Mit einem Ausblick auf die Herbstprogramme der Kinder- und Jugendbuchverlage und vielen Fotos Ein Bologna-Bericht, trotzdem

In diesem Jahr ist alles anders. Eigentlich hätte sich am vergangenen Sonntag Abend ein Großteil der deutschsprachigen Kinder- und Jugendbuchszene beim Empfang der Arbeitsgemeinschaft von Jugendbuchverlagen oder anderswo in Bologna getroffen und angestoßen auf eine erfolgreiche Internationale Kinderbuchmesse. Die hätte am Montag begonnen und wäre gestern zu Ende gegangen. Wir alle wissen, dass sie ausgefallen ist, und wenn sie nun, wie von der Messeleitung angekündigt, ab dem 4. Mai ins Netz verlagert wird, ist das nun mal ganz und gar nicht vergleichbar mit der persönlichen Begegnung – ob tagsüber in den charmanten Zweckbauten auf dem Messegelände oder abends in der Kulisse einer wunderschönen Stadt.

Deshalb fällt dieser alternative Messebericht anders aus als sonst. Aber es war uns wichtig, ihn trotzdem zusammenzustellen. Denn die Verlage werden auch im Herbst einiges zu bieten haben, das dem Buchhandel Umsätze bringen kann. Wir danken allen, die uns – größten Teils aus dem Home-Office – ihre Highlights verraten haben und ihre Überlegungen, wie es weitergehen wird. Denn natürlich sind die Gedanken im Hier und Jetzt, gibt es so vieles zu organisieren. Umso schöner festzustellen, dass mit einem Grundoptimismus weitergearbeitet wird und das Schwärmen über Kinder- und Jugendbücher nicht verklingt. Wir zitieren weiter unten. Mögen viele Familien in diesen Wochen den Zauber des Vorlesens und Lesens (wieder)entdecken. Es warten noch viele gute Geschichten auf sie.

Doch bevor die GestalterInnen der deutschsprachigen Programme zu Wort kommen, möchten wir einen kurzen Gruß aus Bologna voranstellen. Emma Lidia Squillari ist Illustratorin. Sie lebt in Bologna, und wer die Messe in den vergangenen Jahren besucht hat, kennt sie vielleicht als eine der immer gut gelaunten und kompetenten Hilfen am Deutschen Gemeinschaftsstand. Auf Deutsch ist 2018 ihr Bilderbuch Alle in den Garten! bei atlantis erschienen. Wir wollten wissen, wie es ihr geht.

Ein Arbeitstisch in Bologna
Ein Schreibtisch in Bologna

BuchMarkt: Wie sieht es im Moment in Bologna aus? Wie ist die Lage?

Emma Lidia Squillari: Bologna ist leer. Ich lebe seit neun Jahren hier, aber ich habe die Stadt noch nie so gesehen. Man sieht es in den Fotos von Menschen rund um die Welt: Straßen, Plätze, Parks gespenstisch leer. Ich denke, dass alle dieses Gefühl von Verlust und Traurigkeit nachempfinden können, das mich jedes Mal befällt, wenn ich aus der Wohnung gehe. Während der vergangenen Wochen verfolgten wir gespannt die Nachrichten, wir warteten und hofften, dass die berühmte „Kurve abflachen“ würde, das ganze Land in banger Erwartung der Sechs-Uhr-Nachrichten und der Bekanntgabe der tagesaktuellen Zahlen. Opfer, neu Erkrankte, Geheilte. Hoffentlich sind wir über den Berg und dürfen bald in den normalen Alltag zurückkehren.

Wie geht es dir?

Ich werde nicht so tun, als wäre es nicht schwierig! Zunächst dachte ich, dass mich die Quarantäne nicht so belasten würde, da ich ja immer und gerne von Zuhause aus arbeite. Aber es ist ein Kraftakt, die nötige Motivation, Energie und Konzentration zu finden, um jeden Tag produktiv zu sein. So geht es auch meinen Freunden und Kollegen, mit denen ich gesprochen habe. Ich habe mir kleine Ziele gesetzt und versucht, so oft wie möglich „glücklich zu sein“, und ich habe mich vom Gedanken verabschiedet, die meiste Zeit des Tages mit Zeichnen verbringen zu müssen, wie ich es normalerweise tue. Ich habe beschlossen, den größten Teil meiner Zeit aufs Lesen von Büchern zu verwenden, für die mir sonst die Zeit fehlt, und auch aufs Teetrinken, Kuchen-, Pizza- und Brotbacken. Vielleicht habe ich es beim Backen ein wenig übertrieben. Nun sind wir in der dritten Woche der Quarantäne, ich beginne mich an die Situation zu gewöhnen und ich bin glücklich, sagen zu können, dass ich einen Teil meiner Inspiration wiedergefunden habe. Das ist wunderbar!

Was wünschst du dir für dich selbst und für die Messebesucherinnen und -besucher, die zu Hause bleiben mussten?

