191. Hauptversammlung des Börsenvereins mit einer Rede von Sigmar Gabiel gestartet

Soeben hat Vorsteher Heinrich Riethmüller im Berliner Congress Centrum (bcc) am Alexanderplatz die 191. Hauptversammlung eröffnet.Bevor er das Mikrofon an den Gastredner, Bundeswirtschaftsminster Sigmar Gabriel (Foto) übergab, dankte er der Regierung für ihr Engagement für die Branche, verlieh aber seiner Sorge Ausdruck, dass durch TTIP die Preisbindung auf der Strecke bleiben könnte.

Sigmar Gabriel

Bei TTIP werde nicht über die Buchpreisbindung verhandelt, so Gabriel. „Sie machen sich in einer Weise klein, dass es einem manchmal die Haare zu Berge stehen lässt“. Natürlich gebe es beim Freihandelsabkommen viele Fragen, aber so versicherte Gabriel, weder Deutschland noch Frankreich werde ein Abkommen schließen, das die kulturelle Vielfalt in Europa in Frage stellt.

„Wir müssen aufpassen, dass wir eine Debatte führen, deren Ängste uns lähmen. Wir haben gute Gründe selbstbewusst daran zu gehen“, so Gabriel. Die Digitalisierung zerstöre keine Geschäftsmodelle, vielmehr eröffne sie neue Geschäftsmodelle und werde die lange Geschichte des Buches nicht verändern.

Der Gedanke des Schutzes geistigen Eigentums entspringe dem Eigentumsgedanken unserer Verfassung. „Es gibt keinen Grund, den Schutz geistigen Eigentums in Frage zu stellen.“ Es gehe um den Wert der Arbeit, auch der künstlerischen und intellektuellen.

Die Buchpreisbindung und der Schutz des Urheberrechts sollten sicherstellen, dass geistige Arbeit entlohnt wird. „Kulturpolitisch ist die Buchpreisbindung unverzichtbar“, so Gabriel, der sich bei der Novellierung des Mehrwertsteuergesetzes auch für einen reduzierten Mehrwertsteuersatz für E-Books einsetzt.
Gabriel wünschte sich abschließend vom Börsenverein eine Fortsetzung der guten und kritischen Diskussion.

Heinrich Riethmüller

Heinrich Riethmüller sprach über die Entwicklungen der Branche: Insgesamt herrsche bei vielen Marktteilnehmern Verunsicherung angesichts des digitalen Wandels, das habe auch das Bild des Buchhandels in der Öffentlichkeit geprägt und die Frage aufkommen lassen, ob der Buchhandel noch eine Zukunft habe. Inzwischen konstatiere er jedoch „eine Phase des neuen Selbstbewusstseins, viele schauen mit Stolz auf den Wandel, den ihre Unternehmen in den vergangenen Jahren durchgemacht haben“.

Auch der stationäre Buchhandel habe digitale Spielwiesen für sich entdeckt. Damit sei der Buchhandel zum Vorbild für den gesamten Einzelhandel geworden, was sich auch auf das Bild in der Öffentlichkeit ausgewirkt habe: „Wir werden nicht von der Entwicklung überholt, wir gestalten sie mit.“

Alexander Skipis

Als wesentlichen Erfolgsfaktor nannte Geschäftsführer Alexander Skipis, dass es 2014 gelungen sei, Investitionen in die Zukunft finanzieller und mentaler Art zu machen. „Wir sind zu einer selbstbewussten Branche geworden, die die Herausforderungen der Digitalisierung angenommen hat.“ Auch in der Öffentlichkeit habe sich das Image der Branche in der Öffentlichkeit gewandelt – von einer Branche mit Untergangsszenario zu einer Branche mit Zukunft.

Für das positiv gewendete Image nannte Skipis drei Gründe:
1. Die Darstellung der Branche in der Öffentlichkeit
2. Gezielte Kommunikation zum Wettbewerber Amazon. Die Branche sei auf einem guten Weg, den Wettbewerber in die Schranken zu weisen. „Wir sind nicht das Kaninchen vor der Schlange, wir können auch zubeißen“, sagte Skipis und hob in diesem Zusammenhang auch die Tolino-Allianz hervor.
3. Die Kampagne „Vorsicht Buch!“, die über 2016 hinaus fortgesetzt werden soll.

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