Offener Brief von Albert Daming an den AWS Vorstand

Vor etwa einem Monat schrieb Albert Daming (lks.), Inhaber der wissenschaftlichen Buchhandlung promoculture in Luxemburg, einen Brief an die Vorstandsmitglieder der AWS (im Wortlaut s.u.), in dem er seiner Meinung nach dringend notwendige Reformen der Vereinigung wissenschaftlicher Buchhändler anmahnt und auch erste konkrete Vorschläge macht.

Was Daming richtig verärgert, sind allerdings weniger die Fehler, die die AWS derzeit seiner Ansicht nach macht, sondern die Tatsache, dass sich bis zum heutigen Tag lediglich ein einziges Vorstandmitglied der AWS überhaupt zu den Vorwürfen und Anregungen geäußert hat.

Auch deshalb nun der Schritt, den Brief als offenen Brief zu veröffentlichen, um die Diskussion – gerade auch angesichts der bevorstehenden AWS-Tagung in Augsburg im Mai – vielleicht doch noch in Gang zu bringen.

BuchMarkt-Online dokumentiert im folgenden den Wortlaut des Briefes von Albert Daming.

Liebe Kollegen,
sehr geehrte Damen und Herren,

Sie sind sicherlich bereits mit den Vorbereitungen für die kommende AWS-Jahrestagung beschäftigt? Deshalb möchte ich Sie bitten, einmal über folgenden Punkt nachzudenken:

Die AWS als Gruppierung wissenschaftlicher Buchhändler (mit Betonung auf Wissenschaft und nicht auf Buchhändler/Sortimenter) sollte sich wieder auf die Zielsetzung/Wurzeln seiner Gründungsväter besinnen! Auch wenn dies gegebenenfalls schon wieder eine Statutenänderung mit sich ziehen sollte.

Es gibt in Deutschland genügend Verbände,Vereinigungen und Gemeinschaften von Buchverlagen und Buchverkäufern, so dass sich die AWS wirklich nur auf den wissenschaftlichen Bereich unserer Branche beschränken sollte.

Zum Beispiel :
Die neuen Konditionen bei Thieme. Wieso bringt es die AWS nicht fertig, dass der Verlag sämtlichen AWS-Mitgliedern diese Konditionen zugute kommen lässt? (Vielleicht, weil die meisten AWS-Mitgliedsbuchhandlungen überhaupt nichts (mehr) mit Medizin zu tun haben?)

Wieviele AWS-Mitgliedsbuchhandlungen gibt es denn überhaupt noch, welche ein medizinisches Sortiment führen? Wieviele medizinische Fachbuchhandlungen gibt es insgesamt in der BRD, Schweiz, Oesterreich und Luxemburg? Wieviele sind denn davon eigentlich AWS-Mitglied? Über wieviel Prozent reden wir hier?

Und wenn wir schon solch eine Analyse machen, dann machen wir doch bitte auch dieselbe für Architektur-, Jura-, Uni-Buchhandlungen , usw…

Ist die AWS überhaupt noch repräsentativ?

Müssen sich wirklich Mitglieder unserer Interessengemeinschaft öffentlich zu Themen äussern, welche aber auch überhaupt nichts mit der AWS zu tun haben? Ich denke da z.B. an Stellungnahmen zum Erstverkaufstag eines Harry Potter, an Stellungnahmen warum ein Titel nicht zeitgleich in einem Buchclub erscheinen soll, usw…

Sollten wir nicht lieber diese Stellungnahmen anderen überlassen, und uns mit den Themen befassen, für welche der Name “AWS” steht? Dann werden wir vielleicht auch wieder ernst genommen bei unseren Partnern, sprich Verlagen.

Seit Januar siegelt KNO nicht mehr im VLB. Jede ernstzunehmende, wissen-schaftliche Buchhandlung ist aufs VLB angewiesen – und aufs KNO (als einziges Barsortiment mit Schwerpunkt wissenschaftliche Bücher) Mutet denn jetzt die AWS seinen Mitgliedern wirklich zu, zwei CD-Scheiben kaufen /abonnieren zu müssen? Könnte die AWS hier nicht einmal im Namen seiner eigenen Mitglieder versuchen, eine der beiden CD’s zu Sonderkonditionen, sprich gratis zu erhalten?

Aber solange wir nicht wieder zurückfinden zu den Wurzeln, kann dieser Verband auch leider nicht mehr für sich in Anspruch nehmen, ein Sprachrohr des wissen-schaftlichen Buchhandels zu sein!

Deshalb mein Vorschlag (und ich weiss, dass ich jetzt verschiedenen auf die Füsse treten werde, aber vielleicht sollten wir in Augsburg öffentlich hierüber reden?):

AWS-Mitglied kann nur noch werden, wer mindestens 51% von seinem Buchverkauf mit reinen wissenschaftlichen und technischen Titeln tätigt, welcher Loseblatt- und Zeitschriftenabos betreut. Buchhandlungen mit Schwerpunkt Kinderbuch, Kochbuch, Gartenbuch, Literatur, Touristik, modernes Antiquariat, Buchclub, usw.. gehören nicht zu uns – für diese gibt es bereits andere Gruppierungen und Verbände!

Oder ist die AWS vielleicht wirklich nur noch ein Alibi-Club für Geschäftsinhaber, Verleger und deren Vertriebsleiter/innen, um einmal im Jahr auf Kosten der Firma gratis durch Deutschland reisen zu dürfen?

Und diese gemeinsame Winterferien – hat sich hier schon jemals Einer Gedanken gemacht, dass vielleicht nicht alle zahlenden AWS-Mitglieder Schnee und “après-Ski” mögen? Wie wäre es, wenn wir nur alle zwei Jahre diesen Schneezauber organisieren würden, und die anderen Jahre eine Winter-Woche in der Sonne (Kanarische Inseln, Madeira, Palma, …)

Es ist schade, sehr schade sogar, dass die Idee der Gründungsväter der AWS in der Zwischenzeit so verwässert worden ist, dass diese sich im Grabe umdrehen würden, könnten Sie miterleben, was heute aus ihrer AWS geworden ist.

Aber noch ist es Zeit, das Ruder rumzuwerfen! Es liegt an Euch, liebe Vorstands-mitglieder, an Ihrem Willen und Mut, aus der AWS wieder das zu machen, wofür die Gründungsväter einmal gekämpft haben : einen Zusammenschluss aus Buchhändlern und Verlegern, welche sich zusammen der wissenschaftlicher und technischer Literatur verschrieben haben. Nicht mehr und nicht weniger.

In diesem Sinne,
und mit freundlichen/kollegialen Grüssen

Albert Daming

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