Prachner-Eigner Andreas Tarbuk zum Verkauf von Teilen seines Buchhandelsgeschäfts

Andreas Tarbuk

buchmarkt.de: In Wirklichkeit verkaufen Sie Teile Ihrer Buchhandlung. Welche Standorte genau haben Sie aufgegeben und was passiert weiter?
Tarbuk: Ich verkaufe zur Zeit drei meiner vier Buchhandlungen: Prachner im Museumsquartier, Godai im Auhhofcenter und British Bookshop in der Mariahilfer Strasse. Bis Ende August sind die Verkäufe über die Bühne, das Hauptgeschäft des British Bookshop in der Wiener Innenstadt bleibt weiter bestehen.

Warum geben Sie so attraktive Standorte auf?
Ich hatte sehr teure Mietverträge und die Umsatzentwicklung der letzten Jahre war besonders durch die Konkurrenz von Internet und Großflächenanbietern nicht zufriedenstellend.

Der Standart schreibt von Managementfehlern und Fehlinvestitionen. Wie sehen Sie das?
In zwölf Jahren Buchhandel sind sicher Managementfehler passiert. Investitionen erzielen nicht immer die gewünschte Wirkung. Wenn man dann hinter sich keinen großen Handelskonzern, Verlag oder Druckerei hat – so wie die wichtigsten österreichischen Buchhändler – , sind die Auswirkungen solcher Fehler deutlich spürbar.

Wo sehen Sie die Schwierigkeiten auf dem österreichischen/Wiener Markt?
Es gibt nicht sehr viele ertragreiche Standorte. In Einkaufscentern ist die Miete im Verhältnis zum Umsatz oft zu hoch für den Buchhandel. In den Haupteinkaufsstrassen ist dieser Trend ebenfalls spürbar. Außerdem benötigt eine Buchhandlung mittlerweile mehr als 500 m² an sofort verfügbarem Angebot, um nicht Kunden an das Internet zu verlieren.

Es heißt, Sie verlassen die Branche. Wohin werden Sie Ihre geschäftlichen Schwerpunkte verlegen?
Vorläufig werde ich den British Bookshop noch weiter betreiben, in dieser Nische ist der Mitbewerb noch nicht so stark spürbar. Langfristig werde ich mich aber aus dem Buchhandel zurückziehen. Ich kann noch nicht sagen, wohin es mich dann verschlagen wird.

Warum haben Sie Ihre Funktion als Vorsitzender der Buchhändler zurückgelegt, wo Sie doch weiterhin den British Bookshop betreiben?
Eines der wichtigsten Themen der Interessensvertretung ist die Buchpreisbindung. Da mich diese in Zukunft bei den englischen Büchern nicht mehr betrifft, kann ich nicht mehr optimal die Interessen der Kollegen vertreten.

Glauben Sie, dass der klassische Buchhandel in Österreich und Deutschland noch eine Zukunft hat?
Es wird immer Buchhändler geben, die durch Ihre Persönlichkeit und Spezialisierung genügend Kunden an sich binden können. Schwierig wird es wie in allen Branchen für den Mittelstand. Wer zu klein ist, um mit Werbung und guten Einkaufskonditionen punkten zu können, auf der anderen Seite aber bereits höhere Verwaltungskosten mitfinanzieren muss, kommt zwangsläufig in die Ergebnisschere.

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