Bernd F. Lunkewitz kommentiert die Aufbau-Chronik zum 75. jährigen Jubiläum des Verlages „Die Rahmenbedingungen der Verlagstätigkeit in der DDR bleiben weitgehend unerklärt“

Zum 75 jährigen Jubiläum des Aufbau Verlages hatte Michael Krüger in der Literarischen Welt geschrieben, der Verlag habe in seiner „langen und oft schwierigen Geschichte alles überstanden, sogar den exzentrischen Immobilienmakler Lunkewitz“. Das sollte Anlass für ein Gespräch mit dem früheren Eigner sein, ohne den es allerdings den „einst regimetreuesten Verlages der DDR“ sicher nicht mehr gäbe. Bernd F. Lunkewitz aber hat lieber die Aufbau – Chronik „Man muss sein Herz an etwas hängen, das es verlohnt“ rezensiert – spannende Ergänzungen zu einem spannenden Buch:

„Ausgerechnet in diesem Buch zur eigenen Geschichte wird  Walter Janka, einer der rechtschaffensten Menschen seiner Zeit, auf unredliche Weise als Betrüger beschrieben. Ich habe mit Walter Janka, der keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit hatte, mehrmals über dieses Thema gesprochen und im Verlagsarchiv dazu recherchiert und bestreite diese Vorwürfe, denn schon wegen der auch für Nachauflagen in der DDR erforderlichen Druckgenehmigung hätte Walter Janka solche Praktiken sofort bemerkt und verhindert.“ (Mehr zum Buch und zu 75 Jahren Aufbau durch Klick auf Cover)

Der im August 1945 in Berlin vom Kulturbund zur demokratischen Erneuerung Deutschlands gegründete Aufbau-Verlag entwickelte sich zum bedeutendsten Literaturverlag der DDR. Er hat in den 75 Jahren seines Bestehens mehr als 15.000 Titel publiziert und damit die deutsche und internationale Literaturgeschichte mitgeprägt. 

Der Autor dieser flüssig geschriebenen Verlagsgeschichte ist Konstantin Ulmer, ein ausgewiesener Kenner der deutschen Literaturszene. Er promovierte 2014 mit einer literatursoziologischen Arbeit über den Luchterhand-Verlag, der sich in den letzten Jahren der DDR zum wichtigsten Partner des Aufbau-Verlages im Westen entwickelt hatte. 

Beginnend mit der gelungenen Verbindung der zurückgekehrten Autoren des Exils mit denen des Inneren Widerstands und der Berufung auf das Erbe der klassischen Weltliteratur, stellt er die wichtigsten Autoren und Verlagsmitarbeiter vor, die das Programm des Aufbau-Verlages in den folgenden Jahren und Jahrzehnten prägten und (trotz vieler Zugeständnisse an die politischen Machtverhältnisse in der DDR) seine überragende literarische Bedeutung begründeten, die letztlich auch seine Renaissance nach der Wende überhaupt erst möglich machte. 

Sein Anspruch, „die“ Geschichte des Aufbau-Verlages zu schreiben, scheitert jedoch an dem Unvermögen, nicht nur die Folgen der politischen Ereignisse in der DDR für die Programmgestaltung, sondern auch die spezifischen juristischen, wirtschaftlichen und institutionellen Grundlagen und Bedingungen der Tätigkeit des Aufbau-Verlages darzustellen. 

Die Gründung der Aufbau-Verlag GmbH 1945 und deren Erwerb durch den Kulturbund beschreibt er zutreffend, aber die Rahmenbedingungen der Verlagstätigkeit in der späteren DDR bleiben weitgehend unerklärt. 

Die unbefristete Lizenzurkunde mit der Nummer 301, mit der nach Gründung der DDR das Amt für Literatur und Verlagswesen dem Kulturbund als alleinigem Eigentümer die „Genehmigung zur Ausübung der verlegerischen Tätigkeit … im Rahmen der Firma Aufbau-Verlag“ erteilte, bleibt unerwähnt, obwohl sie bis zur Abschaffung der Lizenz- und Druckgenehmigungspflicht die Bedingung für die Verlagstätigkeit war und pflichtgemäß in jedem Buch angegeben wurde.

