Carel Halff zur Weltbild-Strategie / Neuer E-Reader zur Messe

Einige überraschende Einsichten Schlussfolgerungen bietet die Bilanz-Pressemitteilungen. Wir haben bei Weltbild-Geschäftsführer Carel Halff nachgefragt und siehe da, nebenbei kündigt er noch einen neuen E-Reader an.

buchmarkt.de: Sie schreiben, dass Ihr neues Ladenkonzept erfolgreich war. Was haben Sie neu gemacht?

Carel Halff

Carel Halff: Für die Marke Weltbild ist es ein großer Erfolgsfaktor, dass sich Internetshop, Katalog und nun auch die Filialen in einem einheitlichen Corporate Design bewegen, in dem farblich rot und weiß dominieren. Das stärkt die Marke, den Wiedererkennungswert und damit die Kundenbindung. Die Weltbild-Buchhandlungen haben Empfehlungscharakter und zeigen die aktuellen Trends. Aus Marketingsicht sind Katalog, Filialen und Internet eng vernetzt, das heißt, in allen Kanälen werden die gleichen Aktionen zeitgleich gespielt.

Sie entdecken in der Bilanz „small is beautiful“ wieder neu…, Ende des Hugendubel-Konzepts?

In großen Städten haben unsere großen Hugendubel Flaggschiffe durchaus eine echte Zukunft und funktionieren auch gut. Zugleich sehen wir, dass einzelne Standorte von der Größe der Flächen und dem gesamten Angebot her überbesetzt sind, die GfK hat festgestellt, dass im Schnitt schon ein Drittel der Bücher im Internet gekauft wird, dieser Anteil kommt nicht zurück. Also wollen wir unsere Flächen so attraktiv wie möglich machen.

Das heißt „kleiner“ betrifft auch Hugendubel?

Bei Hugendubel sehen wir, dass wir mit einem neuen Raumkonzept und veränderter Sortimentsauswahl auf verkleinerten Flächen wie in Pasing oder Regensburg nahezu den gleichen Umsatz machen, wie zuvor auf den größeren Flächen am gleichen Standort.

Wie interpretieren Sie das?

Hier ist eine Verschiebung im Einkaufsverhalten zu sehen: Früher ging der Kunde, wenn er auf der Suche nach einem ausgefallenen Titel war, in eine möglichst große Buchhandlung, eventuell fuhr er dazu extra in die nächst größere Stadt – heute erledigt er diesen Gang im Internet. Zugleich geht er aber gerne in die Buchhandlung, weil er dort Entschleunigung und ein schönes Einkaufserlebnis sucht. Entsprechend haben wir die Hugendubel-Flächen in Orte der Begegnung verwandelt, viel Holz, bequeme Sessel, gemütliche Stehlampen.

Wie konnten Sie investieren und die Rendite positiv halten bei sinkendem Umsatz?

Wir investieren in die Runderneuerung der IT-Landschaft, in die Beschleunigung der Logistik, in die Überholung der Filialen und den Aufbau des E-Book-Segmentes jeweils hohe zweistellige Millionenbeträge. Diese zukunftgerichteten Investitionen schmälern natürlich das Ergebnis. Aber wir sehen es als Aufgabe mit höchster Priorität an, jetzt alles zu tun, um das Unternehmen für die Herausforderungen der Digitalisierung zu rüsten und auf die Zukunft vorzubereiten und gehen hier bis an die Grenzen des Möglichen. Wer aktuell nur auf die Optimierung der Ertragskraft setzt, verspielt Zukunftschancen.

Sie schreiben, dass Sie sich an die Spitze von Multichannel gesetzt haben. Sehen Sie sich immer noch als „der einzige, der Multichannel kann“, wie Sie das einmal gesagt haben?

Kein anderes Unternehmen, auch kein Buchhandelsunternehmen, hat ein so ausgewogenes Verhältnis in der Umsatzstärke der Kanäle. Wir sehen eine deutlich höhere Kundenbindung- und Kundenausschöpfung durch die enge Vernetzung von Internet- und Mobilhandel mit Katalog und Filialgeschäft.

Woran erkennen Sie, dass der E-Book-Reader „populär“ ist, wie es in der Pressemitteilung heißt?

Wir haben eine hohe sechsstellige Zahl an Geräten abgesetzt und sehen einen stetig wachsenden Trend. Sowohl beim Absatz der Geräte als auch beim Nachkauf von Lesestoff wurden wir sehr positiv überrascht, weil die Kunden deutlich schneller und deutlich häufiger digitale Bücher kaufen. Durch den Geräteverkauf können wir sie stark an uns binden, das ist sehr erfreulich.

Ist ein neues Gerät geplant?

Ja, zur Buchmesse werden wir hier Näheres sagen. Momentan möchten wir dem Wettbewerb nicht zu viel verraten.

Die Fragen stellte Matthias Koeffler

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