Hochschulbuchhandlung Wellnitz in Darmstadt gibt auf

Gabriele Drude-Wellnitz gibt ihre Hochschulbuchhandlung Wellnitz in Darmstadt am Kantplatz auf; Mitte Februar ist Schluss, meldet das Darmstädter Echo. Mit der auf Fachliteratur spezialisierten Firma schließt erneut eine traditionsreiche Darmstädter Buchhandlung. Grund: die studentische Kundschaft bleibt weg.

Am Montag beginnt der Räumungsverkauf. Die Inhaberin hat vor 15 Jahren das Geschäft von ihrem Vater, dem Firmengründer, übernommen. Und sie hätte es gern weitergeführt. „Doch es hat keinen Sinn mehr“, sagte sie der Zeitung.

Darmstadt hat bereits den Großteil seiner inhabergeführten Buchhandlungen verloren: Lichtenberg, Saeng, Schlapp, Gebicke, Schroth, Gutenberg. „Wellnitz aber trifft eine doppelte Krise: Neben den Umwälzungen der Branche auch jene des akademischen Lesens und Lernens“, schreibt das „Echo“.

Diese Veränderung habe sich noch schneller und radikaler als beim allgemeinen Literaturkonsum vollzogen, weiß Gabriele Drude-Wellnitz: „Bis vor kurzem war das so: Nach der Vorlesung kamen die Studenten in ganzen Pulks zu uns und kauften alle dasselbe Lehrbuch. Das war unser Massengeschäft“, sagt sie der Zeitung. Diese Kundschaft ist ihren Angaben zufolge komplett weggebrochen. Lehrbuchempfehlungen gäben die Dozenten heute gar nicht mehr, stattdessen stellen sie das Skript ihrer Vorlesung ins Netz. „Bachelor-Studenten reicht so was, um die nächste Prüfung zu bestehen. Die haben ja wenig Zeit.“ Vertieftes Wissen sei ohnehin nicht mehr gefragt.

Gabriele Drude-Wellnitz benennt noch ein weiteres Übel: Begonnen habe die negative Entwicklung, als sich der Wissenschaftsverlag Springer daran machte, andere Fachbuchverlage aufzukaufen. „Vieweg, Spektrum, Teubner – die gehörten zu unseren Hauptlieferanten. Ist inzwischen alles bei Springer. Und Springer bietet Bibliotheken die gesamte Jahresproduktion als digitales Paket an“, sagt Drude-Wellnitz. „Das heißt für Studenten, sie können sich Fachbücher auf den Stick ziehen und im Copy-Shop ausdrucken. Viel billiger, als das Buch im Laden zu kaufen.“

Zudem hat Wellnitz die Universitäts- und Landesbibliothek als weiteren Hauptkunden der gedruckten Bücher verloren. „Die ULB bezieht heute fast alles von einem Großlieferanten aus Leipzig.“ Der versehe die Bücher dann gleich mit einer elektronischen Diebstahlsicherung.

Als in Darmstadt das neue Hörsaalzentrum auf der Lichtwiese eröffnet wurde, wurde es richtig eng: Viele Studenten, die auf der Lichtwiese studieren, kommen gar nicht mehr in die Stadt. Das Angebot der TU, auf der Lichtwiese eine Filiale zu errichten, „hätte ich nicht stemmen können“.

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.