Die Autorenbuchhandlung Berlin verlässt 5plus

Da hat es hinter den Kulissen wohl heftig gekracht: Die Autorenbuchhandlung Berlin beendet ihre Mitgliedschaft in der Buchhandelskooperation 5plus. Dazu veröffentlichte sie folgende Presseerklärung:

„Wenn das gesteckte Ziel erreicht ist, denkt man gewöhnlich nicht ans Aufhören. Dennoch beendet die autorenbuchhandlung Berlin ihre Mitgliedschaft bei 5plus mit der für sie persönlich schönsten und spannendsten Magazinausgabe. Nur so bleiben sich die autorenbuchhändler treu.

„Bei fünf Mitgliedern sollte sich niemand wie das buchstäblich fünfte Rad fühlen“, sagt Joachim Fürst, der Geschäftsführer der Berliner Fürst & Iven GmbH autorenbuchhandlung. „Mir persönlich war aber am Ende der Einfluss deutlich zu groß, den ein einzelner Kollege in Abstimmung mit der von allen 5plus-Mitgliedern beauftragten Agentur auf die vorgeschlagenen Themen nahm. Es fehlte mir der Blick über den Tellerrand der Buchstabensuppe in die Welt, in der sich die Literatur ja ohnehin längst mit der Musik, dem Theater, dem Film und auch dem Zeitgeist mischt.“ Marc Iven, ebenfalls Geschäftsführer, teilt diese Entscheidung: „Für uns autorenbuchhändler funktioniert ein eigenes Kundenmagazin nur durch Artikel und Themen, für die man sich engagiert und hinter denen man steht. Nur so lassen sich Leser und Kunden begeistern. Die anderen 5plus-Mitglieder setzten auf gefälligere Inhalte mit denen wir uns einfach nicht identifizieren konnten. Erst kurz vor Redaktionsschluss griffen sie dann doch zum Großteil auf unsere Ideen zurück, weil sie keine eigenen Themen realisieren konnten. Rückblickend freue ich mich besonders über die positiven Erfahrungen und die Solidarität, die wir im Umgang mit Verlagsmitarbeitern, Kulturschaffenden und führenden Intellektuellen unserer Zeit gesammelt haben. So konnten wir wunderbare eigene Beiträge ins Magazin bringen wie ein Interview von Durs Grünbein mit Hanna Schygulla, eine Exklusivstunde mit der Philosophin Judith Butler, einen Lesungsrückblick nebst geschenktem Essay mit H.M. Enzensberger und wildschöne Gespräche mit den Schauspielern Lars Eidinger oder Franz Dinda. Auch diese durchzusetzen, war nicht einfach.

Im Falle unserer in der eigenen Buchedition veröffentlichten Erzählung Rausch von Irène Némirovsky, für die wir freundlicherweise die Rechte vom Knaus Verlag erhielten, kam es zum Eklat. Christian Dunker, zuständig für Presse / ÖA und Veranstaltungen der Fürst & Iven GmbH erinnert sich: „Marc Iven und ich standen der Veröffentlichung zunächst skeptisch gegenüber, gingen jedoch auf eine lange Reise ins Innere der Biografie dieser in Auschwitz umgekommenen Ausnahmeautorin. Um den Lesern einen kenntnisreichen Einblick in das Leben und Werk dieser Autorin ermöglichen zu können, konnten wirDavid Marwell, Direktor des Jewish Heritage Museum in New York, Olivier Corpet, Direktor des Institut Mémoires de l´édition contemporaine IMEC, Paris und Jacques Fredj vom Mémorial de la Shoah, dafür gewinnen, uns die Abdruckrechte für zwei Essays aus New York und Paris, die das allzu kurze Leben der Autorin beschreiben, zu überlassen. Zudem stellten sie uns private Fotos der Familie und des berühmten Koffers, in dem u.a. das unvollendete Manuskript der literarischen Sensation Suite française lag, für die Publikation zur Verfügung. Sie waren nicht nur absolut begeistert von unserem Vorhaben, sondern tief berührt darüber, dass wir autorenbuchhändler die Erzählung und den großen Verlust dieser Schriftstellerin nicht nur über den Erzähltext, sondern auch sinnlich noch erfahrbarer machen wollten. Von unseren Buchhandelskollegen wurden wir in unserem Engagement heftig kritisiert.“

Joachim Fürst unterstreicht: „Eine Empfehlungsgemeinschaft ohne Solidarität und respektvollen Umgang miteinander birgt für uns nicht die Voraussetzung guter Zusammenarbeit. Dieses Ende birgt jedoch auch einen Neuanfang. Mit dem anstehenden Umzug aus der Carmerstraße in die direkte Nachbarschaft der renommierten Kunstbuchhandlung Bücherbogen bilden wir eine Literaturmeile am Savignyplatz, die qualitativ Ihresgleichen sucht. Wir werden weiter etwas bewegen, zukünftig im eigenen Magazin Inhalte voranbringen und auf Augenhöhe kämpferisch, wach und neugierig sein! Bleiben Sie uns gewogen.“

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.