VTO tauft sich in Libreka um / Googles Buchsuche mit Rezensionen / Zeno steigt in den Bieter-Ring / OCA wächst rasch / Amazon soll an Lesegerät Kindle basteln

Rechtzeitig vor der Buchmesse hier der aktueller Up-Date zu den Volltextsuche-Projekte, die wir in der BuchMarkt-August-Ausgabe ausführlich vorgestellt haben. Die Übersicht „Die Buch-Digitalisierungs-Projekte“ haben wir hier auf den neusten Stand gebracht download(volltext.pdf).

Die einschneidendsten Veränderungen stehen offenbar VTO-Volltextsuche Online www.volltextsuche-online.de bevor. Ab dem 10. Oktober soll VTO offensichtlich in Libreka www.libreka.de umgetauft werden, die Domain ist bereits seit längerem auf die MVB konnektiert. Ob dies nun der „marketingtaugliche Namen“ für die „komplexe und branchenübergreifende Plattform“ ist, wird sich weisen. Spontan erinnert der Name eher an eine Art Kitkat für Arme („Have a break, have a KITKAT“) und lenkt vom eigentlichen Problem eher ab: Weder VTO noch Libreka sind online, werden von den Web-Nutzern erreicht und wahrgenommen. Denn ganz egal, ob nun erst 900, 5000 oder 7000 Bücher in VTO/Libreka eingestellt und verfügbar sind, so lange, wie nichts sicht- und klickbar ist, wird kein einziger Web-Nutzer erreicht.

Die Gefahr, sich im ewigen Ankündigungsmodus selbst den Garaus zumachen, da die Erwartungen mit jeder neuen Ankündigung eher steigen denn sinken, wächst solange, bis endlich etwas von VTO/Libreka im Web steht. Zwei alte Grundregeln des Internets, „den Benutzer als Erfolgsfaktor zu begreifen“ und „Einfachheit vor Komplexität zu setzen“, könnten auf dem Weg zur Bibliothek von Alexandria helfen, den inzwischen schon gordischen Knoten zu durchschlagen.

Der administrative Ansprechpartner von Libreka ist übrigens die MPS Technologies Ltd. www.mpstechnologies.com in Indien, eine Tochterfirma von Macmillan und damit der deutschen Verlagsgruppe Holtzbrinck. MPS Technologies sorgt zusammen mit der HGV-Hanseatischen Gesellschaft für Verlagservice www.hgv-online.de, ebenfalls eine Holtzbrinck Tochter, und dem System BookStore auch für das Einscannen und Indexieren der Bücher und stellt die digital aufbereiteten Daten für VTO/Libreska zur Verfügung. Ein Schalk, der Böses denkt, bei dem Gedanken, dass damit alle Bücher einmal durch den Flaschenhals der Holtzbrinck Gruppe schlüpfen müssen… Das Engagement von Stefan von Holtzbrinck für das Internet ist bekannt – es vergeht kaum eine Woche, in der sich die Holtzbrinck Gruppe nicht an einem sogenannten „Web 2.0“-Unternehmen beteiligt.

Im Aufsichtsrat der BBG, der Börsenverein Beteiligungsgesellschaft, die dieses Abkommen angeschoben hat und darüber wachen soll (so die Presse-Info des Börsenvereins vom 23. Mai.2006), sitzen neben Gottfried Honnefelder u.a. Joachim Treeck, Stefan Koenemann (Barsortiment Koenemann), Hubertus Brockhaus (Heinrich Albert Verlag) und Martin Ludwig (Elsevier).

Ab 1. Januar 2008 wird VTO/Libreka auch eine neues Preismodell anbieten: Zusammen mit dem VLB kostet dann ein Titel pro Jahr 3,– bzw. 3,50 Euro, Scankosten extra.

Neu in den Ring der Unternehmen, die sich um die Digitalisierung von Texten und Büchern kümmern, steigt recht vollmundig Zeno.org www.zeno.org: „Zeno.org ist die größte Online-Bibliothek im deutschen Sprachraum…“ [mehr…]. Klappern gehört zum Geschäft, warum sollte das bei dem Schwesterprojekt der Directmedia Publishing aus Berlin anders sein? Immerhin haben Ralf Szymanski und Erwin Jurschitza mit ihrer Digitalen Bibliothek bereits jede Menge Erfahrung im Umgang mit der „Text-Digitalität“ gesammelt und mit den Wikipedia-DVDs bewiesen, wie sich Online-Inhalte geschickt in physikalische Produkte zurückübersetzen und vermarkten lassen. Warum sollte ihnen das nicht auch umgekehrt gelingen – wir werden sehen.

Während Amazon USA bald aus allen Nähten zu platzen scheint – gerade wurden 2,3 Millionen DRM-freie MP3-Songs ins Angebot aufgenommen, für die Kundencenter in Huntington und Kennewick werden dringend Mitarbeiter gesucht, der Books-on-Demand-Service CreateSpace für Autoren aus der Taufe gehoben, gibt Amazon Deutschland sich bedächtig: Im August startete ein neues Angebot für Babys, die Amazon Kreditkarte ist nun auch hier im Einsatz und unter der Suchmaske von „Search Inside“ steht nun „Volltextsuche“.

Ein weiteres Lieblingsprojekt von Amazon Chef Jeff Bezos, das auf der O’Reilly TOC-Tools of Change Publishing Conference www.conferences.oreillynet.com/toc2007/ im Juni dieses Jahres wieder einmal die Runde machte, scheint das E-Book-Lesegerät Kindle zu sein. Was das Gerät letztendlich kann und was es kosten wird, steht noch in den Sternen. Sicher scheint jedoch, dass es eine drahtlose Verbindung zum Web geben wird, um jederzeit auf den Buchbestand von Amazon zugreifen zu können. Womit wir schon sehr nah an dem wären, was wir uns in der Geschichte „Die Buchhandlung der Zunkunft“ [mehr…] Anfang des Jahres ausgemalt hatten.

Google, dessen Aktie letzte Woche den Höchststand von 570,- Euro auswies, erlaubt bei seiner Buchsuche http://books.google.de nun auch Rezensionen beizufügen und das Buch in die eigene virtuelles „Bibliothek“ einzustellen. Das Vorhaben, das schon länger als Gerücht grassiert, zukünftig die Bücher auch digital, wohl als PDFs, zu verkaufen, wird nach wie vor nicht bestätigt. Ist aber, beim näheren Hinsehen, die einfache wie logische Konsequenz. Die Einbindung der in Google Buchsuche vorhandenen Bücher in die verlagseigene Website, also die Rückgabe des Inhalts, funktioniert schon seit längerem.

Sehr fleißig arbeitet die OCA-Open Content Alliance www.archive.org, ohne darüber viele Worte zu verlieren. Seit August wuchs der OCA-Buchbestand um weitere 30.000 Titel auf nun 270.000 verfügbare Bücher. Am 17. Oktober findet übrigens das Jahrestreffen der OCA statt, die aktuelle Agenda gibts hier www.opencontentalliance.org/2007agenda.html.

STEFAN BECHT
Mail: stefan@stefanbecht.de

Zur Übersicht der Volltextsuche-Anbieter: download(volltext.pdf)

Kommentare (0)

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.