Ich wünsche mir mehr von diesen stillen, besinnlichen Tagen und auch, dass sie diese herausfordernden Zeiten überdauern. (Nicht jeder Tag ist so leicht wie dieser, an dem ich diese Zeilen schreibe, und so möchte ich mich auf dieses Gefühl konzentrieren und es bewahren.)

Es brach mir das Herz, als die Buchmesse abgesagt wurde, diese Tage gehören für mich zu den besten des Jahres. Die ganze Stadt strahlt Glück und Inspiration aus, liebe Freunde und Kollegen kommen von überall her zu diesem großen, schönen Fest der Illustration und der Kinderliteratur. Was ich hoffe und uns allen wünsche: Dass alle sicher durch diese außerordentliche Zeit kommen und dass wir uns nächstes Jahr an der Bologna Buchmesse 2021 wiedersehen. Möge es die wunderbarste überhaupt werden.

Danke, und alles Gute, liebe Emma Lidia! (Und Dank an Karl Rühmann für die Übersetzung aus dem Englischen.)

Wer sich die Arbeiten von Emma Lidia ansehen möchte – was wir empfehlen – kann das auf Instagram tun.

Schauen wir nun, was die deutschsprachigen Herbstprogramme zu bieten haben (einen Überblick über die Frühjahrsproduktion finden Sie in der März-Ausgabe von BuchMarkt). Es kann wie in jedem Jahr nur ein kleiner Ausschnitt gezeigt werden, wir können hier gern ergänzen … Die Herzensbücher der Programm-MacherInnen sind die folgenden:

Bilderbuch: Einstein, Schafe mit Haltung – und: Engel!

Herwig Bitsche, Verleger NordSüd: „Mein Herzensbuch hat den einprägsamen Titel: Einstein. Was es zu einem besonderen Buch macht, ist sein Erfinder, Autor und Illustrator: Torben Kuhlmann. Es wird das vierte Abenteuer einer wissbegierigen Maus. Und wieder wird es eine Reise! Diesmal allerdings eine Reise, wie sie die Menschheit noch nicht geschafft hat, nämlich durch Raum und Zeit. Wie und wo sie dabei auf den Erfinder der Relativitätstheorie trifft, wird noch nicht verraten. Aber ich kann jetzt schon versprechen: Es ist das größte Abenteuer, das je eine Maus erlebt hat – ganz zu schweigen von den Menschen.“

Monika Bilstein, Geschäftsführerin Peter Hammer Verlag: „Ein ganz besonderes Buch wird erscheinen, das sich zwischen Kunst- und Geschenkbuch bewegt. Leonard Erlbruch, mit dem wir ja schon verschiedene Kinderbücher gemacht haben, hat seit 1993 seiner Mutter zu jedem Geburtstag und Weihnachtsfest einen Engel geschenkt. In ganz unterschiedlichen Techniken sind sie entstanden und zu einer wunderbaren Sammlung geflügelter Figuren und höchst originellem Ausdruck schöpferischer Kraft geworden. Da finden sich neben Menschen allerhand Tiere, – Bären, Pferde, Hunde, Nashörner, allen sind Flügel gewachsen, wie auch der Robbe, die auf dem Titelbild zu sehen ist. Ich wünsch mir einen Engel wird ein grandioses, sehr persönliches Buch, das mir sehr am Herzen liegt.  Andreas Platthaus hat einen wunderbaren Text dazu geschrieben.“

Monika Osberghaus, Verlegerin Klett Kinderbuch: „Herzensbuchiger geht es nicht: Das Bilderbuchprojekt von Hans-Christian Schmidt und Andreas Német wurde mir vor etwa einem Jahr schon gezeigt und ich hatte mich schweren Herzens erstmal dagegen entschieden. Als aber die Lage der Flüchtlingskinder auf Lesbos immer härter wurde, musste ich immer wieder daran denken. Also haben wir kurzentschlossen entschieden, es nun doch herauszubringen, weil es einfach wichtig ist und weil wir uns unbedingt wachhalten müssen für diese Not. Noch dazu ist es toll geschrieben und anrührend gezeichnet. Es heißt Eine Wiese für alle und erzählt in Form einer einfachen und zu einer persönlichen Haltung herausfordernden Schäfchen-Parabel von der Hilfe für Geflüchtete. Das Besondere an dem Buch ist, dass jeder, der es liest, sich – zusammen mit der Schafherde – entscheiden muss: Greife ich ein und helfe ich oder verschließe ich lieber die Augen? Das Besondere an unserer Veröffentlichung ist, dass jeder, der das Buch kauft, damit tatsächlich ganz konkret hilft. Denn wir spenden den gesamten Gewinn, den dieses Buch einspielen wird, an Einrichtungen, die sich in Ostdeutschland für eine offene Gesellschaft einsetzen. Die also mit daran arbeiten, dass wir hier nicht die Schafherde sind, die sich abwendet, wenn jemand in Not ist. Wir wollen und werden mit diesem Buch keinen Cent verdienen. Das ist angesichts der jetzigen Situation kühn, aber wir bleiben dabei. Die Autorin Manja Präkels (Als ich mit Hitler Schnapskirschen aß) ist unsere Schirmfrau für diese Spendenaktion. Mit ihrer Hilfe haben wir Initiativen ausgesucht, an die wir die Erlöse weiterreichen. Der erste Empfänger ist das famose ,Kulturbüro Sachsen’ in Dresden.“

