Börsenverein und Stiftungsrat des Friedenspreises: Türkei soll Verfahren gegen Orhan Pamuk einstellen

Das teilt der Börsenverein eben mit:

Mit Bestürzung haben der Stiftungsrat Friedenspreis und der Börsenverein des Deutschen Buchhandels zur Kenntnis genommen, dass die türkische Staatsanwaltschaft Orhan Pamuk, Träger des Friedenspreises des Deutschen Buchhandels 2005, wegen “öffentlicher Herabsetzung des Türkentums” angeklagt hat. “Wir protestieren und fordern den türkischen Staat auf, das Verfahren gegen Orhan Pamuk einzustellen, denn die Freiheit des Wortes gehört zu den Grundwerten einer demokratischen Gesellschaft”, sagt Dieter Schormann, Vorsteher des Börsenvereins. Die türkische Staatsanwaltschaft legt dem Friedenspreisträger in ihrer Anklage Interview-Äußerungen in einer Schweizer Zeitung zum Völkermord an den Armeniern zur Last, der in der Türkei bis heute offiziell nicht anerkannt wird. Pamuk hatte davon gesprochen, dass in der Türkei eine Million Armenier und 30.000 Kurden umgebracht worden seien.

Orhan Pamuk wird am 23. Oktober 2005 in der Frankfurter Paulskirche der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels verliehen. In der Begründung des Stiftungsrats heißt es: “Mit Orhan Pamuk wird ein Schriftsteller geehrt, der wie kein anderer Dichter unserer Zeit den historischen Spuren des Westens im Osten und des Ostens im Westen nachgeht, einem Be-
griff von Kultur verpflichtet, der ganz auf Wissen und Respekt vor dem anderen gründet. (…) So eigenwillig das einzigartige Gedächtnis des Autors in die große osmanische Vergangenheit zurückreicht, so unerschrocken greift er die brennende Gegenwart auf, tritt für Menschen- und Minderheitenrechte ein und bezieht immer wieder Stellung zu den politischen Problemen seines Landes.”

Die Freiheit des Wortes ist Grundlage demokratischer Gesellschaften und damit auch der freien verlegerischen und buchhändlerischen Tätigkeit. Auch der Friedenspreis des Deutschen Buchhandels entstand vor dem Hintergrund dieses Wertes. Er würdigt seit 1950 Persönlichkeiten, die mit ihrer literarischen, künstlerischen oder wissenschaftlichen Arbeit als Friedensstifter wirken.

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