Börsenverein präsentiert wirtschaftliche Kerndaten der Branche / Umsatzrückgang um 2% / Internetbuchhandel größter Wachstumsbereich / Verband will Marktforschung ausbauen

Der Umsatz der Buchbranche ist nach Schätzungen des Börsenvereins 2002 um 2% auf 9,224 Milliarden Euro gesunken. Vorsteher Dieter Schormann betonte bei der Vorstellung der Zahlen in Frankfurt: “Der Buchmarkt hat mit einem Umsatzrückgang zu kämpfen, das ist jedoch kein Ausdruck einer Branchenkrise.” Die Buchbranche leide unter der schwachen Konjunktur und der anhaltend geringen Konsumbereitschaft in Deutschland. Im Vergleich zu anderen Einzelhandelsbranchen liege der Buchhandel bei der Umsatzentwicklung aber immer noch deutlich über der des Einzelhandelsdurchschnitts. Zuversichtlich stimme ihn auch, dass in Deutschland unter den 39 beliebtesten Freizeitbeschäftigungen das Lesen auf Rang acht stehe, noch vor “Sport treiben” und “Theater / Oper / Konzert”. “In die Werbung für das Lesen werden wir weiter investieren, denn Lesekompetenz ist nicht nur der Schlüssel für jede weitere Bildung, sondern auch die Basis für unser wirtschaftliches Handeln”, so Schormann. Für das laufende Jahr erwartet der Vorsteher des Börsenvereins eine Stagnation des Umsatzes auf dem Niveau von 2002.
Das Minus in der Buchbranche kam im vergangenen Jahr von den traditionellen Gattungen der gebundenen Publikumsbücher – Belletristik, Sachbuch, Kinder- und Jugendbuch. Damit wurde 2002 ein Umsatz von 3,36 Milliarden Euro gemacht, 3,1% weniger als 2001. 2,9% verloren hat auch die Gruppe der wissenschaftlichen Fachbücher einschließlich der Schulbücher, die im letzten Jahr nach Schätzungen des Börsenvereins 3,228 Milliarden Euro Umsatz gemacht haben. Anhaltend ist der Hörbuch-Boom, der Umsatz audiovisueller Medien inklusive der Hörbücher stieg 2002 um 4,8% auf 0,217 Milliarden Euro.
Der Sortimentsbuchhandel hat 2002 einen geschätzten Umsatz von 5,259 Milliarden Euro gemacht, 3,4% weniger als im Jahr davor. Mehr verkauft im Vergleich zum Vorjahr haben 2002 im Direktvertrieb an Endverbraucher nur der Reise- und Versandbuchhandel und die Verlage. Größter Wachstumsbereich im vergangenen Jahr war der Internetbuchhandel. Er hat seinen Umsatz um 52% auf 438 Millionen Euro gesteigert. Damit macht das Online-Geschäft jetzt rund 4,5% des Umsatzes mit buchhändlerischen Produkten aus.
Die Umsätze der Verlage sind 2002 um 2,8% zurückgegangen. Auf diese Entwicklung haben die Verlage reagiert und die Titelproduktion nach dem Rekordergebnis von 2001 deutlich reduziert: Die Zahl der Erstauflagen sank um 7,3% auf 59.916 im vergangenen Jahr. Auch die Gesamtzahl der erschienenen Titel wurde 2002 um ebenfalls 7,3% auf 78.896 Titel reduziert. Die Belletristik ist dabei immer noch die stärkste Sachgruppe, ihr Anteil von 13,7 auf 13,9% gestiegen. Auf 7,4% angewachsen (2001: 5,9%) ist 2002 auch der Anteil von Kinder- und Jugendbüchern am Titelausstoß. Weiter zurückgegangen ist der Anteil der Wirtschaftsbücher von 5,7 auf 4,9%.
Auch die Anzahl der Übersetzungen ist 2002 um 8,7% auf 6223 gesunken. Es dominieren wie in den vergangenen Jahren Übersetzungen aus dem Englischen (62,2%), Rang zwei belegt die französische Sprache (10%). Bei den Lizenzverkäufen ins Ausland nimmt die koreanische Sprache 2002 mit 10% erstmals den ersten Platz vor Chinesisch (9,6%) ein. Immer noch spiegelt sich die Öffnung Osteuropas in der Lizenzstatistik wider: Unter den ersten zehn Sprachen liegen Tschechisch (6,7%), Polnisch (6,4%) und Russisch (4,7%). Deutliche Anteile verloren haben in den letzten zehn Jahren die Lizenzvergaben in die Sprachen der klassischen großen westlichen Handelspartner: Englisch 5,4% (1992: 11,1%), Französisch 5,9% (1992: 9,1%) und Italienisch 6,5% (1992: 13,2%). Begehrt sind vor allem deutsche Kinder- und Jugendbücher – aus dieser Sachgruppe stammen 21,6% aller ins fremdsprachige Ausland vergebenen Lizenztitel.
Im Interesse seiner Mitglieder will der Börsenverein seine Marktforschung weiter ausbauen. “Bisher können wir das Umsatzvolumen unserer Branche nur schätzen, da keine verlässlichen Zahlen vorliegen. In Zukunft werden wir konkrete Aussagen über die Entwicklung einzelner Warengruppen machen können”, so Anja zum Hingst, Leiterin Kommunikation, PR und Marketing im Börsenverein. Ab sofort liefere das Baden-Badener Marktforschungsunternehmen Media Control seine Verkaufsdaten vom deutschen Buchmarkt an den Börsenverein. Beide Unternehmen hätten eine langfristige Kooperation vereinbart. Media Control ermittelt die Absatzzahlen von Neuerscheinungen auf dem deutschen Buchmarkt unmittelbar beim Verkauf an der Ladenkasse – insgesamt 800 Geschäftsstellen werden tagesaktuell erfasst.

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