LG Buch-Mitglieder fordern mehr Engagement für das Buch vom Börsenverein / Bilder vom Jahrestag

Mit sehr offener und deutlicher Kritik an der Arbeit des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels hatte am Freitag Mittag der 16. Jahrestag der LG Buch begonnen. Gestern wurde sie mit einer Mitgliederversammlung beendet.

Zum Auftakt des Treffens, zu dem etwa 75 Mitglieder kamen, hatte sich Hauptgeschäftsführer Alexander Skipis der Diskussion gestellt. Das Engagement in der Diskussion zeigte gleich deutlich das neue Engagement der LG Buch-Mitglieder, das nach der Zukunftskonferenz im Frühjahr nun auch auf dieser Jahrestagung deutlich zu spüren war.

Skipis bezeichnete den unabhängigen Buchhandel als „Rückgrat der Branche“. Ab nächstes Jahres würden sich aber die Einkaufsgewohnheiten deutlich ändern, darauf müsse sich der Handel einstellen. Dem widersprach Manfred Queisser (Bücher Queisser). „Wir spüren den Bruch jetzt schon“, so Queisser. Bereits in den letzten Jahren seien die Umsätze in den kleinen Buchhandlungen rückläufig. Er regte an, der Börsenverein solle eine Untersuchung machen, die einmal genau quantifiziere, durch welche Faktoren die Lesezeit abgenommen habe, um entsprechende Maßnahmen ergreifen zu können.

Auch Klaus Peter Stegen, Marketing- und Vertriebsgeschäftsführer bei Oetinger fordert, der Börsenverein solle sich nicht nur um E-Books, sondern genauso um mehr „Lobbyarbeit bei den Lesern“ kümmern und ein wirklich ansprechendes Branchenmarketing für das Lesen von Printbüchern initiieren. Denn wenn alle davon ausgehen, dass das Printbuch nicht aussterben werde, müsse es jetzt gegen den E-Buch-Hype gestärkt werden.

Die Rückgratfunktion des kleinen Buchhandels sahen einige Buchhändler offenbar nicht in der Arbeit des Börsenvereins widergespiegelt. Reiner Gollenstede (Buchhandlung Gollenstede) rechnete vor, dass der Beitrag beim Börsenverein für eine Thaliafiliale in der Größe seiner Buchhandlung nur ein Zehntel dessen betrage, was er selbst zahle. „Wir begegnen uns da nicht mit den gleichen Waffen“, so Gollenstede. Weitere Teilnehmer kritisierten die hohen Kosten für die VLB-Nutzung.

Skipis lud die Buchhändler ein, zu den Buchtagen nach Berlin zu kommen und ihre Anliegen im Plenum der Branche vorzutragen. Doch wurde in anschließenden Gesprächen deutlich, dass die Buchhändler wenig Chancen sehen, in dem großen Gremium mit ihren Anliegen Gehör zu finden.

Das Thema der Erosion der Kunden zog sich durchaus durch die ganze Tagung. Auch der Textileinzelhandel, der als resistent gegenüber Internetverkäufen galt, hat derzeit Einbrüche zu verzeichnen, wie Günter Nowodworski von der Firma New Communications in seinem Vortrag berichtete.

Dennoch tat das dem neuen Elan der LG Buch „Es ist ein Ruck durch die LG Buch gegangen“, bestätigte denn auch Ole Schultheis, Bücherjolle, Starnberg). Die Ergebnisse der Zukunftskonferenz wurden nicht in langen Sitzungen diskutiert und dann in langen Formulierungsrunden in Satzungsänderungen niedergelegt. Die Mitglieder gingen gleich an die Umsetzung:

> Gemeinsam mit Umbreit wurde beschlossen für A-Titel einen „Zentralen Wareneingang“ zu errichten. Dazu stellte Vertriebsleiterin Solvey Munk eine erste Skizze vor, wie dieser aussehen könnte. Die LG Buch bestimmt die gemeinsam zu bestellen A-Titel. Die Bestellungen laufen bei der LG Buch auf, die dann zu einer Bestellung an den entsprechenden Verlag gebündelt wird. Die Titel werden in einem bei Umbreit angeliefert und von dort aus sofort per Büchersammelverkehr direkt an die Mitgliedsunternehmen ausgeliefert. Auf diese Weise entsteht eine Bündelung, aber kein Zentrallager. Dabei geht Umbreit mit IT-Leistungen und dem Einrichten einer Schnittstelle in Vorleistung. Geklärt werden muss noch, wer die Vorfinanzierung leistet (da gäbe es bereits Gespräche mit der BAG, war zu hören.) Stegen machte für die Verlage noch einmal deutlich: „Wir erwarten, dass auf diese Weise auch Bestseller gemacht werden.“

> Bereits zuvor hatte sich eine eigene Leistungsgruppe Kinder- und Jugendbuch gegründet. Auf dem Jahrestag trafen sich Vertreter der Verlage und Buchhandlungen, um weitere Details zur Zusammenarbeit zu besprechen.

