Thomas Lehr erhält den Joseph-Breitbach-Preis 2015

Die Stiftung Joseph Breitbach und die Akademie der Wissenschaften und der Literatur Mainz verleihen den diesjährigen Joseph-Breitbach-Preis an den Schriftsteller Thomas Lehr.

In Thomas Lehr würdigt die Jury eine der eigenwilligsten Stimmen der deutschen Gegenwartsliteratur, einen Autor, der sich seit seinem Debüt Zweiwasser oder Die Bibliothek der Gnade aus dem Jahr 1993 in jedem Werk aufs Neue mit poetischer Phantasie um eine zwingende Kongruenz von Stoff und Form bemüht. Lehr verfügt über eine Fülle höchst unterschiedlicher Erzählweisen, sei es die raffinierte Schnitttechnik des bundesrepublikanischen Breitwandpanoramas Nabokovs Katze, sei es der in zahllose Splitter zerspringende Monolog eines Sterbenden in der Novelle Frühling oder die narrative Zeitlupentechnik in dem Science-Fiction-Roman 42.

Das an der Ilias und Goethes West-östlichem Divan geschulte Epos September Fata Morgana – ein rhapsodischer Roman in vier Stimmen und Identitäten – darf in seiner artistischen Verschränkung von westlicher und östlicher Perspektive als eine der gelungensten Antworten auf das Trauma der Attentate vom ¬11. September bezeichnet werden. Lehr verbindet politische Neugier mit existenziellem Ernst, philosophische und naturwissenschaftliche Gedankenspiele mit einem feinen Gespür für atmosphärische Details und emotionale Komplexität mit sinnlicher Präzision. Die Jury ehrt in ihm einen Autor am Puls der Gegenwart, der weit entfernt davon ist, sich dem Zeitgeist zu unterwerfen.

Der Preis wird für das literarische Gesamtwerk verliehen und ist mit 50.000 € dotiert.
Die Verleihung findet am 18. September 2015 im Theater Koblenz statt. Die Laudatio hält Thomas Geiger.

Bisherige Preisträger
Hans Boesch, Friedhelm Kemp, Brigitte Kronauer (1998); Reinhard Jirgl, Wolf Lepenies, Rainer Malkowski (1999); Ilse Aichinger, W.G. Sebald, Markus Werner (2000); Thomas Hürlimann, Ingo Schulze, Dieter Wellershoff (2001); Elazar Benyoëtz, Erika Burkart, Robert Menasse (2002); Christoph Meckel, Herta Müller, Harald Weinrich (2003), Raoul Schrott (2004), Georges-Arthur Goldschmidt (2005), Wulf Kirsten (2006), Friedrich Christian Delius (2007), Marcel Beyer (2008), Ursula Krechel (2009), Michael Krüger (2010), Hans Joachim Schädlich (2011), Kurt Flasch (2012), Jenny Erpenbeck (2013), Navid Kermani (2014)

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