Christiane Lawall, Programmleitung Annette Betz (Bilderbuch): „In unserem Herbstprogramm liegt mir der Titel Der Junge und der Gorilla von Jackie Azúa Kramer und Cindy Derby ganz besonders am Herzen. Ich habe ihn auf der letzten Frankfurter Buchmesse entdeckt und beim Lesen auf der Messe sind mir tatsächlich die Tränen gekommen. Ich finde, wenn am Messefreitag, wenn man schon so viel gehört hat und eigentlich gar nichts mehr aufnehmen kann, wenn ein Buch einen dann noch so bewegen kann – das ist wirklich etwas Besonderes. Wir freuen uns schon darauf, in diesem Herbst mit diesem wundervollen Buch ganz viele Menschen ins Herz zu treffen.“ Das Bilderbuch erzähle berührend von Verlust, Trauer und Trost und beantworte Kinderfragen zum Thema Tod ehrlich und feinfühlig.

Claudia Rehm, Pressesprecherin Freies Geistesleben/Urachhaus: „Gerade jetzt, da alles anders ist und mich der Home-Office-Blues gepackt hat, schaffen es die beiden Kanadierinnen Jean E. Pendziwol und Nathalie Dion mit In einem Kirschbaum fand ich Hoffnung, dass ich mich leichter und fröhlicher fühle. Zarte Farben, ein Spiel mit Licht und Schatten und eine poetische Geschichte machen Hoffnung auf bessere Zeiten. Ein Bilderbuch für mehr Poesie im Alltag und mit der Botschaft: Alles wird gut!“

Christine Denk, Lektorat 
Arena: „Mein ganz besonderes Herzensbuch im Herbst ist Die zauberhaften Drei: 
Stefanie Dahle erfindet sich neu mit einem Illustrationsstil, der beinahe magische Sogwirkung entfaltet – mitten hinein in ein zauberhaftes Waldsetting. Dazu eine liebevoll erzählte Geschichte über das Mutigsein mit einem charmanten Tier-Trio. Ein Bilderbuch für Träumer und Abenteurer!“

 

 

Jeannette Hammerschmidt, Programmleitung Loewe Verlag: „Es gibt viele Herzensbücher für mich in unserem Herbstprogramm. Eins davon ist Mein Weihnachtswunsch für dich von Michael Morpurgo. Dieses Bilderbuch vermittelt zeitlose Werte wie Familie und die Verantwortung für unseren Planeten. Einerseits kindgerecht erzählt, berührt die Geschichte andererseits auch erwachsene Vorleser – und könnte ein Klassiker werden. Jim Field hat grandios illustriert. Wir bringen den Titel in unserer Reihe ,Naturkind’, in der wir inhaltlich und produktionstechnisch nachhaltige Bücher für junge Familien machen.“

Bärbel Dorweiler, Verlegerin Thienemann Esslinger (die, wie man unschwer erkennen kann, kein Foto von sich geschickt hat, sondern einen kleinen Film vom neuen Walking Act, dem kleinen Siebenschläfer): „Bei Thienemann freue ich mich auf den 60. Geburtstag von Jim Knopf, auf den Start des zweiten Jim Knopf-Filmes und auf das zweite Kleine Hexe-Bilderbuch mit Bildern von Daniel Napp. Wir feiern außerdem 20 Jahre Krokodil und Giraffe von Daniela Kulot – mit einem neuen Bilderbuch – und haben einen Sammelband mit Dr. Brumms Abenteuern im Programm. Bei Esslinger sind da drei Pappen mit einem ganz besonderen Effekt: Wenn man einen Sensor anpustet – das können auch schon die Zweijährigen! – leuchten vier Lichter. In der kleinen Reihe ‚Mein Puste-Licht-Buch‘ gibt es eine Pappe zum Thema Einschlafen, eine zum Thema Trösten und eine zum Thema Weihnachten. Und bei Aladin haben wir zwei wunderbare neue Bücher, in denen man die Bilder wirklich lesen muss: das in Kanada und Amerika viel gepriesene neue Bilderbuch von Sydney Smith, Unsichtbar in der großen Stadt und das Erstlingswerk und zugleich der große Wurf des flämischen Illustrators Peter Van den Ende, Treiben lassen: die Odyssee eines kleinen Papierschiffchens und seines Skippers über die Ozeane, voller Begegnungen mit wunderbaren Meereswesen, auf 96 Seiten in sensationell detailreichen und kunstvollen schwarz-weiß Bildern erzählt. “

