Der „Kleine“ unter den Großen erstes Opfer im härter werdenden Wettbewerb? / Bouvier/Gonski wegen „zu hoher Zinslasten und Mieten“ zahlungsunfähig / Vorerst Vollstreckungsverbot

Durch eine technische Störung bei unserem Provider konnten wir vorhin nicht melden, was seit einigen Wochen schon Thema im Kölner Raum war, aber erst heute früh dann auch die traurige Bestätigung erhielt:

Thomas Grundmann, alleiniger Gesellschafter der Geschäftsleitungs – GmbH der Universitätsbuchhandlung BOUVIER GmbH & Co. KG, Bonn, hat heute früh den Bonner Wirtschaftsprüfer und Rechtsanwalt Ludger Westrick zum alleinigen Geschäftsführer bestellt. Der hat daraufhin alsbald Antrag auf Eröffnung des Insolvenzverfahrens wegen Zahlungsunfähigkeit und Überschuldung beim Bonner Amtsgericht gestellt. Das Gericht hat zunächst ein Vollstreckungsverbot erlassen. (Der bisherie GF Richard Feldmann wurde deshalb abberufen und neben Ralph Erbstösser zum alleinvertretungsberechtigten Prokuristen ernannt).

Westrick aber: „Das Unternehmen wird weitergeführt. Alle Abteilungen und Zweigstellen gehören auf den betriebswirtschaftlichen Prüfstand.“

Hauptursache seien zu hohe Zinslasten und Mieten, vor allem in Köln und Koblenz.

Schon vor rund 14 Tagen war durchgesickert, dass eine große Buchverlagsgruppe einen Lieferstopp für die Bouvier/Gonski Läden erwirkt hatte; andere Infos lauteten gar, Thomas Grundmann habe sich ganz von seinem Unternehmen getrennt, wie unter den Mitarbeitern kursierte.

Zu diesem Zeitpunkt war aber Thomas Grundmann noch optimistisch, das kurzfristig bereinigen zu können: Letztlich auch in der Hoffnung auf eine baldige Belebung des „undurchschaubar gewordenen Käuferverhaltens“ (Grundmann). Für das Bonner Stammhaus etwa sei sein Unternehmen guter Dinge, die Strukturveränderungen unter seinen Kunden bald in den Griff zu bekommen. Aber sowohl für das Problem der immer deutlicher werdenden Kaufunlust bei den Buchkunden und dem härter werdenden Wettbewerb des Großbuchhandels auch untereinander sehe er kurzfristig keine Lösung – wobei er sich aber nicht allein in dieser unbefriedigenden Situation sehe.

Der „Kleine“ unter den Großen mit rd. 350 Mitarbeitern und ca. 60 Mio. EURO Umsatz ist nun das erste Opfer des sich sicher noch verschärfenden Wettbewerbs des Großbuchhandels auch untereinander: BuchMarkt-Autor Joachim F. Klock hatte schon vor vielen Jahren prognostiziert, dass die Zeiten unbegrenzten Wachstums spätestens dann vorbei seien, wenn die ersten „Großen“ in Ballungsräumen direkt aufeinander treffen würden.

Das ist Thomas Grundmann in Berlin vor einigen Jahren schon einmal passiert – von dem dort wieder nötig gewordenen Rückzug hat sich sein Unternehmen nie ganz erholt. Und seit die Mayersche in Köln seinem dortigen Buchhaus Gonski Konkurrenz macht, war auch optisch schon sichtbar, dass Thomas Grundmann diesen Wettbewerb nicht lange würde durchstehen können.

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