Warum der Kulturbund ab 1951 den SED-eigenen Betrieb „Druckerei- und Verlagskontor“ mit der ökonomischen Anleitung und Verwaltung des Verlages beauftragte, erläutert er nicht, obwohl damit der Verlag den planwirtschaftliche Strukturen und der wirtschaftlichen Rechnungsführung der volkseigenen Betriebe angepasst wurde. Noch erstaunlicher ist, dass der Autor das zum 1.1.1961 vom Präsidialrat des Kulturbunds erlassene „Statut für den Aufbau-Verlag, Verlag des Deutschen Kulturbunds“ überhaupt nicht würdigt. Darin wurden die rechtliche, organisatorische und ökonomische Struktur des Verlages in der DDR, seine Arbeitsweise, die Zusammenarbeit mit den Autoren und die Aufgaben der Verlagsleitung verbindlich festgelegt. Dieses „grundlegende Dokument für die Verlagsarbeit“ (DKV) wurde im Februar 1964 anlässlich der vom Politbüro der SED verordneten Profilierung des Verlagswesens der DDR durch einen zwischen dem Ministerium für Kultur der DDR und dem Kulturbund geschlossenen Vertrag ergänzt, der die ökonomische und ideologische Verwaltung des Aufbau-Verlages der Hauptverwaltung Verlage und Buchhandel übertrug. 

Im Jahre 1955 war die Aufbau-Verlag GmbH im Handelsregister B gelöscht und der Verlag als ein den volkseigenen Betrieben rechtlich gleichgestellter und rechtsfähiger „organisationseigener Betrieb“ des Kulturbunds im Handelsregister C eingetragen worden. Die Ausführungen von Konstantin Ulmer dazu, die GmbH sei „im Zuge der Umwandlung allerdings gar nicht aufgelöst worden. Aufbau blieb also eine GmbH des Kulturbunds“ sind falsch, wie der BGH zwischen 2008 und 2010 drei Mal entschieden hat.

Nach den auch von Konstantin Ulmer aufgezählten erstaunlichen Erfolgen in den ersten Jahren der Verlagstätigkeit, die den Aufbau-Verlag als unverzichtbare Institution in der deutschen Verlagslandschaft etablierten, scheiterte der legendäre Verlagsleiter Walter Janka in den fünfziger Jahren mit seinem Versuch, programmatisch und wirtschaftlich wenigstens „die Unteilbarkeit des deutschen Buchschaffens zu wahren“ und die vom Aufbau-Verlag verlegte zeitgenössische Literatur auf beiden Seiten der Grenze zu vertreiben. Diese Bemühungen waren nicht nur literarisch sondern auch ökonomisch motiviert. Walter Janka wollte auf diese Weise die für das Lizenzgeschäft mit dem Ausland notwendigen Devisen erwirtschaften. Konstantin Ulmer legt das Ende dieser Bemühungen in das Jahr 1955, aber tatsächlich plante Walter Janka, nachdem die SED eine Verlagsgründung abgelehnt hatte, die vom Ministerium schon genehmigte Gründung eines Buchvertriebs in Westdeutschland, als er im Dezember 1956 verhaftet und kurz danach in einem stalinistischen Schauprozess zu 5 Jahren Zuchthaus verurteilt wurde.

Konstantin Ulmer erzählt von den Schwierigkeiten des Aufbau-Verlages, die Autoren aus dem Westen zu bezahlen und rückt Walter Janka in die Nähe der später üblichen Raubdrucke, die nach 1991 als „Plusauflagen“ berüchtigt wurden: 

„Vereinzelt konnte Janka bei seinen Reisen ein paar tausend Westmark aus der DDR mitnehmen und an westdeutsche Empfänger auszahlen. Doch hinter den Kulissen arbeiteten die Kulturfunktionäre noch einen anderen Lösungsansatz aus: „Zwecks Einsparung von Devisen“ rechnete Aufbau einige Nachauflagen von Lizenzautoren einfach nicht ab. Der Zweck, die Leser in der DDR mit West-Texten zu versorgen, heiligte die Mittel. Von diesem fortgesetzten Betrug ahnten die Lizenzpartner viele Jahre nichts. Derweil nutzte Janka, mittlerweile ein gern gesehener Gast in der gediegenen Villa am Kilchberg, die persönliche Sympathie, um einen Vertrag über Klaus Manns umstrittenen Roman Mephisto abzuschließen…“

Ausgerechnet in diesem vom Aufbau-Verlag publizierten Buch zur eigenen Geschichte wird damit Walter Janka, einer der rechtschaffensten Menschen seiner Zeit, auf unredliche Weise als Betrüger beschrieben. 