Annabel Lammers, Programmleitung Bohem (hier im Home-Office mit Tochter Alva): „Herzensbücher sind in dieser Saison gleich drei Arbeiten, denn es sind alles Bücher, die an Hochschulen entstanden sind, und nun ihren Weg zu den Lesern finden: Pixies, Trolle und Waldwesen aus aller WeltMemphis & Emil schwimmen! und You don´t look gay“

Kinderbuch: Rico und Oskar sind wieder da, Frau Teetee hilft allen – und Nils Mohl dichtet

Renate Herre, Verlegerin Carlsen Verlag: „Im Oktober erscheint ein fünfter Rico und Oskar-Band von Andreas Steinhöfel, Rico, Oskar und das Mistverständnis, natürlich wieder mit Bildern von Peter Schössow. Krach zwischen allerbesten Freunden – ein Drama. Aber Rico und Oskar lösen das auf ihre warmherzige, humorvolle und einmalige Art und Weise. Ein Mistverständniseben … Ich freue mich so unglaublich auf dieses Buch, denn es wird den Kinderalltag um viele Facetten reicher machen. Und den aller erwachsenen Fans der beiden ungleichen Freunde auch.“

Nicola Dröge, Programmleitung Kinder- und Jugendbuch Coppenrath: „Manche Bücher gehen einen eher ungewöhnlichen Weg, bevor sie in den Regalen der Buchhandlungen landen.  Memento Monstrum begann als Kickstarter-Projekt der Illustratorin Wiebke Rauers. Als sie es uns zeigte, gab es nur die Illustrationen, die bekannte und unbekannte Monster in einem Fotoalbum zeigte. Und die Idee, dass der unsterbliche Vampir von seinen mittlerweile verstorbenen Monsterfreunden erzählt. Wir waren sofort begeistert! Das perfekte Buch für unseren Verlag – ,Coppenrath-like‘, wie wir gern sagen. Und tatsächlich ist es genau das geworden: ein echter Schatz in unserm Programm! Die Gestaltung ist großartig, Jochen Till hat den originellen Charakteren eine witzige Geschichte verpasst und die beiden besten Monster gibt es als Plüschfiguren in der Spiegelburg.“

Frank Kühne, Programmleiter Marken Carlsen: „Ich empfehle das Vorlesebuch für Kinder ab fünf Jahren Mopsa – eine Maus kommt ganz groß raus von Charlotte Habersack (die mit den Reihen Pippa Pepperkorn und Bitte nicht öffnen! bereits im Carlsen-Programm vertreten ist): „Für Kleine ist es oft nicht leicht, sich gegenüber Großen zu behaupten. Die kleine Maus Mopsa ist wütend auf Mäusekönig Tartar, weil der sie und ihre Familie schlecht behandelt, wie ein echter ,Mausbeuter‘. Dabei möchte Mopsa lieber auf der Bühne im Theater auftreten. Wie es Mopsa gelingt, in einem turbulenten und humorvollen Abenteuer immer ihrem Traum treu zu bleiben und sich durchzusetzen, davon erzählt wunderbar Charlotte Habersack. Mein Lieblingsbuch in diesem Herbst.“

Iris Prael, Programmleiterin Kinder- und Jugendliteratur Ravensburger Buchverlag: „Ein echter Seelenwärmer ist für mich Lillys magische Schuhe (ET: Oktober) von Usch Luhn, unsere neue Serie ab acht Jahren, die im Oktober erscheint. Denn Freunde wie die furchtlose Lilly, die weise Schildkröte Frau Wu und den Hausdrachen Monsieur Archibald könnten wir jetzt alle gut gebrauchen: Die Zauberschuhe aus ihrer geheimen Werkstatt machen uns schneller, mutiger und stärker – egal welches Abenteuer uns bevorsteht.“

 

Emily Huggins, Programmleitung Kinder- und Jugendbuch Ueberreuter (im Home-Office mit Unterstützung von Katze Daisy, schnurr …): „Ein packend erzählter Abenteuerroman für alle ab elf Jahren: Doggerland, die versunkene Welt von Daniel Bleckmann führt uns in die Steinzeit zum Atlantis der Nordsee – einer Insel, die es wirklich gab, bis sie vor 8000 Jahren im Meer versank! Unglaublich faszinierend bei der Entwicklung dieses Stoffs waren nicht nur die verblüffenden historischen Fakten und ihre Parallelen zu heute, sondern auch die Überlegungen dazu, wie sich ein Steinzeitjunge wohl das Wetter erklärt hat, ob es Begriffe wie ,rechts‘ und ,links‘ gab und was eine Behinderung für das damalige Leben bedeutete.“

Stefanie Letschert, Programmleitung Kinderbuch Arena:Thomas Thiemeyers WorldRunner-Dilogie  ist hochspannend, realitätsnah und entführt uns dahin, wo wir gerade am liebsten wären: vor die Tür. 
Es riecht nach frischer Luft, nach Freiheit, nach Abenteuer. Dabei geizt der Autor gleichzeitig aber auch nicht damit, unsere Entdeckerträume infrage zu stellen. Und auch das ist hochbrisant und aktuell. Thomas Thiemeyer wie ihn seine Fans lieben.“

 

 

 

 

Anette Beckmann, Verlegerin Tulipan Verlag: „Natürlich ist jedes unserer Bücher ein Herzensbuch. Besonders hervorheben möchte ich den Roman Parole Teetee von der großartigen Antje Herden! Es ist ein Kinderkrimi ab neun Jahren mit Potenzial zum Weiterdenken und der Mut macht, sich für andere einzusetzen.

