Auszeichnung des PdSK. Der Jahrespreis in der Kategorie Hörbuch geht in diesem Jahr an die von Harry Rowohlt eingelesene Autobiografie von Mark Twain (Random House Audio), die der Autor 100 Jahre in die Schublade verbannte.

Die Begründung von Jury-Mitglied Peter Fuhrmann:
Fast alles an Mark Twain war ungewöhnlich: sein Selbstbewusstsein („Jungs wie mich gibt es nicht alle Tage“) ebenso wie sein Weitblick („In dieser Autobiografie werde ich stets im Hinterkopf behalten, dass ich aus dem Grabe spreche … Wenn das Buch aus der Druckerpresse kommt, werde ich tot sein. Aus gutem Grund spreche ich aus dem Grab statt mit lebendiger Zunge: So kann ich frei werden“).

Nach der Fertigstellung seiner Memoiren im Jahr 1909 verfügte Twain, dass sie hundert Jahre lang unter Verschluss bleiben sollten. Er muss geahnt haben, dass die Welt sich auch noch 2012 für seine Ansichten und Erinnerungen interessiert. Tatsächlich sind sie zeitlos, und sie werden es dank ihrer bestechenden Fülle von farbigen Schilderungen liebenswürdig-humaner Ereignisse wohl auch weiterhin bleiben. Twain wurde nie müde, Heuchelei und Lüge in seinem Land unerbittlich zu bekämpfen. Er schrieb ohne jede Rücksichtnahme auf etwaige Folgen auch über heikle Themen von Politik und Gesellschaft.

Und Harry Rowohlt ist der twainsche Identifikationstyp schlechthin! Er bietet alles auf, um seinem Gegenstand mit unverkennbarem Timbre, multiplen Orgelregistern, aber auch kulinarischem Vergnügen und einem zart-anrührenden Gefühlsausdruck gerecht zu werden. Es ist eine Lust, ihm zuzuhören.

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