Bouvier-Gonski: Insolvenzverwalter bestellt – umfassende Kompetenzen für Dr. Bruno M. Kübler, der den Geschäftsbetrieb an allen Standorten aufrecht erhalten will

In dem Insolvenzeröffnungsverfahren über das Vermögen der Buchhandelskette Bouvier-Gonski hat das zuständige Amtsgericht Bonn den bundesweit als Insolvenzverwalter tätigen Rechtsanwalt Dr. Bruno M. Kübler zum sog. „starken“ vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt, heißt es in einer eben veröffentlichten Presseerklärung. Hiermit ist die Verwaltungs- und Verfügungsbefugnis, d.h. die umfassende Managementkompetenz, auf den vorläufigen Insolvenzverwalter übergegangen. Zunächst war Kübler, wie in der Praxis die Regel, am 27. Juni nur als sog. „schwacher“ Insolvenzverwalter eingesetzt worden, der keine eigene Geschäftsführungskompetenz hat, ohne dessen Zustimmung das insolvente Unternehmen aber keine Verfügungen treffen darf. Im Falle Bouvier strebte das Unternehmen eine sog. Eigenverwaltung an, bei der die Managementkompetenz beim Unternehmen verbleibt und ein Sachwalter lediglich die Aufsicht führt. Die Eigenverwaltung kommt nach der Rechtslage jedoch erst ab Eröffnung des Verfahrens in Betracht, die voraussichtlich nicht vor dem 1. Oktober stattfindet. Außerdem darf die Eigenverwaltung für die Gläubiger keine Nachteile bringen. In der jetzigen Zwischenphase bis zur Verfahrenseröffnung hielt das Gericht die Anordnung der vorläufigen Verwaltung, die die Schuldnerfirma in ihren Managemententscheidungen an die Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters bindet, als Mindestkontrolle im Interesse der Gläubiger für geboten. Das Nebeneinander von Unternehmsgeschäftsführung und vorläufiger Verwaltung ist jedoch eine Kompetenz-Gemengelage, die den Rechtsverkehr eher verunsichert als dass sie Klarheit bringt. Kübler hat daher dem Gericht vorgeschlagen, klare Verhältnisse zu schaffen und ihm als vorläufigem starken Verwalter umfassende Kompetenzen einzuräumen. Das Gericht ist dem Vorschlag gefolgt und hat damit eine eher gläubigerorientierte Entscheidung getroffen. Ob damit mittelbar eine Vorentscheidung gegen eine spätere Eigenverwaltung getroffen ist, ist eine offene Frage.

Durch diese eindeutige Kompetenzzuweisung an den vorläufigen Verwalter sind laut Kübler die Voraussetzungen geschaffen worden, die zur Unternehmensfortführung notwendige Liquidität, insbesondere von Warenkredit, zu erhalten. Kübler will den Geschäftsbetrieb an allen Standorten aufrecht erhalten. Angestrebtes Ziel ist es nach Auskunft des vorläufigen Verwalters, in Fortsetzung der eingeleiteten Sanierungsmaßnahmen und der Gespräche mit den beteiligten Gläubigern sämtliche Bouvier-Gonski Buchhandlungen langfristig zu erhalten. Hierbei kommt laut Kübler – je nach Standort – sowohl die Eigensanierung als auch die sog. übertragende Sanierung an Dritte in Betracht. Durch persönliche Zahlungszusagen des vorläufigen Insolvenzverwalters konnte dieser bereits das verlorene Vertrauen vieler Lieferanten und Dienstleister zurückgewinnen. Die ersten Schritte in die richtige Richtung seien somit getan, so Kübler. Die Solidaritätsbekundungen nach der Wiedereröffnung der Läden zeige, dass den Kunden die Erhaltung „ihrer“ Bouvier-Gonski Buchhandlungen am Herzen liege. Kübler bedankt sich für das Kundenvertrauen und weist darauf hin, dass in der jetzigen Situation jeder Kunde auch zukünftig durch seine Bucheinkäufe bei Bouvier-Gonski seinen persönlichen Sanierungsbeitrag zur Erhaltung der Buchhandlungen und der dortigen Arbeitsplätze leisten könne.

Ansprechpartner: Dr. Bruno M. Kübler
Rechtsanwalt und Fachanwalt für Insolvenzrecht
Aachener Str. 217, 50931 Köln, Tel. 0221/40077-0; Fax.: 0221/40077-20

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