Keine Buchhandlung – aber viel Platz für neue Ideen rund um Bücher

Peter Koebel ist auf dem Weg nach
Frankfurt-Bockenheim

Peter Koebel hat vor ein paar Tagen die neuen Räume in der Frankfurter Jordanstraße/Ecke Homburger Landstraße ausgemessen, Farbe gekauft, die Kisten in der Niddastraße gepackt. „Im August wollen wir den Concept-Store eröffnen“, verkündet er. Einen genauen Termin will er noch nicht nennen: „Warten wir mal ab, welche Überraschungen der Altbau bei der Renovierung für mich bereithält.“ [mehr…]

Für Koebel, Verleger des im Januar 2010 gegründeten Verlags michason & may, ist es der dritte Umzug. Von der Ostend-Seite des Sandwegs zog er 2012 ins Bahnhofsviertel, jetzt geht es nach Bockenheim.

Auf der Frankfurter Buchmesse 2009 reifte die Idee zur Gründung einer Edition. „Ich wollte das eigene Ding machen“, sagt Koebel, der Interkulturelle Kommunikation, BWL und französische Literaturwissenschaft in Deutschland und Frankreich studierte und neben seinem Studium Texte lektorierte. Der Verlagsname hat etwas mit der Familie und einem wichtigen Datum zu tun.

Der kleine Verlag hat inzwischen acht Romane, sechs Erzählbände und sieben Reisebücher in der Reihe City Walking* herausgebracht, die Autorenliste umfasst elf Namen, darunter Betty Kolodzy, die zwei Romane und drei City Walking-Führer schrieb, und Sven-André Dreyer, der drei Bücher veröffentlichte.

Koebel selbst führt seinen Verlag als One-Man-Show, kümmert sich um Manuskripte, Lektorat, Grafik, Layout, Cover, Druck, Vorschau und Buchhaltung. Zudem ist er selbst Autor. „Den Verlag sehe ich trotzdem als ein Team mit den Autoren. Wir haben gemeinsame Ziele, ziehen an einem Strang“, sagt Peter Koebel. Und erzählt eine kleine Geschichte von einer Autorin, die das Konzept von michason & may mehr überzeugte als der höhere Vorschuss eines anderen Verlags. So etwas freut ihn natürlich besonders.

Hoch-wortige Gegenwartsliteratur will der Verlag anbieten, deutschsprachige Schreibtalente fördern, unabhängig sein. Bei michason & may sind weder Lyrik noch Übersetzungen zu finden. „Ich will keinen Gemischtwarenladen, das Programm muss rund sein“, erklärt Koebel.

Die Reihe City Walking*, die im Februar 2014 mit Istanbul begann, ist etwas Neues und kommt gut an. „Wir wollten ein altes Produkt, den Reiseführer, mit neuen Ideen füllen“, erläutert der Verleger. In den handlichen, broschierten Bänden über Istanbul, Bremen, Hamburg, Berlin, Frankfurt, Düsseldorf und Paris geht es nicht um architektonische Sehenswürdigkeiten, sondern um Begegnungen mit den Menschen. „Es sind doch die Menschen, die eine Stadt mit Leben erfüllen, die das Besondere und die Atmosphäre ausmachen“, sagt Koebel. Alles andere wie Restauranttipps, die Öffnungszeiten und Preise der Museen oder Shopping-Empfehlungen könne man online finden. Und stets aktuell.

In Gedanken ist Peter Koebel schon im neuen Domizil in Bockenheim. Das Ladengeschäft war nicht einfach zu bekommen, geträumt hat der 35-Jährige schon länger davon. „Der Concept-Store ist keine Buchhandlung im eigentlichen Sinn, man wird dort keine Bücher bestellen können. Neben den verlagseigenen Produkten wird es ein kleines Sortiment aus unabhängigen Editionen geben, das dazu passt – Nonbooks inklusive“, schildert Koebel. Dass es eine Doppelbelastung wird, gleichzeitig Verlag und Store zu führen, sieht er natürlich: „Die Öffnungszeiten – Dienstag bis Freitag von 13 Uhr bis 19 Uhr – sind sozusagen der Tribut, damit mir daneben Zeit für das Backoffice bleibt. Aber ich möchte auf jeden Fall selbst im Store anwesend sein.“ Der Laden soll vor allem Treffpunkt sein, für Autoren, Leser, Freunde. Eine zentrale Anlaufstelle, in der gemeinsam neue Ideen entwickelt werden, Lesungen und Seminare stattfinden. Und auch bei den Events wird es kein buntes Durcheinander geben, sondern ein Thema wird im Mittelpunkt stehen, mehrmals jährlich wird gewechselt.

Der gut vernetzte Verleger, der seit 2012 bei Open Books dabei ist, dem Buchmesse-Rahmenprogramm in der Frankfurter Innenstadt, nimmt auch seit 2013 am Langen Tag der Bücher in der Mainmetropole teil. „Veranstaltungen sind wichtig“, meint er und ergänzt: „Manchmal verkaufen wir bei Lesungen sogar erstaunlich viele Bücher.“

Im künftigen Concept-Store wird hoffentlich noch mehr verkauft – und es werden sicher neue Kontakte geknüpft. Peter Koebel weiß: Social Media ist für die schnelle Information wichtig, kann aber persönliche Begegnungen nicht ersetzen. Besser also, man ist crossmedial unterwegs, auf allen Kanälen sozusagen.

JF

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