Es geht um die nette alte Dame Teetee. Sie ist etwas sonderlich aber sie gehört in das Viertel wie der kleine Laden von Herrn Mansur. Auf einmal ist Teetee verschwunden! Die Erwachsenen scheint das wenig zu kümmern, aber die Kinder der Klasse 4a fangen an, sich Sorgen zu machen. Teetee hört immer allen zu, und sie hat sogar eine magische Handtasche, aus der sie immer genau das zieht, was jemand gerade braucht. Und braucht nicht immer jemand irgendetwas? Benötigt nicht jedes Viertel jemanden, der für alle da ist? Die Kinder begeben sich mit detektivischem Gespür auf die Suche …

Gerade in Zeiten finanzieller Unsicherheit, die die aktuelle Krise auch nach sich ziehen wird, ist soziales, hilfsbereites Handeln wichtiger denn je und Kinder haben dafür oft ein besseres Gespür als Erwachsene. Auf die Frage ,Was hat dich zu Parole Teetee inspiriert?‘ hat Antje Herden diese Antwort: ,Die Situation in Deutschland spitzt sich zu. Der Diskurs verhandelt Flüchtende und Rechtsruck, Missgunst, Angst und Hass. Ich wollte aufzeigen, wie Gesellschaft meiner Meinung nach nur funktionieren kann. Im Miteinander und im Zusammenhalt. Füreinander da sein, sich helfen, Freundschaft, Liebe. Wenn Kindern das nicht selbstverständlich ist, wie sollen es Erwachsene lernen? Verborgen in einem Kinderkrimi möchte ich genau das vermitteln. Ohne erhobenen Zeigefinger, subtil und spannend verpackt.‘ Das Cover und die Innenillustrationen kommen von Maja Bohn.“

Theresa Scholz, Leitung Kinder- und Jugendbuchprogramm Knesebeck: Das ist ganz klar Homer Pym von den Bestsellerautorinnen Anne Plichota und Cendrine Wolf (Oksa Pollock). Wir haben den Titel im letzten Jahr in Bologna angeboten bekommen und so schnell wie noch nie verschlungen und entschieden, dass wir ihn unbedingt im Programm haben wollen. Es ist die Geschichte des Jungen Homer, der sich auf die Suche nach seinem Vater macht. Dieser ist vor ein paar Jahren beim Dreh in seinem eigenen Film verschwunden. Bereits eine Woche nach Bologna haben wir unser erstes Angebot abgegeben – das war damals noch Tatjana Kröll – und den Zuschlag bekommen. Wenn das nicht eines der schnellsten Angebote in unserer Verlagsgeschichte war! Homer Pym und der Junge aus dem Film erscheint am 25. Juni bei Knesebeck.“

 

Lena Frenzel, Leitung deutschsprachiges Programm, Mixtvision: „Mein persönliches Herzensprojekt im kommenden Programm ist ganz klar das fantastische Lyrik-Duo von Nils Mohl könig der kinder und tänze der untertanen.  Wer immer noch glaubt, dass mit Lyrik kein Blumentopf zu gewinnen sei, der irrt. Denn der bereits mit dem Jugendliteraturpreis ausgezeichnete Autor hat knallwache und wahnsinnig moderne Texte verfasst – einmal für Kleine und einmal für Große. Poesie für alle eben! Bebildert werden die beiden Bücher von der genialen Comic-Zeichnerin Katharina Greve. Was für ein Glücksfall, dass diese beiden Künstler gemeinsam die Schulbank gedrückt haben und sich nun bei diesem Doppelpack so hervorragend ergänzen.“

Jugendbuch: „Reckles 4“, eine Neuübersetzung von „Little Women“ – und „Uns gehört die Welt“

Hildegard Gärtner, Geschäftsführerin Jungbrunnen: „Mein Herzensbuch in unserem Herbstprogramm ist Tok-Tok im Eulengrund von Albert Wendt. Es ist eine Roman über drei Wissenschaftlerinnen, die ein großes Geheimnis hüten. Ihre Forschungen finden im Verborgenen statt, im Eulengrund, und sie müssen zu allerlei Täuschungsmanövern greifen, damit sie nicht entdeckt werden. Was alles vorgetäuscht wird und wie das geschieht, ist kunstvoll und vielschichtig miteinander verwoben und löst sich erst am Ende. Dann aber entsteht ein stimmiges und überraschendes Gesamtbild. Mich fasziniert, wie plötzlich all die im ganzen Text verstreuten Hinweise wie Puzzleteilchen ineinanderpassen. Dazu kommen Albert Wendts sprachliche Meisterschaft, Witz, Situationskomik und Anklänge an Shakespeare’s Sturm, die dazu beitragen, dass das Buch ein wunderbares Lesevergnügen wird.“

