Theater für Osiander-Azubis

Shakespeare trifft Loriot im Dienste des Kunden – unter solch einem kuriosen Motto könnte ein Theaterprojekt stehen, das die Buchhandlung Osiander für ihre Auszubildenden durchführt: Aus den 15 Filialen des Familienunternehmens treffen sich 24 Azubis aus Baden-Württemberg und Rheinland-Pfalz an mehreren Terminen in einem Gemeinschaftshaus in Tübingen, um allgemein ihre Kommunikationsfähigkeiten zu verbessern und speziell Theaterszenen vorzubereiten und diese im Herbst öffentlich aufzuführen.

Der Startschuss fiel am 19. Juni., als Osiander Geschäftsführer Christian Riethmüller am Morgen den künftigen Buchhändlerinnen und Buchhändlern ihre neue Rolle erläuterte, bevor es etwas später richtig losging – mit kuriosen Kennenlernspielen.

Einen ersten Durchlauf erlebte die ungewöhnliche Osiander Aktion bereits im Jahr 2005, so dass die aktuellen Teilnehmer auf den Erfahrungen ihrer Vorgänger aufbauen können. Die freiberufliche Theaterpädagogin Helga Kröplin hat das Konzept entwickelt und unterstützt den Nachwuchs bei den vielfältigen Übungen. Nur scheinbar hat das quirlige Geschehen nichts mit dem Alltag zu tun: Da werfen sich die jungen Erwachsenen gegenseitig Stoffbälle zu und ändern auf Zurufe oder Händeklatschen die Spielregeln. Gutes Reaktionsvermögen und hohe Aufmerksamkeit sind dabei gefragt – Eigenschaften, die auch im Laden extrem wichtig sind.

In den ohnehin zur Ausbildung gehörenden betrieblichen Schulungen, den so genannten Kinderstunden, suchen sich die Azubis unter Anleitung von Hannah Vöhringer von Osiander Tübingen Wilhelmstraße ihr Lieblingsmaterial zur Bearbeitung aus: Kochrezepte, Dramenauszüge von Goethe oder Shakespeare, Sketche von Loriot, Gedichte von Gottfried Benn – so unterschiedlich können die kurzen Texte sein, denen sich die Auszubildenden tänzerisch nähern und die später die Grundlage für die Aufführungen bilden. Bewegung und Sprache finden zusammen, so dass sich Ängste vor dem Kundenkontakt reduzieren lassen.

„Auch wir Buchhändlerinnen und Buchhändler agieren auf einer Art Bühne,“ erklärt Ulrike Sander, Filialleiterin in der Wilhelmstraße, „unsere Körpersprache, Mimik und Haltung wirken immer direkt auf die Kunden.“ Auf die Dauer beeinflusst der Workshop also nicht zuletzt die Umsätze positiv. Christian Riethmüller fügt hinzu, dass er sich beim ersten Projekt vor zwei Jahren über die „Nebenwirkung“ gefreut habe, „dass sich noch etwas unsichere Mädchen und Jungen in selbstbewusste Frauen und Männer verwandelt haben.“ Um eine ähnlich starke Wirkung zu erreichen, treffen sich die Auszubildenden insgesamt vier Mal an jeweils zwei Tagen, bevor die Aufführungen erstmals am 26. Oktober über die Bühne gehen.

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