Ich habe mit Walter Janka, der keine Schwierigkeiten mit der Wahrheit hatte, mehrmals über dieses Thema gesprochen und im Verlagsarchiv dazu recherchiert und bestreite diese Vorwürfe, denn schon wegen der auch für Nachauflagen in der DDR erforderlichen Druckgenehmigung hätte Walter Janka solche Praktiken sofort bemerkt und verhindert. 

Wahr ist nur, dass wegen der in der DDR knappen Devisen die Auszahlung der Honorare in konvertierbarer Währung schwierig war. Meist standen die geschuldeten Beträge längere Zeit in Ost-Mark auf DDR Konten. Aber nach meinem Wissen täuschte Walter Janka niemanden über diese Umstände und erst recht veranlasste er nicht geheime „Plusauflagen“, deren Honorare nicht an die berechtigten Autoren, sondern an die SED gezahlt wurden.  

Sein Nachfolger, Klaus Gysi, war allerdings, wie später auch Elmar Faber, von anderem Kaliber. Er verengte das Programm des Verlages auf die von der SED vorgegebene Parteilinie. Der Aufbau-Verlag gab bewusst den bis dahin fruchtbaren Programmteil Philosophie auf und reduzierte drastisch den Anteil westlicher Literatur. Die Neuausrichtung des Verlagsprogramms auf eine „Nationalliteratur der DDR“ diente einerseits zur ideologischen Abschottung, andererseits war sie der Devisenknappheit der DDR geschuldet, was dann Anfang der sechziger Jahre zu den systematischen „Plusauflagen“ führte. 

Die zum 1.1.1964 vom Politbüro der SED verordnete „Profilierung“ der Verlage reduzierte die gesamte Branche auf nur noch 78 lizenzierte Verlage, die zum Teil in gemeinsamen Betrieben arbeiteten, aber juristisch selbständig blieben, weil das Politbüro und der Ministerrat bestimmt hatten, „die Eigentumsverhältnisse bleiben unverändert“. 

Der Aufbau-Verlag des Kulturbunds wurde danach, wie von Konstantin Ulmer ausführlich und literatursoziologisch durchaus kompetent geschildert, endgültig zum wichtigsten Literaturverlag der DDR. Sein weitgestecktes Gebiet umfasste die gesamte deutsche Literatur von ihren Anfängen bis zur jüngsten zeitgenössischen Gegenwartsliteratur, die gesamte ausländische Literatur von der Antike bis zur Gegenwart und die Literaturwissenschaft. Darin trug der Aufbau-Verlag mehr zum deutsch-deutschen Literaturaustausch bei als jeder einzelne Verlag in der Bundesrepublik, einschließlich des Luchterhand-Verlages, dessen Editionsgeschichte Konstantin Ulmer so gründlich erforscht hat.

1966 wurde Klaus Gysi Minister für Kultur der DDR. Sein Nachfolger wurde der langjährige Cheflektor Fritz Georg Voigt, der die Programme beider Verlage wieder erweiterte und vorsichtig für die zeitgenössische Literatur aus den „kapitalistischen“ Ländern öffnete. 

Fritz Georg Voigt hatte nicht nur ausgezeichnete Werkausgaben klassischer Literatur ediert, sondern auch einige der wichtigsten zeitgenössischen Schriftsteller der DDR und des Auslands im Programm des Aufbau-Verlages versammelt, als er erkrankte und schließlich im Jahre 1983 durch Elmar Faber als Verlagsleiter abgelöst wurde.

Damit trat eine Person an die Spitze des Aufbau-Verlages, die gegenüber den übergeordneten Behörden, den Mitarbeitern und Kollegen, auch in den polygraphischen Betrieben, sehr selbstsicher auftrat. 

Elmar Faber wird in dieser Verlagsgeschichte geschildert wie ein Nachfahre des listenreichen Odysseus, der im Aufbau-Verlag „ebenso listig wie risikofreudig“ Heldentaten vollbrachte oder wenigsten davon erzählte, und stets bescheiden betonte, nur seine moralische Pflicht zu tun. 