> Neu ausgelotet wurde die Zusammenarbeit mit dem Bücherbaukasten Motzet und Rossipaul für eine gemeinsame Kundenzeitschrift. Da kollidierten allerdings noch die Wünsche nach Individualisierung mit den daraus entstehenden Kostensteigerungen.

> Noch einmal vorgestellt wurde die Kommunikationsplattform sortimentus.de, auf der die Mitglieder sich in Zukunft schnell untereinander kontaktieren können. Sie geht allerdings den Weg so manchen Web-Projektes: Ihr Start und damit eine ausführliche Präsentation war zwar für die Mitgliederversammlung angekündigt worden, doch nun verschiebt sich ihr Start nach kritischen Vortests noch bis Anfang September.

> Allen ans Herz gelegt wurde das AkS-Webprojekt, das über die Mitgliedschaft im Arbeitskreis des Börsenverein für alle Buchhändler zugänglich sei. Durch ein Baukastensystem lasse sich auf diese Weise kostengünstig eine leistungsfähige Web-Site bauen.

> Die BAG hat für die LG Buch eine eigene Abrechnungsoberfläche für die LG Buch konzipiert, wie Oliver Recklies, Marketing und Vertriebsgeschäftsführer für die BAG und neuerdings stellt die BAG auf ihrer Homepage die LG Buch als strategischen Partner vor.

Recklies zeigte sich gleichzeitig überzeugt, dass sich zunehmend mehr Buchhändler organisiseren werden. „Etwa 3500 Buchhändler sind bisher noch nicht organisiert, mehr und mehr sehen ein, dass sie bei den betriebswirtschaftlichen Themen eine Bündelung erreichen müssen“, so Recklies. Exklusiv auf der Mitgliederversammlung kündigte er eine neue E-Paymentlösung für Buchhandlung über die BAG an. „Die Buchhandlung bekommt nach der Bestellung sofort ihr Geld von der BAG und die BAG kümmert sich um Abwicklung der Forderung“, so Recklies. Außerdem seien Pläne sehr weit gediehen, dass über die BAG in Zukunft auch private Kleinkredite angeboten werden, kündigte er an.

Die Tagung wurde vor allem ein Umschlagplatz für zahlreiche sehr konkrete Umsatzideen, die von den Teilnehmern sehr interessiert aufgenommen wurden.

> So stellte sich der Verlag Wagenbach vor und kündigte die Edition Vasari an, die zum 500. Geburtstag des italienischen Renaissance-Biograf entstehen soll.

> Axel Wentscher, geschäftsführender Gesellschafter beim Musikhaus Tonger hob hervor, dass nach dem Wegbrechen der CD-Läden, der Buchhandel für Sortimente mit gehobenem musikalischen Anspruch eine ideale Verkaufsplattform darstelle. Er bietet fertig bestückte Wagen oder Displays an, die sich einfach vor die Tür stellen lassen. Dabei könnten die Sortimente nach einem vorher festgelegten Zeitraum ohne großen bürokratischen Aufwand wieder zurückgeschickt werden und erst dann würde abgerechnet. Seit letzten Herbst könne er, für die, die es möchten, den Wagen auch mit DVDs bestücken.

> Für den Moses Verlag stellte Vertriebsassistentin Martina Mönchhalfen noch einmal die Non-Book-Philosophie vor: „Non-books sind nicht die Rettung der Umsätze“, sagte sie. Nach dem Motto „verkäufliche Dekoration“ biete Moses aber ein ergänzendes Sortiment zu vielen Warengruppen an, mit denen sich Themenwelten gestalten ließen. Erstmals habe Moses für diesen Herbst einen Katalog entwickelt, der sich auf eine einzige Themenwelt konzentriert: „Märchenwald“.

> Georg Hoffmann von Wulff & Partner warnte aus aktuellem Anlass vor der Unterversicherung des Ladens bei größeren Fällen wie Wasserschäden durch Überschwemmung oder Brand und stellte vor, wie ein optimaler Versicherungsschutz aussehen könnte.

> Manfred Queisser präsentierte eine Idee für den zusätzlichen Umsatz im Schulbuchgeschäft. Er vermittelt Schutzumschläge für Schul- und andere Bücher, die er bei einer örtlichen Folienfabrik herstellen lasse. „Mit drei Standardgrößen können Sie 80 Prozent der Bücher schützen“, so Queisser. Seine Idee hat Erfolg: Im letzten Jahr habe er bereits 250.000 Stück verkauft.

Zwei fröhliche Abende förderten die positive Stimmung bei der LG Buch. Gelobt wurde von zahlreichen Teilnehmern auch die neue Kompetenz in der Geschäftsführung, die zu ergebnisorientierten Aktionen führten. Eine gute Stimmung und ein starker Zusammenhalt ist allerdings für die LG Buch notwendig, um den Neuaufbruch zum Erfolg zu führen. Denn der Großteil der angeschobenen Aktivitäten, die zu mehr Leistungen für das Buch führen sollen, sind von einem kooperativen Geist abhängig. Mit dem zentralen Wareneingang, der neuen Kommunikationsplattform und einem neuen, gemeinsamen Marketing sind allerdings mit überzeugender Einmütigkeit deutliche Signale an die Verlage gesetzt.

Matthias Koeffler

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.