Amazon mit Rekordumsatz und -gewinn // Amazon.com wandelt sich in Amerika zum Club – „Amazon Prime“ // die firmeneigene Suchmaschine A9.com schaufelt die „Yellow Pages“ mit über 20 Millionen Fotos ins Web

Wenn Jeff Bezos, der Chef von Amazon http:www.amazon.com höchstpersönlich den Stift ansetzt, lohnt es sich schon den Text genau zu lesen. So richtete sich der CEO des wohl weltgrössten Webhändlers mit einem Brief an seine Kunden, der eine gute Woche lang die Startseite von Amazon.com http://www.amazon.com zierte. Wortwörtlich wurde da das erste Mitgliederprogramm von Amazon mit Namen Amazon Prime von Bezos so vorgestellt: „Dear Customers, I am very excited to announce Amazon Prime, our first ever membership programm, which provides „all-you-can-eat“ express shipping…“ Mit anderen Worten: Für einen Jahres-Mitgliedsbeitrag von 79,- US-Dollar offeriert Amazon Prime die verbilligte Zustellung der bestellten Waren für bis zu 4 Familienmitglieder eines Haushalts. Die Details finden sich hier: http://www.amazon.com/gp/subs/primeclub/signup/main.html/102-2695807-1013762 bzw. mit dem „Learn more about Amazon Prime“-Button auf der Seite geht’s weiter.

Was in Amerika für Vielbesteller und bei den relativ hohen Versandkosten durchaus lohnend sein kann, dürfte für Deutschland im Moment nicht in Frage kommen. Hier versendet Amazon http://www.amazon.de ab 20,- Euro Bestellwert versandkostenfrei, bei Büchern wird momentan auch unter 20,- Euro Bestellwert kostenlos geliefert. Aber wie immer geht Jeff Bezos natürlich in den USA einen Schritt voran. Nachdem er nun jahrelang dafür gesorgt hat, dass Amazon den Markt im Web generiert, versucht er diesen Markt, also die Kunden mit Amazon Prime noch enger an sich zu binden. Ein Schalk ist’s, der etwas Böses dabei denkt …

Der Markt, bzw. die Kunden, bzw. wir bescherten Amazon letztes Jahr übrigens den Rekordumsatz von fast 7 Milliarden US-Dollar, exakt 6,92 Milliarden, und der Nettogewinn lag bei satten 588 Millionen US-Dollar gegenüber 35 Millionen im Jahr 2003. Amazon’s Umsatzziel für 2005 wird mit 8,65 Milliarden angegeben.

Ob der gerade neu eingeführte Service A9.com Yellow Pages der firmeneigenen Suchmaschine A9.com http://a9.com schon etwas dazu beisteuern wird, ist noch fraglich. Sicher ist jedoch, dass der auch auf der Website von Amazon.com bereits verankerte Service http://www.amazon.com/gp/browse.html/ref=gw_br_sg/102-2695807-1013762?node=3999141 einen weiteren Schritt in der Zusammenführung von Online- und Offline-Waren-Welt markiert. Die Idee ist schnell erklärt: Das A9.com-Team um den Chefentwickler Udi Manber hat das amerikanische Branchenfernsprechbuch, die Yellow Pages, ins Web gehoben und, das ist der Clou, die Eintragungen aus 10 Städten mit über 20 Millionen Fotos der Geschäfte und ihrer Umgebung ergänzt. So können wir zum Beispiel nicht nur einen „Bookstore“ in „New York“ suchen und finden, sondern auch die Ladenfront und die Umgebung, rechts und links davon, ansehen. Block View nennt A9.com die beinahe banal anmutende „Technolgie“, die darin besteht einen Strassenzug komplett ab zu fotografieren. Wer wissen möchte, wie sie’s ganz genau gemacht haben (GPS, Truck Equipment usw.) klickt hier http://a9.com/-/company/YellowPages.jsp.

Beachtenswert sind allerdings die Features, die die Yellow Pages von einem Geschäft nun liefern: Die komplette Adresse, Telefonnummer, Website, Email, Öffnungszeiten, akzeptiere Zahlungsmittel usw. usf. Was alles kostenlos von den Geschäftsinhabern (nach Registierung bei Amazon) nachgepflegt werden kann, sowie den „Click-to-Call“-Service, analog dem bekannten „1-Click-to-Buy“-Service. „Click-to-Call“ führt Interessenten (also uns) und das Geschäft (also z.B. den New Yorker Bookstore) via Telefon zusammen und zwar, wenn gewünscht, sofort. Die sogenannte „Push to Talk“-Technologie ist ein kleines Web Tool der Firma eStara http://www.estara.com, das auch Computer mit Telefonen vernetzen kann.

Da das Web, entgegen anders lautender Aussagen, endlich ist, es für Amazon aber nichts Schlimmeres gibt, als kein Waren-Angebot für die Suchabfrage eines Kunden zu liefern, sind die Yellow Pages für Amazon die ideale Brücke zwischen Online- und Offline-Waren-Welt. Nur, Respekt Mr. Bezos, dass diese Brücke Amazon gehört und Brückenzoll in Amerika, wie wir ja wissen, Gang und Gebe ist.

STEFAN BECHT stefan@stefanbecht.de

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