Konstantin Ulmer nennt die Veröffentlichung von Christoph Heins Buchs „Horns Ende“ eine „taktische Meisterleistung“, obwohl die obligatorische Druckgenehmigung schnell erteilt war, nach dem die Zensurbehörde mit ein paar kleinen Korrekturen ihre Existenzberechtigung bewiesen hatte. Erst nachdem die Belegexemplare eintrafen, ließ die Abteilung Kultur beim ZK auf Weisung des Politbüromitglieds Hager die Auslieferung an den Buchhandel stoppen. In der Autobiographie Fabers, erschienen im Aufbau-Verlag, und in anderen Büchern und Medien wurde aber das Märchen verbreitet, Faber habe in einem waghalsigen Husarenstück diesen Titel ohne Genehmigung oder sogar gegen den Willen der SED drucken und ausliefern lassen.

Konstantin Ulmer nennt das halbherzig eine Legende, die „später kolportiert wurde“. Es ist aber keine Legende, sondern eine Lüge, die Faber selber erzählte und noch ergänzte, dass es keine Heldentat war, weil er nur aus Selbstachtung so gehandelt habe. Mit seinen Behauptungen erfindet er eine DDR, in der Freiheit möglich gewesen wäre, wenn man sie nur – so wie er – genutzt hätte. In Wirklichkeit hatte er nur abgewartet, denn der Aufbau-Verlag war ebenso machtlos wie alle anderen Verlage der Zensur ausgeliefert. Die SED allein gewährte aus jeweils politischen Gründen für die Verlage nicht „Freiheit“, sondern „Freiraum“ in dem – wie die Literaturgeschichte zeigt – aber auch wertvolle Literatur entstehen kann. 

Um ein bisschen von Fabers angeblichem „Husarenstück“ zu retten, behauptet Konstantin Ulmer, eine „vierstellige Anzahl Bücher, die in der Französischen Straße gelandet waren, ließ Aufbau daraufhin angeblich auf eigene Faust ausliefern.“ Auch das Wort „angeblich“ hilft hier nicht: Tatsächlich wurden die etwa 1.000 im Verlag gelagerte Exemplare erst nach dem Ende der Auslieferungssperre zum Verkauf freigegeben und einige davon gelangten bis in den Westberliner Buchhandel. 

Auch im letzten Viertel des Buches finden sich interessante Ansichten zur literatursoziologischen Einordung der verlegten Bücher, aber eine gründliche Aufarbeitung der Verlagsgeschichte nach der Wende bietet das Buch nicht. Der noch immer andauernde Streit um das Eigentum am Aufbau-Verlag und das kriminelle Verhalten der Treuhandanstalt/BVS gegen den Kulturbund, den Verlag und die Käufer, aber auch das nicht weniger skandalöse Verhalten Elmar Fabers, und die tatsächlichen Umstände der Insolvenz – nicht des Verlages, sondern der vermögenslosen Hülle Aufbau-Verlagsgruppe GmbH – oder das erbärmliche Verhalten der Justiz, werden einfach hingenommen, als habe das alles nichts mit dem Aufbau-Verlag zu tun. 

Wenn man dann fragt, was nach 75 Jahren bleibt, ist die banale Antwort: „Bücher und die Gewissheit, dass noch viele folgen werden.“ 

Als ich zum 50. Gründungstag gefragt wurde, um was es geht, war meine Antwort: um die demokratische Erneuerung Deutschlands. 

Bernd F. Lunkewitz lebt in den USA. Er prozessierte seit 2008  gegen die Treuhand und die Bundesregierung. 

Seine Sicht auf diesen Prozess hat er unter dem Titel „Der Aufbau Verlag und die kriminelle  Vereinigung“ (gemeint ist die Treuhand) bei ePubli.de veröffentlicht.

 

 

Kommentare (4)
  1. In der Geschichte des Aufbau-Verlages von Konstantin Ulmer spielt Bernd F. Lunkewitz über viele Seiten die Rolle des linken Unternehmers, der den Zusammenbruch der DDR für ein großangelegtes Medienprojekt nutzt und dabei in verborgene juristische Fallstricke gerät – und so ähnlich sieht er das selbst. Die Kritik an Ulmers Buch entzündet sich denn auch weniger daran, als am Fehlen einer Prozessberichterstattung, die nicht mehr Gegenstand dieser Verlags-Biographie sein kann, sowie einer Kritik an der politischen Struktur der DDR überhaupt, die noch weniger beabsichtigt war. So bleibt man auf eine Rezension des vorliegenden Buches gespannt.

    • Sehr geehrter Herr Prof. Dr. Hans Altenhein,

      ich nehme mal an, Sie haben während Ihrer Tätigkeit im Luchterhand Verlag ganz, ganz bestimmt ebenso in „kritischer Distanz“ zur DDR gestanden wie zuvor Hermann Luchterhand und Eduard Reifferscheid zum Nationalsozialismus.

