Auszeichnungen Ch. Links Verlag mit dem Kurt Wolff Preis geehrt

Der Berliner Ch. Links Verlag erhielt gestern auf der Leipziger Buchmesse den mit 26.000 Euro dotierten Kurt Wolff Preis 2016. Der mit 5000 Euro dotierte Förderpreis ging an den Verlag Vorwerk 8 ebenfalls in Berlin.

Rainald Gußmann, Christoph Links

Der Preis würdige die Vielfalt des Schaffens unabhängiger Verlage, so Aviva-Verlegerin Britta Jürgs, die Vorstandsvorsitzende der Kurt Wolff Stiftung, bei der Preisverleihung im gut besuchten Forum „Die Unabhängigen“. Ch. Links sei ein Verlag, der sich schon immer eingemischt habe und das auch weiterhin tun werde Zwar seien die Bücher nicht mehr alle knallgelb, aber sie hätten immer noch Signalwirkung.

Britta Jürgs erinnerte das Publikum an den Indiebookday am 26. März und appellierte an die anwesenden Buchhändler, sich um den Deutschen Buchhandlungspreis page(65454 )zu bewerben, der in diesem Jahr in die zweite Runde geht. „Wir brauchen Sie und Ihr Engagement!“

Der Autor und Journalist Christoph Dieckmann ging in seiner Laudatio auf die Geschichte des Ende 1989 gegründeten Ch. Links Verlags ein. Das Spektrum seiner Themen, seine kulturelle Prägung und seine aufklärerische Energie erwiesen ihn als freiheitsbewussten Erbnießer der Wende und des Mauerfalls. Ch. Links sei ein Wirklichkeitsverlag.

Christoph Links gehört zu den wenigen Menschen, die überzeugend ost- und westdeutsch sprechen können.“, sagte Dieckmann. Dank solcher Grenzgänger seien Ost und West einander verständlicher geworden. „Unsere Unterschiedsgeschichten sind Schätze. Zu deren Hebung hat der Ch. Links Verlag vielstimmig beigetragen.“ Christoph Links sei außerdem ein „herzensbegabter Intellektueller mit paternalistischen Zügen“. Dieckmann ehrte aber nicht nur den Verlag, sondern auch „die gesamte Unternehmung“, Autoren, Lektoren, Buchhändler und – „jenes höchste Wesen, das wir suchen, brauchen und verehren: den Leser.“

Christoph Dieckmann

Den Verlag Vorwerk 8 von Rainald Gußmann bezeichnete Dieckmann als „interaktiven Begegnungsraum von Kunst und Wissenschaft“. „Seine Buchästhetik ist singulär, sein grenzüberschreitendes Wesen und sein unabhängiger Behauptungswille scheinen dem Ch. Links Verlag verwandt.“ Die komplette Rede können Sie hier http://www.kurt-wolff-stiftung.de/wp-content/uploads/2016/03/Laudatio-Kurt-Wolff-Preis-2016.pdf nachlesen.

Sein Verlag versuche „Seismograph unserer Zeit“ zu sein, sagte Christoph Links in seiner Dankesrede. Es gehe ihm darum Konflikte unserer Zeit zu thematisieren und ihre Hintergründe zu erhellen. „Urteil braucht Sachkunde, so unsere Überzeugung.“

Von dem Preis wird Links auch den Außenmitarbeiter und Kollegen im Verlag etwas abgeben. Der größte Teil des Geldes fließe aber in neue Bücher, die in aktuelle Kontroversen eingreifen und im Idealfall auch politische Wirkung zeigen sollen. So habe Kulturstaatsministerin Monika Grütters in der Diskussion um das neue Kulturschutzgesetz mehrfach auf Günther Wessels Buch Das schmutzige Geschäft mit der Antike über den illegalen Handel mit geraubten Kulturgütern Bezug genommen. Und in diesem Frühjahr erkläre Julia Gerlach mit ihrem Report Der verpasste Frühling, woran die Arabellion gescheitert ist und Christian Jakob zeige mit Die Bleibenden, wie Flüchtlinge Deutschland verändern.

Für den Herbst kündigte Links ein Buch über die politische Situation in Sachsen-Anhalt an, in dem es darum geht, wie rechte Kräfte unter dem Schweigen der Mehrheit Einfluss gewinnen konnten und wie politisch Verantwortliche hier frühzeitig hätten gegensteuern müssen. Autor ist der zurückgetretene Bürgermeister von Tröglitz, Markus Nierth. Außerdem soll im Herbst eine 13-bändige Edition der Unabhängigen Historikerkommission zur Erforschung der BND-Geschichte starten.

Ebenso wie Britta Jürgs und Siegmund Ehrmann, Vorsitzender des Bundestagausschusses für Kultur und Medien, der ein Grußwort sprach, ging auch Links auf die Auseinandersetzungen um den Entwurf für ein neues Urhebervertragsrecht und die Beteiligung der Verlage an den Ausschüttungen der Vewertungsgesellschaft Wort ein. „Sollte sich an der bisherigen Rechtsauffassung nichts ändern, so würde unser heutiger Freudentag einen bitteren Beigeschmack bekommen“, sagte er und richtete an die Politik die dringende Bitte, in den genannten Fällen „alles dafür zu tun, dass die die Arbeitsbedingungen für die unabhängigen, selbstfinanzierten Verlage nicht verschlechtert werden und somit die Vielfalt unserer Verlagslandschaft langfristig erhalten bleibt“.

ml

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