Auszeichnungen Dorothee Elmiger freut sich auf ihr Jahr als 48. Stadtschreiberin

Gestern fand in Frankfurt ein Pressegespräch mit Charlotte Brombach (links), Bürgerjurorin im Gremium zur Wahl des Stadtschreibers von Bergen-Enkheim, und der künftigen Amtsinhaberin Dorothee Elmiger statt. Die Autorin war am Vortag aus Zürich angereist, glücklicherweise blieb sie vom Bahnstreik unbehelligt.

Brombach stellte zunächst das Programm zum Stadtschreiberfest am Abend des 3. September vor: „Wie im vergangenen Jahr wird es coronabedingt kein Zelt geben, die Veranstaltung findet im Freien statt.“ Zwar sei der Platz der gleiche, nämlich der Markt im Frankfurter Stadtteil Bergen-Enkheim, aber die Besucherzahl sei begrenzt, eine Anmeldung erforderlich. „Es ist uns wichtig, den Charakter des Festes zu erhalten“, unterstrich die Jurorin. Deshalb werde es neben den Grußworten auch wie gewohnt die Abschiedsrede der Stadtschreiberin Anne Weber geben und nach einer Laudatio, die sich Dorothee Elmiger von ihrem Schweizer Kollegen Christian Uetz wünschen konnte, die Antrittsrede der neuen Amtsinhaberin. Während in Zeiten vor der Pandemie langfristig geplant Rednerinnen und Redner ihre Themen frei wählen konnten, sei das nun nicht mehr möglich – flexible Reaktionen auf kurzfristige Änderungen erfordern neue Strategien.

Die Nachricht von der Preisverleihung erhielt Dorothee Elmiger übrigens telefonisch auf einem Nachhauseweg. Jurymitglied und Landsmann Peter Weber rief an. „Ich bin erstmal erschrocken, denn der Preis betrifft ja ein ganzes Jahr, und habe mir Bedenkzeit bis zum nächsten Morgen erbeten“, bekannte Elmiger. Schließlich gab es schon einige geplante Veranstaltungen. Am nächsten Morgen war klar: Die Autorin nahm den Preis an und bedankte sich.

Der Stadtteil Bergen-Enkheim ist für die in Zürich lebende Schriftstellerin nicht völlig neu, bereits 2017 waren sie und Roman Ehrlich vom damaligen Stadtschreiber Sherko Fatah eingeladen worden. Sie war mit Fatah spazieren gegangen, hatte sogar das Stadtschreiberhaus („aber nur von außen“) gesehen.

Nun kommt sie ohne große Pläne, aber mit großer Neugier nach Bergen-Enkheim: „Schreiben kann ich nicht planen“, erläuterte sie, „aber es hat sehr viel mit Neugier zu tun.“ Den mit 20.000 Euro dotierten Preis, der den einjährigen Aufenthalt im Stadtschreiberhaus An der Oberpforte einschließt, betrachtet Elmiger als „großes Geschenk“, denn man muss für diesen Preis nichts vorlegen oder einreichen. Und man wird nicht gezwungen, ständig vor Ort zu sein und möglichst viele Lesungen zu halten. Nichts muss, alles kann – so lautet die Philosophie des Literaturpreises, der 1974 vom in Bergen beheimateten Schriftsteller Franz Joseph Schneider initiiert wurde.

Vor dem Pressegespräch hatte Dorothee Elmiger Gelegenheit, ein bisschen durch Frankfurt zu schlendern. „Mir fiel ein, dass ich während meiner Zeit in Bergen-Enkheim ins Theater gehen könnte, je nachdem, wie die Bedingungen sind. Ich kenne Frankfurt aus den Büchern von Jörg Fauser und Peter Kurzeck, und ich kenne die Neue Frankfurter Schule. Nun muss ich die Landschaften aus den Büchern mit der Stadt abgleichen. Ich bin eine große Spaziergängerin“, sagte Elmiger.

Nach Unterschieden zwischen der Schweizer und der deutschen Literaturszene befragt, antwortete die Autorin, dass es im Alpenland aufgrund der Größe eher eine familiäre Szene gebe. In Deutschland sei die Szene vielschichtiger, es kommt auch ein junges, literaturaffines Publikum zu den Veranstaltungen. Elmiger selbst habe in Deutschland eher Kontakt zu gleichaltrigen Autorinnen und Autoren. Allerdings werde die Literatur in der Schweiz stärker unterstützt als in Deutschland.

Charlotte Brombach hatte die druckfrische zweite Ausgabe der Stadtschreiberei mitgebracht, die unter dem Subtitel Von Anne Weber zur Dorothee Elmiger Reden, Chats und ein Doppelinterview mit beiden Autorinnen enthält und in der Verlagsbuchhandlung Bergen erlesen erschienen und ab sofort erhältlich ist.

JF

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