Wasser in der „Wendeltreppe“

Hilde Ganßmüller zwischen Kisten

Vor sieben Wochen waren Inhaberin Jutta Wilkesmann und Mitarbeiterin Hilde Ganßmüller von der Krimi-Buchhandlung Die Wendeltreppe in der Frankfurter Brückenstraße noch optimistisch, motiviert und voller Tatendrang: Sie wollten ihr Antiquariat renovieren.

Am Wochenende 23. und 24. Januar begannen sie mit der Arbeit, räumten die Bücher aus den Regalen, wollten streichen, später einen schönen Schrank mit Glastüren für die wertvolleren Sachen aufstellen.

Doch am Montag, 25. Januar, erlebten sie bei Betreten ihrer Buchhandlung eine böse Überraschung: An den Wänden lief das Wasser herunter, tropfte sogar auf den kleinen Schreibtisch im Zimmer hinter dem Verkaufsraum.

„Kistenweise verwässerte Bücher, teils antiquarische, teils neue, die wir zurückschicken wollten – kein schöner Wochenanfang für uns und ein ziemlicher Schock“, erinnert sich Hilde Ganßmüller. Gutachter kamen, um den Schaden aufzunehmen, doch die Nässe in den Wänden blieb. Die beiden Buchhändlerinnen schätzen den Schaden die verdorbenen Bücher betreffend auf einige tausend Euro. Doch das ist nur die eine Seite der Medaille. Weit schlimmer ist, dass die Buchhandlung zurzeit nur mit halber Kraft läuft. Mit voller Kraft dagegen muss seit 10. März ein Industrie-Lüfter laufen, um die Wände zu trocknen. Das wirkt sich auch auf die Luft in der Buchhandlung aus, das Atmen fällt schwer nach einiger Zeit.
Über den Bücherregalen stehen ebenfalls seit Mitte Februar Trockenplatten. „Wir haben fünf oder sechs nasse Wände, bisher ist eine trocken“, stellt Hilde Ganßmüller fest und muss sich mit Jutta Wilkesmann auf weitere Wochen im Provisorium einrichten. „Wir kommen nicht an die bestellten Bücher, müssen die Kunden vertrösten, weil alles zugestellt ist. Unser englisches Antiquariat befindet sich beispielsweise komplett in den Kisten. Aber aufgeben oder schließen kommt natürlich nicht in Frage“, erklärt Hilde Ganßmüller.

Zusätzlich bedeutet der Schaden für die Buchhändlerinnen einen riesigen Aufwand; jedes einzelne nasse Buch muss dokumentiert werden.

Und: die Bücher mit Wasserschäden sind nicht zu verkaufen. Auf die Frage eines Gutachters, ob solche Schäden nicht restauriert werden können wie beispielsweise in der Herzogin Anna Amalia Bibliothek können die langjährig mit Büchern beschäftigten Damen der „Wendeltreppe“ nur den Kopf schütteln: Da steht Aufwand und Nutzen in keinem Verhältnis, denn in der Weimarer Bibliothek handelt es sich um bibliophile Kostbarkeiten.

Die beschädigten Bücher sind hin. Aber es gibt noch genügend Bücher ohne Wasserschäden in der Buchhandlung, die täglich (außer sonntags) geöffnet hat – ein Besuch lohnt sich also und eine Ermutigung der beiden Damen allemal.

JF

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