Schmitz junior hat sich neu erfunden

… in einem Fachwerkhaus am Werdener Markt 6

Die Buchhandlung Schmitz junior ist innerhalb von Essen-Werden umgezogen: Gestern Abend wurde es voll in dem neuen Ladenlokal in einem Fachwerkhaus am Werdener Markt 6. Thomas Schmitz und sein Team feierten die Neueröffnung – auf kleinerer Fläche in besserer Lage (s. Bildstrecke).

Bis zuletzt hatte man an der Einrichtung gearbeitet, an einigen Details wird in den kommenden Wochen noch geschliffen. Die gut 100 qm, die durch den Umzug der Buchhandlung Folgner ums Eck frei wurden, sind nun durch einen Mix von alt und neu, Eisen und Holz, individuell und leichtfüßig gestaltet. Das neue Logo von Schmitz junior schmückt eine Katze – vor drei Jahren hatte man sich vom Hund verabschiedet, Übergangslösung war ein Hase gewesen, und nun passt es. Grafiker Dirk Uhlenbrock, der die Katze entworfen und am Gesamtkonzept mitgewirkt hat: „Heimlich, still und leise hat sich das neue Wappentier in den junior und unsere Herzen geschlichen. So ähnlich wie unser Kater daheim, der sich auch immer stickum seinen Schlafplatz sucht – und zwar dort, wo er eigentlich nichts zu suchen hat – z.B. auf MEINEM Sessel.“

Thomas Schmitz erklärte in seiner Ansprache zum einen, warum er immer noch gern Kinderbuchhändler ist – und dankte zum anderen allen, die die Entwicklung des neuen Ladens begleitet haben. Im vergangenen Jahr hatte der Vermieter des alten Schmitz junior-Ladenlokals in der Heckstraße den Mietvertrag nicht mehr verlängert – so war der Schmitz, der in Werden eine weitere, allgemeine Sortimentsbuchhandlung betreibt, gezwungen gewesen, über die Zukunft des juniors nachzudenken.

Einen Moment lang habe er darüber nachgedacht, die Kinderbuchhandlung aufzugeben. Doch dann habe er sich an ein Gespräch mit der Risikomanagerin seiner Bank erinnert, die ihm Jahre zuvor erst keinen Kredit für die Idee des juniors bewilligen wollte. Die Dame habe er damals innerhalb einer halben Stunde von seinem Konzept überzeugen können – und ein späteres Aufgeben habe er ihr nicht gönnen wollen. Statt dessen hat sich Schmitz junior neu erfunden.

Glücklich ist das Team mit den Handwerkern, die den neuen Laden umgesetzt haben und sie nie hängen gelassen hätten. Neue Wände wurden eingezogen, um im Anschluss an die Bereiche Bilder-, Kinder- und Sachbuch einen separaten kleinen Bereich für Jugendliche sowie einen für das Antiquariat zu schaffen. Bei den Renovierungsarbeiten wurde eine alte Säule wieder freigelegt, die dem Raum einen besonderen Charme verleiht. Hinter der Ladentheke steht ein altes, aus Belgien importiertes weißes Regal. Die übrigen Regale wurden in Zusammenarbeit mit dem Metallgestalter Michael Stratmann gebaut. „Seine Idee, Schmitz junior als eine Art Werkstatt zu begreifen, als einen Ort, an dem täglich kreativ mit neuen Herausforderungen umgegangen werden muss und deshalb auch alles einen Werkstattcharakter haben könnte, überzeugte uns“, so Thomas Schmitz. Schreiner Martin Rohde habe stets mit Rat und Tat zur Seite gestanden.

Und nicht zuletzt dankte Thomas Schmitz seinen zehn Mitarbeitern, die alle Unvorhersehbarkeiten stets gut gelaunt mitgetragen hätten – großer Applaus der Gäste. Dazu gehörte auch die 15. Ausgabe der Kundenzeitschrift Schmitz Katze, die am Vorabend aus der Druckerei angeliefert worden war. Sie ist ergänzt worden durch eine Beilage, in der die Neuerfindung von schmitz junior dokumentiert wird.

„Die Zeiten für einen selbständigen Buchhändler sind in Anbetracht der vielen ungelösten Probleme in der Branche und den großen Umwälzungen, die ein verändertes Kaufverhalten mit sich bringt, im Moment nicht einfach“, erklärte Thomas Schmitz. „Und es gibt niemanden, der Patentlösungen präsentieren könnte. Nicht wenige sprechen von den biblischen sieben mageren Jahren. Das Bild hinkt aber, hat es doch die sieben fetten Jahren nie gegeben. Buchhandelsketten, die vor Jahren noch mit einer Arroganz Kollegen von ihren angestammten Plätzen vertrieben, geraten in Schieflage. Kleine Buchhandlungen schließen. Die eigene Buchhandlung am Ende seines Berufslebens an einen Nachfolger zu übergeben, wird immer schwerer. Fehlt es doch häufig schlicht an geeignetem Nachwuchs. Nicht zu vergessen, dass viele Buchhandlungen einfach nicht mehr zu verkaufen sind. Ich höre Kollegen, die darüber nachdenken, keine Auszubildenden mehr einzustellen, weil sie an die eigene Zukunft nicht mehr glauben. (…) Ich beobachte das alles, mache mir meine Gedanken und ja, manchmal auch meine Sorgen. Trotzdem empfinde ich meinen Beruf immer noch als einen großen Glücksgriff in meinem Leben.“

Schmitz junior wird an diesem Wochenende den verkaufsoffenen Sonntag mitnehmen. Und ein Sommerloch hat Buchhändlerin Sandra Rudel noch nie gekannt. Traditionellerweise wird man in dieser Zeit eine Rätsel-Rallye für Kinder veranstalten, und viele Kunden nützten die Zeit, um auch von weiter her anzureisen, um sich mal in Ruhe umzusehen. Die Lage am Werdener Markt ist zudem deutlich besser als die alte: Ein Platz vor der Buchhandlung ist Treffpunkt von vielen Anwohnern, und direkter Nachbar ist eine Eisdiele.

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