Positiver Trend im Bahnhofsbuchhandel

Heute traf sich im Hilton Hotel in Berlin der Verband Deutscher Bahnhofsbuchhändler (VDBB) zu seiner Jahreshauptversammlung. Bereits gestern hatte die Mitgliederversammlung stattgefunden, bei der der 1. Vorsitzende des Verbands, Götz Grauert in seinem Amt bestätigt wurde.

Götz Grauert

Zum 2. Vorsitzenden wurde Peter Obeldobel (Valora Retail Deutschland) gewählt. Insgesamt waren bei der Jahreshauptversammlung diesmal rund 300 Teilnehmer dabei, darunter etliche Vertriebsleiter von Verlagen.

Das Jahr 2015 sei sehr erfolgreich verlaufen. Götz Grauert sprach in seiner Begrüßung von einer Trendwende. Der Umsatz im Bereich Presse und Buch habe sich stabil entwickelt, in den Nebenmärkten sei sogar ein Umsatzplus zu verzeichnen. Im Durchschnitt habe jeder Kunde mehr ausgegeben als im Vorjahr. Multichannel heißt das Zauberwort. „Sich online informieren und offline einkaufen, scheint ein Trend zu sein,“ so Grauert. „Print lebt! Print hat Zukunft!“

Wie schon im Vorjahr kritisierte er überflüssige Me-Too-Produkte, die in den Verlagen und im Handel auf Kosten von Innovationen gehen. Man setze vor allem auf inhaltlich anspruchsvolle Titel. Viel Freude habe den Bahnhofsbuchhändlern im vergangenen Jahr beispielsweise die neue Zeitschrift Barbara von Gruner + Jahr gemacht. „Was wir brauchen sind echte Innovationen“, so Grauert.

Und die stellte Julia Jäkel, CEO Gruner + Jahr, vor. Das Unternehmen habe massiv in die digitale Entwicklung und zugleich in die Qualität der vorhandenen Magazine und in neue Produkte investiert und damit den Umsatz gesteigert. Print und Digital befruchteten sich gegenseitig, sagte sie. Ohne das Internet, ohne soziale Netzwerke wären Printtitel weniger erfolgreich. In einer zunehmend virtuellen Welt, wollten die Menschen auch einmal offline sein und sehnten sich nach Austausch, nach einem Wir-Gefühl. Das könnten Zeitschriften leisten. In eine ähnliche Richtung wies Frank Dopheide, Geschäftsführer Verlagsgruppe Handelsblatt. Er erläuterte wie sich sein Unternehmen für die Zukunft rüstet und bescheinigte dem Bahnhofsbuchhandel eine wichtige Rolle als Ort der Entschleunigung.

Nach der Pause erläuterte der Medienwissenschaftler Bernhard Pörksen, Professor an der Universität Tübingen, auf sehr unterhaltsame Art und Weise welche Auswirkungen der Medienwandel auf den Einzelnen und auf die Gesellschaft hat. Sein Fazit: „Das Medienpublikum ist medienmächtig geworden.“ Es gebe kein Herrschaftswissen mehr, vielmehr müssten sich alle die Frage stellen, was glaubwürdige und was relevante Information ist. „Das muss ein Element der Allgemeinbildung werden.“

Zum Abschluss der Tagung wurde es politisch. Karl-Heinz Meier-Braun sprach zum Thema Einwanderung und Asyl. (Sein gleichnamiges Buch ist bei C.H. Beck erschienen.) Und Gregor Gysi breitete anschließend ein ganzes Themenspektrum aus – Flüchtlingskrise und Integration, Krieg, Waffenlieferungen und die Chance auf Frieden, Familien- und Bildungspolitik.

Ausstellung der Partner

Junge Menschen sollten mit vielfältigen Texten fürs Lesen begeistert werden, sagte Gysi und empfahl allen die Lektüre eines seiner Lieblingsmärchen, Herr Korbes von den Brüdern Grimm. Überhaupt müssten Kunst und Kultur einen höheren Stellenwert haben. „Es ist eine zentrale Bildungsaufgabe, allen den Zugang zu Kunst zu ermöglichen.“ Das fange schon in Kindertagesstätten an. Gysi sprach sich für mehr Investitionen in Bildung und Erziehung aus. Auch der Erhalt der Buchpreisbindung liegt ihm am Herzen. „Ich gehe gern durch Buchhandlungen“, sagte er und betonte, dass er bis auf Ausnahmen gedruckte Bücher bevorzugt, weil sie riechen und Geräusche machen. „Kämpfen Sie bitte um das Buch!“

Den Nachmittag nutzen die Teilnehmer zum Networking und zum Besuch der traditionellen Ausstellung im Panoramafoyer, auf der mehr als 50 Verlage ihre Produkte vorstellen.
ml

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