Christiane Steen, Programmleitung rotfuchs: „Mein absoluter Lieblingstitel im Herbstprogramm ist BEING YOUNG – Uns gehört die Welt von der norwegischen Autorin Linn Skåber, übersetzt von Gabriele Haefs. ET Oktober 2020. Linn Skåber ist eine bekannte norwegische Schauspielerin, Comedian und Autorin, die fürs Theater und fürs Fernsehen schreibt. Für dieses Buch hat sie Teenager zu ihrem Leben befragt:Wie fühlt man sich heute als junger Mensch? Was ist das Beste an dieser Zeit zwischen Kindheit und Erwachsensein – und was das Schlimmste? Wovor hast du Angst, was macht dich froh? Wie siehst du deine Eltern? Und was ist dein größter Traum?

Aus den Interviews hat Linn Skåber wunderschöne literarische Texte geschrieben – manche wirken wie ein Gedicht, manche wie ein Tagebucheintrag, manche wie ein Monolog – und eine Anthologie zusammengestellt, in der die wunderbar-schreckliche Zeit der Pubertät auf eindringliche und tief berührende Weise eingefangen wird.

Jedes Kapitel enthält eine Illustration – vielleicht sollte man eher sagen: ein Gemälde. Denn die Bilder von Lisa Aisato sind so traumhaft schön, dass man sie sich allesamt an die Wand hängen möchte. Einen kleinen Eindruck davon bekommt man auf unserem Cover, das wir wie eine Collage aus Teilen dieser Illustrationen gestaltet haben. Und noch etwas macht dieses Buch besonders – oder besonders aktuell: Wir haben Autorin und Illustratorin gebeten, ein weiteres Kapitel und eine Illustration zur Corona-Krise zu liefern. Und das haben die beiden in wenigen Tagen getan. Es heißt: ,Im Frühling komme ich vielleicht zurück’.

Der Titel war in Norwegen ein großer Erfolg – er stand wochenlang auf der Bestsellerliste und hat sich allein in Norwegen über 80.000 Mal verkauft. Er bekam den Riksmaalsociety Kinder- und Jugendbuchpreis 2018 und war nominiert für den Booksellers Award 2018 sowie den renommierten Jugendbuchpreis Uprisen 2019.“

Julia Bielenberg, Geschäftsführerin Verlagsgruppe Oetinger: „Ganz besonders freue ich mich auf ein neues Abenteuer aus der Spiegelwelt. Im Oktober wird der vierte Band der Reckless-Reihe von Cornelia Funke erscheinen: Auf silberner Fährte. Cornelia Funke nimmt uns mit auf eine weitere fantastische magische Reise hinter die Spiegel. Diesmal begleiten wir die Brüder Jacob und Will Reckless und natürlich die Gestaltwandlerin Fuchs u.a. nach Japan, Persien und in die Südstaaten Amerikas. Die Mythologie und Märchenwelt Japans und Persiens ist einzigartig und wunderbar eingeflochten in die spannende Geschichte, die auf jeder Seite mitreißt und überrascht, und die bildgewaltige Sprache von Cornelia Funke verzaubert mich einfach immer wieder.“

Nikoletta Enzmann, Programmleitung Jugendbuch und TB Arena: „Das neue Werk „Wenn die Nebel flüstern erwacht mein Herz“ von Kathrin Lange. Unglaublich gut! 
Ein Mädchen zerrissen zwischen zwei Brüdern – mit der emotionalen Sprengkraft einer klassischen Tragödie, wortstark in den Dialogen und ungeheuer dramatisch, nicht nur durch die Kulisse, sondern über sehr sorgfältig ausgearbeitete Charaktere, die zum Mitfiebern gemacht sind.“

 

 

 

 

 

Anne Bender, Programmleitung Carlsen: Für Anne Bender ist Girl running, boy falling eines der wichtigen Bücher im Herbst, weshalb der Titel neben City Spies von James Ponti, einer neuen Agenten-Serie für Leser*innen ab 12 Jahren als Leseexemplar erscheint. Im Coming of Age-Roman der jungen australischen Autorin (und Buchhändlerin) Kate Gordon geht es um die sechzehnjährige Therese, deren bester Freund sich vollkommen unerwartet das Leben nimmt. Wie Therese, die versucht, den Verlust total zu verdrängen, mit Hilfe ihrer Freunde von ganz unten wieder zurück ins Leben findet, erzählt die Autorin in einem ganz besonderen Ton, der uns die Figuren so nahe bringt, dass wir ihnen beim Leben über die Schulter und in die Seele schauen.

