Auszeichnungen Der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis 2021 geht an Grit Poppe und an Delphine Pessin

Am Freitag, 15. Oktober 2021 wurde zum neunten Mal der Deutsch-Französische Jugendliteraturpreis, ein Preis für zeitgenössische Jugendliteratur in Deutschland und Frankreich, von der Europäischen Kinder- und Jugendbuchmesse und der Stiftung für die deutsch-französische kulturelle Zusammenarbeit verliehen. Er geht in diesem Jahr an Grit Poppe (Deutschland) und Delphine Pessin (Frankreich).

In diesem Jahr wurde der Preis in der Kategorie Jugendbuch vergeben.
Der Ministerpräsident des Saarlandes, Tobias Hans, und die Vertreterin der
Französischen Botschafterin in Deutschland, Karin Fouledeau, haben die Preise in der IHK Saarland überreicht und die Preisträgerinnen der Öffentlichkeit vorgestellt.

Bei der Preisübergabe betonte Ministerpräsident Tobias Hans die Brückenfunktion dieses bilateralen Jugendliteraturpreises: „Dieser Preis trägt nicht nur zur Vertiefung des literarischen Brückenbaus zwischen unseren Ländern bei, sondern er fördert auch den grenzüberschreitenden Dialog junger Menschen. Damit werden Grenzen überwunden und neue Horizonte eröffnet.“

Grit Poppe: Verraten (Dressler)

Grit Poppe studierte am Literaturinstitut in Leipzig. Von 1989 bis 1992 engagierte sie sich als Landesgeschäftsführerin Brandenburg in der Bürgerbewegung Demokratie Jetzt. Heute schreibt sie Bücher für Kinder, Jugendliche und Erwachsene. Für ihren ersten Jugendroman Weggesperrt (2009) wurde sie mehrfach ausgezeichnet, u.a. mit dem Gustav-Heinemann-Friedenspreis für Kinder- und Jugendliteratur.

Urteil der Jury: Eindrückliche Einblicke in zwei jugendliche Lebensläufe in der DDR 1986: die des 15-jährigen Sebastian und der Ausreißerin Katja. Grit Poppe hat intensiv überHeimerziehung und das Anwerben jugendlicher Stasi-Spitzel recherchiert; sie führt mit einfühlsamen inneren Monologen die Manipulierbarkeit von Menschen vor, zeigt Gewissenskonflikte und wie man sowohl mit Drohkulissen als auch mit schmeichelndem Vertrauen Jugendliche instrumentalisieren kann. Poppes sehr genauen, aufwühlenden Beschreibungen offenbaren, wie die Gesellschaft in totalitären Staaten funktioniert – wo
muss ich mich unterwerfen, wo mache ich Kompromisse? Das Verlieren der menschlichen Würde ist, so wird deutlich, perfide geplant und systemimmanent.

Delphine Pessin: Deux fleurs en hiver (Didier Jeunesse)

Delphine Pessin ist Französischlehrerin und seit 2017 Autorin von Jugendromanen. In ihren Romanen beschäftigt sie sich mit Themen rund um das „Zusammenleben“, sei es ernsthaft oder mit viel Fantasie. 2018 war sie Preisträgerin des Schreibwettbewerbs „Émergences“, der durch den Autoren- und Illustratoren Verband „Charte des auteurs et illustrateurs jeunesse“ veranstaltet wird.

Urteil der Jury: Intergenerationeller Austausch als Heilmittel vieler Übel… Capucine und Violette. Zwei Blumennamen. Zwei entwurzelte Leben unter einem Dach: Ein Pflegeheim, in dem erstere Praktikantin und die zweite neue Bewohnerin ist. Dort trifft die jüngere, die ihre Verletzungen unter bunten Perücken verbirgt, auf die ältere, die nicht mehr lächelt. Nun ist gerade Capucine eine Spezialistin des Lächelns, mal Bumerang, mal Schutzschild… Das gemeinsame Unwohlsein wird bald die „zwei Herzen im Winterschlafmodus“ zusammenbringen und ihnen helfen, sich gegenseitig zu unterstützen, einander zu vertrauen, Geheimnisse zu teilen, die sehr schwer zu tragen sind, und sie ermutigen, sich zu engagieren und zu handeln. Als es auf den Karneval zugeht, kommen die Erinnerungen an den Mai 1968 wieder hoch, und die ganze Einrichtung wird von dieser generationsübergreifenden Komplizenschaft und von diesem (wieder-)gewonnenen Vertrauen angesteckt. Die zweistimmige Erzählung trifft den richtigen Ton zwischen Humor und Zärtlichkeit, zwischen Stil- und Perspektivwechsel: Ein Dialog zwischen Jung
und Alt, ein doppelter Blick – realitätsnah und differenziert – auf die unbekannten und wenig anerkannten Pflegeberufe. Ohne die Wirklichkeit vor Ort zu beschönigen, will dieser Roman dazu ermutigen, den eigenen Platz zu finden und der eigenen Berufung zu folgen. Bis zum Ende. Über Unterschiede und Vorurteile hinaus. Ein sehr bewegendes Buch, das gut tut.

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