Die Buchhändlerfamilie Riethmüller will ihre "Kompetenzen" bündeln Das nächste Branchenthema: RavensBuch und Osiander fusionieren unter der Marke Osiander

Martin Riethmüller „hat wie sein Cousin bei Aldi Effizienz gelernt“, wie die Stuttgarter Zeitung weiß

Osiander mit 65 Filialen im süddeutschen Raum und RavensBuch mit vier Buchhandlungen in der Region Oberschwaben/Bodensee schließen sich noch in diesem Jahr unter der geneinsam Marke Osiander zusammen. Der Gesellschafterkreis wird um Martin und Michael Riethmüller, bisher Inhaber und Geschäftsführer von RavensBuch, erweitert. Martin Riethmüller wird in die Geschäftsführung von Osiander eintreten. Über die Modalitäten der Fusion wurde Stillschweigen vereinbart, heißt es in einer gemeinsamen Presseinformation der beiden Unternehmen.

Osiander mit seinen derzeit 65 Buchhandlungen und einem Jahresumsatz von knapp 100 Millionen Euro übernimmt die vier RavensBuch Buchhandlungen in Ravensburg, Friedrichshafen, Markdorf und Tettnang mit einem Gesamtumsatz von knapp 7,5 Millionen Euro und führt diese unter der etablierten Marke RavensBuch mit allen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern weiter. Ziel des Zusammenschlusses der beiden Buchhandelsunternehmen, die von den Familien Riethmüller aus Tübingen (Hermann-Arndt, Heinrich und Christian Riethmüller) und Ravensburg (Michael und Martin Riethmüller) geführt werden, sei es, die Wettbewerbsfähigkeit vor allem gegenüber multinationalen Konzernen zu erhöhen, Kompetenzen zu bündeln und die Position des Unternehmens im süddeutschen Raum zu stärken.

Der Webshop wird gemeinsam unter www.osiander.de betrieben. Geplant ist, die RavensBuch-Buchhandlungen und den Webshop im September auf das Osiander-System umzustellen und in die Osiandersche Vertriebsgesellschaft einzubringen. Letzteres steht unter Vorbehalt der Zustimmung durch die Kartellbehörden.

Die Cousins Christian (46) und Martin Riethmüller (34), die beide als „jüngere“ Generation die Geschäftsführung in ihren Unternehmen leiten, haben die Idee der Fusion vorangetrieben: „Zwischen uns beiden und unseren Familien besteht ein großes und freundschaftliches Vertrauensverhältnis. Wir sind nicht nur eine Familie, sondern teilen vor allem die Begeisterung für Bücher und Geschichten. Wir wollen auf diesem hart umkämpften Markt, dessen Situation durch die Folgen der Corona-Pandemie nicht einfacher geworden ist, die langfristige Unabhängigkeit unserer Familienunternehmen sichern. Gerade im Handel wird es immer schwieriger, nachfolgende Familien-Generationen zu finden, die ein Unternehmen übernehmen. Mit unserem Zusammenschluss setzen wir gegenüber unseren Mitarbeiter*innen ein klares Zeichen, dass wir ein Familienunternehmen bleiben wollen.“ Die beiden wissen aber auch, was sie dazu beitragen können: Beide haben bei ALDI „Effizienz gelernt“, wie die Stuttgarter Zeitung weiß.

Zusammen mit seinem Vater will Martin Riethmüller auch künftig dazu beitragen, dass RavensBuch vor Ort weiterhin als Veranstalter von Lesungen auftritt und die kulturelle Szene in Oberschwaben bereichert. Schließungen von Filialen seien nicht geplant, betont Michael Riethmüller auf Nachfrage. Er glaube auch nicht, dass RavensBuch als kleiner Partner marginalisiert werden könnte. „Wir sind an ganz anderen Standorten als Osiander. Vor Ort sind und bleiben wir RavensBuch – allerdings mit klarem Bezug zu Osiander. Wir bringen unsere Stärken ein und profitieren andererseits von den Stärken und Möglichkeiten von Osiander. Zudem ist das keine Übernahme, sondern eine Fusion. Die bisherigen Eigentümer von RavensBuch werden dann auch Anteilseigner von Osiander.“

RavensBuch Gründer Margarete und Michael Riethmüller

Für Martin Riethmüller ist die Zusammenarbeit eine gute Neuigkeit für alle Leser und Leserinnen in Oberschwaben und am Bodensee: „Wir können in unseren Buchhandlungen und in unserem Onlineshop zukünftig ein deutlich breiteres Sortiment anbieten und punkten mit neuer Technik, ohne auf unsere Besonderheiten zu verzichten. Damit entsteht ein echter Mehrwert für unsere Kundinnen und Kunden.“

Auch Michal Riethmüller ist sicher, dass die Kooperation mit der Osiander Vertriebsgesellschaft, die von Osiander und Thalia Mayersche gehalten wird, die Vielfalt der Buchhandelslandschaft nicht bedroht. „Unabhängige Verlage werden auch weiterhin den Platz bei uns finden. Wir werden einen Beitrag zum gemeinsamen Sortiment leisten und unsere Expertise einbringen“, sagt er auf Nachfrage. „Beim Vergleich zwischen kleinen Buchhandlungen und den Filialisten gewinnen keineswegs immer die ‚Kleinen‘, wenn es um das Angebot kleiner Verlage geht, das kann z.B. auch am verfügbaren Webshopangebot überprüft werden. Es geht aber nicht nur um Vielfalt, sondern ganz klar auch um Sichtbarkeit des Buches. Diese Sichtbarkeit können wir deutlich ausbauen und sichern.“

Michael und Margarete Riethmüller haben RavensBuch 1992 gegründet, 2006 kamen die Buchhandlung in Friedrichshafen, 2018 in Tettnang und 2019 in Markdorf dazu. 2019 übergab Margarete die Geschäftsführung an ihren Sohn Martin, der seitdem gemeinsam mit seinem Vater die Geschicke von RavensBuch lenkt.

Die drei Brüder Hermann-Arndt (Aufsichtsratsvorsitzender von Osiander), Heinrich (Geschäftsführer Osiander) und Michael Riethmüller (Geschäftsführer RavensBuch) freuen sich darüber, dass ihre Kinder den Buchhandel nun unter einem Dach fortführen: „Wir haben in den letzten Jahrzehnten einen extremen Wandel unserer Branche erlebt. Umso besser ist es, wenn unsere nachfolgende Generation jetzt gemeinsam an einem Strang zieht und die komplexen Herausforderungen des Marktes zusammen angeht. Für uns hat es eine hohe Bedeutung, dass unser Familienunternehmen auch in Familienhand bleibt.“

Aber nicht alle werden sich wohl freuen: Das ist ein Rückschlag für die LG Buch – RavensBuch ist das umsatzstärkste Unternehmen dieser Einkaufsgenossenschaft. Man darf gspannt sein, welche Folgen auch das dann hat. Am Montag tagt der 2. Runde Tisch des Börsenvereins. Das Thema dürfte auch zur Sprache kommen.

 

 

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