Edmund Jacoby, Verleger Jacoby & Stuart: „Mein Herzensbuch ist Das kostbarste aller Güter von Jean-Claude Grumberg, großartig illustriert von Ulrike Möltgen. Eine Beschwörung des Lebens und der Liebe vor dem Hintergrund des Grauens. Große Literatur eines der (zu Hause) bekanntesten Schriftsteller Frankreichs.“

 

 

 

Leona Pfeiffer, Lektorin Arctic:Meine Augen sind hier oben von Laura Zimmermann ist mein absolutes Herzensbuch, weil es das Potenzial hat, vielen jungen Mädchen Mut zu machen. Denn obwohl die 15-jährige Greer aufgrund ihrer großen Brüste sehr mit sich und der Welt hadert, findet sie schließlich doch den Weg aus dem Versteck ihres übergroßen Pullovers ins reale Leben. Vom ersten Moment an war ich tief beeindruckt und gerührt von dieser Geschichte, die wichtige und brisante Themen wie Sexismus, Feminismus und Selbstliebe auf eine Art und Weise in den Blick nimmt, wie kein Jugendbuch zuvor: urkomisch und herzzerreißend ehrlich.“

Neele Bösche, Programmleiterin WooW Books: „Mein Herzensbuch ist unser Spitzentitel Bubble. Die magische Kugel. Darin erzählt die norwegische Autorin Siri Pettersen auf lustige, kluge und sehr originelle Weise vom Erwachsenwerden. Wie die meisten Teenager wünscht sich die 13-jährige Kine nichts sehnlicher als von allen in Ruhe gelassen zu werden. Und dieser Wunsch geht tatsächlich in Erfüllung. Kine findet eine magische Kugel, die der Schlüssel zur Freiheit zu sein scheint, denn außer ihr gelangt niemand in die Kugel hinein. Endlich kann Kine der nervigen Welt entkommen – aber ist es wirklich das, was sie will? Bubble ist aktueller denn je: Fühlen wir uns nicht gerade alle ein bisschen wie in einer Kugel?“

Katharina Diehl, Programmleitung Atrium Kinderbuch: „Bei uns erscheint die Neuausgabe eines Klassikers, der gerade in aller Munde ist: Little Women. Die wunderbare Greta Gerwig hat den Klassiker mit einer Topbesetzung neu verfilmt und damit gezeigt, dass der Stoff auch noch heute, 150 Jahre nach Erscheinen, erstaunlich aktuell ist. In Deutschland hat das Buch bisher völlig zu Unrecht zu wenig Aufmerksamkeit bekommen. Das gilt es jetzt zu ändern: mit einer frischen Ausstattung und einer Neuübersetzung von Bettina Münch.“

Sachbuch: Große Flüsse, Nationalparks – und Hexen

Kathy Heyer, Programmleitung Coppenrath (Danke an den Sohn fürs Foto aus dem Home-Office!): „Eines meiner Lieblingsprodukte für die zweite Jahreshälfte ist Mein allererstes Glockenspiel, ein Set aus hochwertigem Holzxylophon mit Schlägeln und Liederbuch in unserer Reihe MiniMusiker. Das Projekt hat uns zwar über Monate ‚Blut, Schweiß und Tränen‘ gekostet, lässt aber schon jetzt unsere Herzen und im Herbst hoffentlich die vieler Kinder höher schlagen!“

Daniela Filthaut, Geschäftsführerin Gerstenberg (das Porträt ist natürlich ein Archivbild …): „Mein Herzensbuch ist Die großen Flüsse der Welt. Martin Haake ist der ,Meister der digitalen Collage‘ – so ist das Thema für ihn wie gemacht und gemeinsam mit dem Autor kann man in seinen Landschaften durch die ganze Welt reisen. Ein wichtiger Titel für unsere Buchhandelskunden und unsere internationalen Verlagspartner.“

 

 

 

 

Heike John, Programmleitung Kindersachbuch und Kinderbeschäftigung arsEdition: „Mein Herzensbuch ist eine Lizenz aus Frankreich: Geheimnisse der Hexen, ein wunderschönes Sachbuch über die geheimen Kräfte und das große Wissen der Hexen: von berühmten Hexen aus allen Zeiten und ihrer Magie, ihrer Kraft und ihren Geheimnissen – hier im Bild in der französischen Version, die ich mit nach Hause genommen habe, und in Ermangelung eines Druckers ohne deutsches Cover. Die dunkle Geschichte der Hexenverfolgung wird genauso geschildert wie die zauberhaften Kräfte und die Wunder, die diese Frauen bewirkten – und es gibt viele praktische Informationen zu Kräuterkunde und Heilsteinen, Amulett und Talisman …

Es war eines der ersten Bücher, die mir in Frankfurt gezeigt wurden, und ich wusste sofort, dass ich es unbedingt einkaufen will. Es ist ein besonderes Buch mit einer besonderen Ausstattung, mit Goldfolie auf dem Cover und einer wunderbaren Gestaltung – passt also sehr gut zu arsEdition. Und ich wusste, dass das Thema ,Hexen‘ aktuell ist – man sieht immer mehr Bücher, Filme, Serien, T-Shirt-Aufdrucke etc. mit Hexen. Wir haben es dann tatsächlich sehr schnell nach der Messe eingekauft und beschlossen, um das Buch herum eine ganze ,Hexen/Zauberer/Grusel‘-Aktion zu stricken – und so wird es jetzt auch im Herbst angeboten. Ich wünsche dem Buch und allen anderen Herbst-Novitäten natürlich trotz alledem einen guten Start in einer hoffentlich wieder funktionierenden Buchhandeslwelt!“

