Im Schatten der WM: Amazon Deutschland bietet Sex-Spielzeug an & Microsoft ist in die Volltext-Suche eingestiegen

Nach dem Motto „Sex sells“ und im Windschatten der WM ist nun auch, nach Amazon USA www.amazon.com [mehr…], die deutsche Tochterfirma www.amazon.de in das Geschäft mit Sex-Spielzeug eingestiegen. Offenbar hat man in Amerika gute Erfahrungen mit den „Lustbringern für erotische Momente“ (Pressetext) gemacht. Die Kategorie „Lust & Liebe“ auf der Amazon Website können wir zwar direkt ansteuern mit dem Link www.amazon.de/lustundliebe, aber offiziell versteckt sie sich im Bereich „Küche, Haus & Garten“. Dort wiederum können wir die Unterkategorie „Körperpflege & Bad“ entdecken, in der sich auch der Punkt „Gesundheit, Wellness & Beauty“ findet. Dort gibt es dann, zwischen Blutdruckmessgeräten, Heizkissen und Nahrungsergänzungsmitteln auch „Lust & Liebe“ – eben wie im richtigen Warenhaus. Von Prüderie zu sprechen wäre angesichts des „umfangreichen Angebots“ des „Erotik-Stores“ mit „Hunderten von Produkten“, die im „Amazon.de-Paket an den Wunschort“ geliefert werden, ganz und gar verfehlt. Wie umfangreich das „umfangreiche Angebot an Lustbringern“ nun wirklich ist, enthält uns der Pressetext allerdings vor. Schade…

Nach der zur Sommerhitze passenden Meldung werden wir nun aber richtig ernst. Microsoft ist in die Volltext-Suche eingestiegen und lädt mit seinem Programm Windows Live Books http://publisher.live.com alle Rechteinhaber von Texten, also Verlage, Autoren, Agenten usw. zur kostenlosen Teilnahme ein. Man wünscht die Einsendung von vollständigen Büchern, die dann von Microsoft gescannt, digitalisert und indexiert werden. Der noch mit „Beta“ titulierte Service steht weltweit allen Rechteinhabern offen, einzige Voraussetzung zur Teilnahme ist der Besitz einer ISBN eines Buches. Zum Start („später in diesem Jahr“) der eigentlichen Suchfunktion, werden wohl erst mal nur englischsprachige Bücher sicht- und durchsuchbar sein. Die genauen Teilnahme-Bedingungen lassen sich auf der oben genannten Website unter den FAQ nachlesen.

Insgesamt ähnelt das ganze Prozedere verblüffend Googles Buchsuche http://books.google.de. Ob und in welcher Form die von Microsoft verarbeiteten Bücher auch der OCA, der Open Content Alliance www.opencontentalliance.org, die sich im vergangenen Herbst um das Internet-Urgestein Brewster Kahle sammelte [mehr…], zugute kommen sollen, bleibt allerdings offen. Um die OCA, die eine beeindruckte Liste an Teilnehmern und Unterstützer um sich versammelt hat, ist es seit dem Herbst letzten Jahres verdächtig ruhig geworden.

In erster Linie dürfte es Microsoft um die Erhöhung des Traffics für die MSN-Suchmaschine http://de.msn.com gehen, die in Deutschland gerade mal von vier Prozent der Internetsuchenden benutzt wird. Im Vergleich: Auf Google, die gerade ihr eigenes Bezahlsystem ankündigt haben, greifen in Deutschland über 84 Prozent der Suchenden zu und in den USA immerhin noch 44 Prozent. Sicherlich ist das Windows Live Books-Programm auch Bestandteil der großen strategischen Online-Offensive, die Microsoft im Mai vollmundig angekündigt hat und der sie mit Investitionen von 1,6 Milliarden US-Dollar zum Erfolg verhelfen will.

Also: Mit im Ring um den Kampf der neuen Bibliothek von Alexandria steht nun, neben Google, Amazon, dem Börsenverein, der OCA, der Europäischen digitalen Bibliothek und dem Gutenberg-Projekt, auch Microsoft. Willkommen im Club! Allerdings: Spätestens jetzt sei uns die Frage gestattet „Wer soll, wer kann das alles noch lesen?“

STEFAN BECHT
stefan@stefanbecht.de

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