Wer rastet, der rostet – die Antiquariatsszene rüstet sich für den Online-Handel

Das ZVAB Erfolgsseminar und seine Organisatoren:
Bernd Heinisch (ZVAB, links), Thorsten
Wufka (ZVAB, Mitte) und Hasso
Bräuer (Seminarleiter,rechts)

Er dreht sich, er bewegt sich: Der Antiquariatskreisel kommt in der letzten Zeit vor Impulsen aus allen Richtungen gar nicht mehr zum Stehen. Besonders auf dem Fortbildungsmarkt erwacht das Antiquariat aus dem Dornröschenschlaf. Lange Zeit waren das „Seminar für Antiquare“, organisiert von den DACH-Verbänden und der AG Antiquariat des Börsenvereins, die einzige Quelle für Fortbildungen und gleichsam eher etwas für gestandene Antiquare, die sich tiefer gehendes Spezial-Wissen aneignen wollten. Nun schließt das ZVAB und auch die AG Antiquariat die Lücke mit Kursen für Neu- und Quereinsteiger. Gerade das ZVAB gibt jedoch auch dem Thema Internet höchste Priorität und wirbt damit bei Kollegen, denen der Online-Handel bislang noch ein Buch mit sieben Siegeln ist. Erste Resonanzen bestätigen die Veranstalter und ihr Angebot: Das ZVAB Erfolgsseminar am 01. und 02. Juni in Tutzing sei „Ein voller Erfolg“ gewesen, meinte die Teilnehmerrunde geschlossen.

Basiswissen und Online-Tricks
Tatsächlich vervollständigten die Inhalte des Seminars das Antiquariats-Basiswissen und gaben Tipps für den erfolgreichen Internetverkauf. Das lässt Fragen aufkommen: Wenn sich das Kursangebot eher an den Grundlagen orientiert, wieso ist die Nachfrage dann so groß? Gibt es keine gut ausgebildeten Antiquare? Hat dieser Beruf einen (zu) starken Zulauf? Oder ist es dem Internetzeitalter geschuldet, dass Antiquare plötzlich mit ihrem alten Rüstzeug dastehen und mit Holzschwertern gegen Windkraftanlagen kämpfen?

Wahrscheinlich ist es von allem etwas. Zum einen war das Angebot bislang eher übersichtlich und vielleicht ein bisschen zu elitär. Zum anderen – ob es der Zunft nun gefällt oder nicht – kommen immer mehr Anbieter dazu, die ohne viel Vorwissen die Bücher von Oma auf dem Dachboden verkaufen wollen. Und zwar am besten ohne viel Aufwand übers Netz. Der Traditionsantiquar sieht all dem mit gemischten Gefühlen entgegen. Einerseits prophezeit er den Niedergang der Antiquariatskultur, ein Preisverfall durch Unwissenheit, Dumping und dem Internet. Andererseits schien sich nach Ankündigung der Seminarangebote Angst vor zu viel Wissen, zu viel ernstzunehmender Konkurrenz breitzumachen.

Antiquare und Kunden profitieren von den Fortbildungen
Tatsächlich sind solche Angebote jedoch für die gesamte Antiquariatsszene wichtig und lassen nicht zuletzt Anbieter wie auch Kunden profitieren. Denn wie Hasso Bräuer und auch das ZVAB Team auf dem ZVAB Seminar predigten: „Spezialisierung“ ist wichtig. Denn wer sich spezialisiert, hat einen wichtigen Schritt getan, um sich vom Angebot anderer abzugrenzen und das eigene interessanter und verkäuflicher zu machen.

Zudem kommt, dass die Verlagerung der Antiquariatsgeschäfte vom „real“ life ins world wide web Veränderungen und vor allem Herausforderungen mit sich bringt, denen Antiquare sich stellen müssen, wenn sie ihren Beruf weiterhin gewinnbringend ausüben wollen. Die 15 Teilnehmer des ZVAB Seminars jedenfalls sahen ihre Chancen vor allem im Netz, wenngleich nicht ausschließlich. Ehrengast Eberhardt Köster, Vorsitzender des Verbands deutscher Antiquare, bemerkte richtig: Internetverkäufe allein sichern noch lange nicht den Unterhalt. Das Ladengeschäft ist ein weiter wichtiger Stützpunkt, gerade für teure Titel. Doch der steigenden Nachfrage über das Internet muss man begegnen. Daher gilt es, gewisse Spielregeln zu befolgen und auf die speziellen Wünsche des Kunden zu reagieren. Schlechte Buchbeschreibungen, zu günstige ebenso wie dramatisch überhöhte Preise zahlen sich nicht aus. Und vor allem ist es wichtig zu wissen, was man im Lager hat, Ladenhüter zu vermeiden, Titel richtig und gut beschrieben ins Netz zu stellen, um so die Verkaufschancen zu erhöhen. Und genau solche Dinge werden in den Basis-Seminaren vermittelt. Gut für Einsteiger. Gut für Fortgeschrittene. Gut für die Kunden.
SAM

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