Fachgruppenversammlung Verlage: Heiße Diskussion über die Zukunft von libreka!

bild(l, 19151)Sechs Programmpunkte hatte die Fachgruppenversammlung Verlage. Neben dem Bericht des Vorstands durch Dr. Karl-Peter Winters (Foto) und der AKEP-Award-Preisverleihung [mehr…] ging es um die strategische Ausrichtung von libreka!, das VLB als verbindliche Referenzdatenbank der Branche und Aktuelles zum Urheberrecht.

Die guten Nachrichten vorweg: Der Umsatz der Verlage hat im Jahr 2009 laut Schnellumfrage zugenommen: nämlich um 3,8 % – dieser Wert wurde seit 2000 nicht mehr erreicht. Das sagte Winters im Bericht des Vorstands. Ausreißer bei den Umsätzen waren die Online-Umsätze der Verlage: Sie stiegen um satte 20%.

Noch nicht ausgestanden sind die Querelen ums Google Book-Settlement, und mit der Markteinführung des iPad wird die Marktentwicklung einen ganz neuen Drive bekommen, dessen Auswirkungen derzeit noch nicht einmal zu erahnen sind.

Winters benannte weitere „Baustellen“ des letztes Jahres: die Entwicklung des Urheberrechts, die nach Verbot der Vorratsdatenspeicherung schwieriger gewordene Verfolgung von Datendieben, das Internet-„Piratenboot“ Rapidshare, die schwelenden Auseinandersetzungen mit den Übersetzern, der ermäßigte Mehrwertsteuersatz auf E-Books. Winters machte deutlich, daß die gesamte Wirtschaftssituation und die neue Sparpolitik der Bundesregierung eine Gefahrenquelle für den ermäßigten Mehrwertsteuersatz für Bücher insgesamt sind – zumal diese 7%-Regelung in Deutschland alles andere als einsichtig ist.

bild(r, 19153)Umsatz- oder Transaktionsplattform: Wohin soll die Reise bei libreka gehen? Ronald Schild lobte die konsequente libreka!-Entwicklung der letzten Jahre. Aber mit den Aktivitäten von Amazon, Google und Apple (GAAP) habe sich die Situation für libreka! grundsätzlich verändert. libreka! habe zwar die meisten deutschen Titel im Netz; aber die Crux ist: kein Mensch – sprich Endkunde – kennt das Portal. Mit dieser Ausgangslage ist es natürlich schwierig, gegen die Big Player anzustinken. 10 Mio. Euro Marketingbudget wären nötig, um mit libreka! einen Marktanteil von 10% zu erreichen – eine illusorische Summe bei den Finanzen des Börsenvereins.

Sollen nun Verlage Werbung für libreka! machen, um dieses Portal bei Endkunden zu promoten? Mit Stickern Anzeigen, Störern und dergleichen. Eine Idee, die für Schild einiges für sich hat. „Das mag befremdlich für Sie wirken“, räumte Schild ein, „und es kostet auch Geld.“ Aber: „Die Form wäre die einzige Möglichkeit, libreka! zu einem erfolgreichen Portal zu machen.“ Freilich – ob Amazon über solche Werbung erfreut wäre und freundlich darauf reagiert – sei zumindest ebenfalls bedenkenswert.

Andere Möglichkeit: Bündelung der Distribution über libreka! zur Verbesserng der Verhandlungsposition der Verlage gegenüber den Big Playern. Oder: Aufbau eines attraktiven Endkundenportals, was freilich wieder mit immensen Kosten verbunden wäre.

Die MVB verhandelt auch mit Apple, um libreka!-Titel in den Apple-Shop aufzunehmen: Schild machte aber kein Hehl daraus, daß er dem recht restriktiven Apple-Vertrag ambivalent gegenübersteht. Probleme gibt es vor allem mit einer Preishoheitsklausel: Nirgendwo im Markt darf ein E-Book teurer sein als bei Apple – was bei der Nichtpreisgebundenheit von E-Books sofort zu Problemen führen könnte. – Gangbar wäre der Weg, daß die MVB einen Distributiosnvertrag libreka!-Apple aushandele. Wichtig für eine Verhandlungsbasis freilich wäre eine gewisse Flexibilisierung des Apple-Vertragswerkes.

„Ich finde, die Vorlage geht so nicht“, so Mirza Hayit und verwies darauf, daß die Marke libreka! allmählich einen negativen Touch bekomme. „Erschüttert und erschrocken“ gab sich Christoph Links und sieht in der neuen Strategie ein komplettes Scheitern von libreka!. Auch nach all den Jahren, bemängelte Links zum wiederholten Mal, werden libreka!-Titel nach wie vor von Suchmaschinen permanent nicht gefunden. Außerdem sei nicht einzusehen, daß Vertrage für libreka! auch im laufenden Betrieb zahlen. Sein Vertrauen in libreka!, so Links, sei dahin. Zu den Verhandlungen mit Apple merkte er an, daß die Aufbereitung von E-Books zu Apple-Books ein Heidengeld kosten (etwa 200 Euro Konvertrierungskosten pro Titel) und fragte, ob die Kosten dafür dann in libreka!-Gebühr inbegriffen seien.

Michael Vogelsbacher,
Joerg Geschlauer

Weitere Anregungen in der Diskussion: Verkauf oder Privatisierung von libreka!? Karl-Peters Winters warnte davor, in der Diskussion um libreka! nur Schwarzmalerei zu betreiben – was die Verhandlungsbasis mit den Big Playern nicht gerade erleichtern dürfte. Auch Andres Auth sieht libreka! nicht so negativ wie seine Vorredner. „libreka! funktioniert. Nicht optimal, aber es funktioniert.“ Und: „Keiner hat doch von Anfang an angenommen, daß man mit einem Marketingetat von 100.000 € Google im Geschäft überflügeln könnte.“ Und plädierte für eine Weiterführung des Pojekts. Angeregt wurde in Sachen auch eine Denkpause für libreka!. – Eine Entscheidung über libreka! mochte die Fachgruppenversammlung nicht treffen – nicht aufgrund des heute vermittelten Kenntnisstandes.

VLB als Referenzdatenbank: Joerg Gerschlauer verwies auf den Beschluß den Branchenparlaments. Er betonte noch einmal die Sensibilität der Preisbindung und die Aktivitäten von Abmahnwälten – und es werden mehr Preisabgleichverfahren in Gang gesetzt werden. Michael Vogelsbacher stellte die Meldemöglichkeiten vor; am einfachsten ist es: dem VLB den Referenzpreis zu nennen, der im VLB auch als Referenzpreis kenntlich ist. Amazon wird der verbindlichen Referenzpreis übernehmen.

Aktuelles zum Urheberrecht berichtete Christian Sprang.

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