OLG-Richter Dr. Richard Brenner: Medienwandel da, aber Online kein vollständiger Ersatz für Printwelt

„Der Medienwandel hat sich vollzogen. Wer das nicht mitbekommen hat, der läuft mit geschlossenen Augen durch die Welt.“ Dieses Resümee hat Dr. Richard Brenner, Vorsitzender Richter am OLG Köln am Freitag auf dem 4. Buchhändlertreff des RWS-Verlages in Köln gezogen.

In diesem Jahr moderierte erstmals die neue Verlagsleiterin Katja Schwind [mehr…] das Treffen. Vor etwa 20 Fachbuchhändlern referierte Brenner in den Verlagsräumen an der Aachener Straße über das Thema „Fachmedien im Wandel? Nutzung von elektronischen und Printmedien an Gerichten“. Dabei schilderte er, wie die Gerichte zunehmend mit Zugängen zu elektronischen Medien ausgestattet werden.

Dennoch machte Brenner eine klare Einschränkung. Genutzt werden in erster Linie elektronisch veröffentlichte Urteilssammlungen, die mit Leitsätzen versehen sind. Diese lassen sich leichter finden und verarbeiten. Kommentare lese er dagegen lieber in einer Printausgabe. Denn auch das Suchen im Kommentar mit Hilfe einzelner Begriffe sei nicht so einfach. „Ich muss schon genau wissen, nach welchem Begriff ich suchen muss, um eine bestimmte Kommentarstelle finden zu können“, so der Richter, da sei er nach wie vor schneller, wenn er eine gedruckte Ausgabe zur Hand nehme.

Er räumte allerdings ein, das Nutzungsverhalten unter Richtern sei durchaus unterschiedlich. Für manche wie für ihn bilde juris die wichtigste Datenbank, andere nutzten eher Beck-Online. Darüber hinaus sehe er häufig in die Rechtsprechungsdatenbank NRW, die für alle zugänglich sei. Er selbst schätze an juris, dass dort durchgehend Leitsätze zu finden und die Entscheidungsgenese nachzuvollziehen sei.

Die Frage, wer bevorzugt elektronische Medien nutze, sei unter seinen Kollegen nicht am Alter festzumachen. „Vielmehr ist das eine Frage des persönlichen Interesses.“ Die Nutzung hänge von einer guten Suchfunktion und einer guten Verlinkung auf entsprechende Urteile ab und von der Frage, ob ich damit auch von zu Hause arbeiten kann, so Brenner. Totalverweigerer elektronischer Medien gebe es allerdings auch noch, aber nur noch vereinzelt.

Die Justiz in NRW sei inzwischen eng miteinander vernetzt. In Abstimmung mit der Einkäuferin von Medien prüfe er, welche Medien für welche Nutzung eingekauft werden, ob für die Bibliothek oder auch für einzelne Geschäftsstellen. Allerdings habe sich der Verbrauch von Papier und Druckerpatronen zum Ausdruck deutlich erhöht. Vielfach drucken er und seine Kollegen sich Urteile aus, um sie besser lesen zu können.

Dass es eine Vielzahl von Angeboten gerade bei Kommentaren gibt, stellt für Brenner kein Problem dar. „Sie müssen das auch von Autorenseite her sehen“, so Brenner. Verschiedene Kommentare bedeuten auch eine Meinungsvielfalt. Aktuell informiere er sich vor allem über neue Urteile und besonders über Urteile aus NRW. Insgesamt werde die Rechtsprechung aber immer komplexer. „Immer mehr Gesetze und Verordnungen werden unter europäischem Einfluss verfasst“, so der Richter.

Seine Prognose: „Es werden über lang noch beide Welten, Print und Online, erhalten bleiben.“ Zahlreiche Großwerke wie der Pahlandt seien auch noch gar nicht online nachschlagbar. „Noch stellt Online keinen vollständigen Ersatz für die Printwelt dar“, so Brenner. Und insbesondere bei Spezialthemen gäbe es für Buchhändler noch viele Nischen, die sie besetzen können.

Nach dem Vortrag lud der RWS-Verlag, an dem der Verlag Dr. Otto Schmidt zu 50 Prozent beteiligt ist, zur Stadtführung durch Köln. Dabei wurde dieses Mal das neue Hafenviertel mit seinen zahlreichen architektonischen Neubauten auf historischem Grund unter die Lupe genommen, bevor es dann für die Buchhändler in eine Kölner Braustube ging.

Für Marketing- und Öffentichkeitschef Uwe Kalkowski war die Aktion ein guter Erfolg, auch wenn die auf das Insolvenzrecht spezialisierten Produkte des RWS-Verlages nicht vorkamen. „Wir wollen in erster Linie dem Buchhändler einen Mehrwert mit unseren Veranstaltungen bieten. Unsere Produkte kennt er ja schon durch die Vorschau und die Vertreter.“

Matthias Koeffler

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