Stellungnahme der 33. Fachschule zum offenen Brief des 162. Berufsschullehrgangs

Nach fünf Tagen aufgeregter Diskussion über den offenen Brief des 162. Berufsschullehrgangs [mehr…], [mehr…] am „Mediacampus – Schulen des Deutschen Buchhandels“ meldet sich nun der 33. Fachschullehrgang, Buchhandelsfachwirtklasse Mediacampus Frankfurt, zu Wort.

Die Stellungnahme im Wortlaut:

In diesen fünf Tagen hat das stattgefunden, was Wolfgang Tischer sich in seinem Kommentar nicht gewünscht hat: „Talk-Show-Kultur“. Es wurden zu Wahrheiten erhobene Argumente zementiert, damit die Wahrheit unumstößich bleibt, und nicht wieder zu Argumenten wird. Das ist keine Diskussionskultur, sondern Schlagabtausch. Und doch ist es Einigen gelungen, in diesem Schlagabtausch die Dinge wahrzunehmen, um die es eigentlich geht. So Thomas Bez [mehr…]: „ Es muss doch schon viel passiert sein, wenn 91 Schüler(innen) einen offenen Brief (unter)schreiben. Wenn viele Dozenten die Schule verlassen, so hat das möglicherweise Gründe, über die man reden sollte.“

Es ging unseres Erachtens in dem offenen Brief nicht um das gedruckte Buch. Ein Buch ist ein Buch ist ein Buch, egal auf welchem Datenträger, ob mündlich überliefert, auf Papyrus geschrieben, auf Papier gedruckt oder in digitalisierter Form. Keine Generation im Buchhandel hat zu letzterem so unbefangenen Zugang, wie die, die derzeitig ausgebildet wird. Wenn gerade diese die Geschäftsführung des Mediacampus dazu auffordert, sich für die Zukunft des Buches einzusetzen, ist das ein Ausdruck dafür, dass es um dieVermarktung von Formaten und um die Bewertung von Inhalten geht.

Und dafür bedarf es einer Basis. Der viel zitierte „Blick über den Tellerrand“ erübrigt sich, wenn der Tellerboden zerschlagen ist. Oder, wie Dorothea Redeker formulierte: „Ohne Grundkenntnisse gelingt kein Kontextbezug.“ Das Signal an unsere Azubi-Generation lautet: der Beruf, den du lernst stirbt aus, und du musst in Zukunft andere Qualifikationen haben, als du jetzt erlernst. Wen wundert’s, dass dann ein Brief dieser Azubi-Generation mit den Worten „verunsichert“ und „ratlos“ beginnt.

Hier zeigt sich, welche Pflichten und welche Chance die Branche hat, nämlich den Wandel zu gestalten. Das bedeutet, die vielfältigen Bedürfnisse einer inzwischen heterogenen Branche zu ermitteln. Daraus lassen sich die Qualifikationen ableiten, die man dem Branchennachwuchs vermitteln möchte. Und die diesbezüglichen Inhalte müssen dem pädagogischen Personal der brancheneigenen Bildungseinrichtung kommuniziert werden. Dies ist eine Chance, die bisher nicht ergriffen wird.

Diese Aufgabe fordert Fähigkeit zur Kommunikation. Und zwar mit allen Beteiligten: den Azubis, den Dozenten, den – auch auf dem Campus ausgebildeten – zukünftigen Führungskräften und nicht zuletzt mit den Ausbildern, das heißt den Betrieben, die ausbilden und die als Mitglieder des Börsenvereins diese Schule mitfinanzieren.Stattdessen werden Worthülsen wie E-Commerce, Fairplay, Teamwork und Longlife Learning aufgeblasen, ohne diese mit Inhalten zu füllen. Ungefüllte Blasen pflegen zu platzen, egal ob in der Natur, in der Wirtschaft oder in der Bildungspolitik.

Die Fähigkeit zur Kommunikation ist eine der Schlüsselqualifikationen, die zur Bewältigung der anstehenden Veränderungen der Branche unabdingbar ist. Das haben wir als angehende Fachwirte einer im Wandel befindlichen Branche an deren im Wandel befindlichen Bildungeseinrichtung gelernt, sowohl vom altgedienten Lehrpersonal, als auch von Dozenten aus der Praxis. Doch, so mussten wir gerade hier auf dem Campus seit Beginn unserer Weiterbildung im Januar 2009 immer wieder erfahren, ist dies graue Theorie. Denn obwohl es mehrere Gesprächsversuche gegeben hat, gelang es nicht, in einen offenen, fairen und sachorientierten Dialog zu treten, da dies bereits daran scheiterte, eine gemeinsame Gesprächsebene zu finden.

Wir bedanken uns beim 162. Berufsschullehrgang für den Mut, die Problematik zu veröffentlichen, und somit der Branche die Chance zu ermöglichen, die hierzu längst notwendige Diskussion endlich zu führen.
Frankfurt/Seckbach, Die 33. Fachschule / / Die Schulen des Deutschen Buchhandels

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