      Um so merkwürdiger ist Ihr Vorwurf, ich hätte den (bedauernswerten?) „Zusammenbruch der DDR für ein großangelegte Medienprojekt (ge)nutzt“ und wäre dabei in „verborgene juristische Fallstricke“ geraten. Nach Ihrer Ansicht hätte ich die „Rolle des linken Unternehmers“ (ein Oxymoron) nur (ge)“spielt“ und so – wie andere, die nach 1933 günstig Unternehmen „gekauft“ haben, sei ich dann später in „juristische Fallstricke“ geraten.

      Eine „Kritik an der politischen Struktur der DDR überhaupt” – und die Einbettung des Aufbau-Verlages in diese Struktur – habe anscheinend deshalb für die Geschichte des Aufbau-Verlages keine Relevanz und ist von Konstantin Ulmer noch weniger beabsichtigt gewesen als das „Fehlen einer Prozessberichterstattung, die nicht mehr Gegenstand dieser Verlags-Biographie sein kann“.

      Ihre Haltung dazu erklärt auch das jahrzehntelange Fehlen der „Prozessberichterstattung“ über die von Herrn Otto Heinrich Scholz geführten zahlreichen Prozesse dieses von den Nazis verfolgen Berliner Unternehmers, dessen im Mai 1939 an Luchterhand zwangsverkauften Betrieb der Grundstein für diesen Verlag wurde. Erst 1961 zahlte Luchterhand in einem Vergleich 125.000 DM als magere Entschädigung. Die Akten der seit 1946 geführten Prozesse wurden erst 1966 geschlossen.

      (https://taz.de/Ein-dunkler-Keller/!568481/)

      Sie haben davon natürlich nichts gewusst, weil diese lästigen Prozessakten wahrscheinlich längst entsorgt waren, als Sie 1973 in den Verlag eintraten.

      Zur Geschichte des Luchterhand Verlages gehört es, dass er die Verhältnisse im Dritten Reich zum Zwangskauf der Druckerei eines Nazigegners „genutzt“ hat. Zur Geschichte des Aufbau-Verlages gehört es, dass die Treuhandanstalt den Kulturbund und die Käufer arglistig täuschte und dass einige Gerichte der Bundesrepublik dieser kriminelle Verhalten der staatlichen Behörden durch Rechtsbeugung unterstützen.
      Bernd F. Lunkewitz

  2. Danke für die ausführliche ‚Rezension‘ des Buches von Konstantin Ulmer „Man muss sein Herz an etwas hängen, das es verlohnt“ durch Bernd F. Lunkewitz. Das weckt die Neugierde, das Werk Ulmers zu lesen.
    Störend – wie so oft – sind aber die zahlreichen Formalfehler (Rechtschreibung, Zeichensetzung, Grammatik), die sowohl Verständnis wie auch Lesefluss stören. Wenn die Digitalisierung derartige Entgleisungen zeitigen, sollte man sie doch gründlich überdenken.
    Oder eben aufmerksamer schreiben, redigieren, korrigieren!

    • Sehr geehrter Herr Klug.
      Der Grund dafür ist die Eile. Hier ein Textausschnitt aus meiner Geschichte des Aufbau-Verlages, in dem bis zur Wende die meisten Lektoren nur zwei bis drei Bücher im Jahr betreuten:
      „Es gab mehrere Korrekturgänge für die ca. 200 neuen Titel, die das Korrektorat des Verlages jährlich durchliefen: das vom Autor abgelieferte Manuskript wurde vom Lektor und vom Korrektorat des Verlages gründlich geprüft. Der Zeitaufwand der sieben eigenen und etwa 20 freiberuflichen Korrektoren für ein übliches Buch (25 Bogen zu jeweils 16 Seiten) wurde mit fast 220 Arbeitsstunden bzw. 26 Arbeitstagen pro Titel berechnet (allein die 1. und 2. Lesung jeweils 85 Arbeitsstunden). In der Setzerei wurden dann die Textkorrekturen gründlich ausgeführt. Nach dieser Hauskorrektur in der Setzerei erfolgte ein erneutes Gegenlesen des Verlages und des Autors, dann erst die Imprimatur und in manchen Fällen nochmal eine Schlusskorrektur. “
      (Der Aufbau-Verlag und die kriminelle Vereinigung. S. 206)

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