Markus Weber, Verleger Moritz Verlag: „Herzensbücher sind sie alle, aber ein Titel ist darunter, das das Zeug hat, zum Herzensbuch des Sortiments zu werden, stammt er doch von Aleksandra & Daniel Mizielinscy, auf deren neue Projekte viele seit Alle Welt und Unter der Erde/Tief im Wasser ganz besonders gespannt sind. In Auf nach Yellowstone! stellt das Warschauer Grafikerpaar acht Nationalparks auf allen Kontinenten vor und verbindet sie durch eine Comic-Geschichte, deren Protagonisten ein Wisent und ein Eichhörnchen sind. Nationalparks sind zugleich Sehnsuchtsorte wie Schutzräume, sie faszinieren und sie lassen uns empören über den menschlichen Umgang mit der Natur. Ich glaube, dass dieses Buch von einer Jugend, die nicht nur fridays auf der Suche nach future ist, auch wegen seiner Machart ganz besonders gespannt aufgenommen wird.“

Ina Lutterbüse, Teamleitung Wissen moses: „Gemeinsam mit einem tollen Autorenteam (Annett Stütze & Britta Vorbach) und dem BUND bringen wir eine neue Reihe über bedrohte Wildtiere auf den Markt. Der Tenor: Umwelt- und Artenschutz fängt direkt vor unserer Haustür an! Zwei Bände erscheinen voraussichtlich im Juni – zur Wildkatze und zum Steinkauz, mit einzigartigen, großartigen Illustrationen von Bente Schlick.

Die Bücher verbinden eine erzählende Sachgeschichte und ein fotobebildertes Sachbuch. Auf 48 Seiten stellen die Autorinnen berührend, spannend und fast atemlos eine Wildkatze und ihre Jungen bzw. eine junge Steinkauzfamilie vor. Zahlreiche Gefahren müssen überwunden werden! Das echte Leben hält genauso viel Spannung bereit wie ein Fantasyroman. Ein emotionaler Einstieg für Kinder ab acht Jahren in dieses Thema! Anschließend wird auf weiteren 48 Seiten alles zum jeweiligen Tier mit zahlreichen Fotos erklärt und Hintergründe geliefert. Die Arbeit des BUNDs wird vorgestellt und wie wir uns alle engagieren können, um diese Tiere zu schützen!“

Anja Starigk, Lektorin Tessloff: „Mein Hirnstübchen … ist jetzt auf dem Dachbödchen! ,Das Gehirn ist so groß wie eine Grapefruit!‘, steht im Manuskript des Sachbuchs Warum graue Zellen auch mal rosa sind von Prof. Dr. Michael Madeja.  Ach was, tatsächlich, kann das sein!? Moment mal … Eine Grapefruit müsste doch noch unten in der Küche sein. Die hol ich mir mal schnell. Mal sehen … ja, der Vergleich ist wirklich gut! Das gibt gleich einen Lobkommentar für den Autor: ,Ein toller Vergleich, Herr Madeja!‘ Autoren loben, das klappt ja zum Glück auch prima aus dem Home-Office. Und was würden Purki und Pyra nun dazu sagen – unsere beiden quirligen Nervenzellen, die im Buch zu allem etwas zu sagen haben? Hhhmm, naja, irgendwas Nerviges wahrscheinlich … die beiden benehmen sich hier oben auf meinem Dachboden ja leider auch nicht besser als im Verlag. Aber was soll`s? Wir sind ja eh alle zuhause. Da kommt es auf zwei nervige Nervenzellen mehr oder weniger auch nicht an. Warum ich das hier alles mache? Na, weil mir das Gehirn am Herzen liegt! … Da liegt es doch, oder?“

 

Christine Lederer, Redaktionsleitung Kinderbuch Magellan: „Unser Herzensbuch in diesem Programm ist sicherlich Nadine Schuberts Grüne Helden – Ohne Plastik geht es auch. Wir starten im Herbst unser Sachbuchprogramm, das insgesamt sechs Titel umfasst. Grüne Helden ist das Buch, das perfekt zu unserer Verlagsphilosophie passt: Lokal produzieren, ökologische Materialien verwenden und so resourcenschonend wie möglich zu agieren. Nadine Schubert ist mit ihrem Blog Besser Leben ohne Plastik die Vorreiterin der Plastikfrei-Bewegung. In unserem Buch hat sie viel Wissenswertes rund um dieses wichtige Thema für junge Leser ab acht Jahren zusammengefasst. Gespickt mit vielen einfachen und vor allem alltagstauglichen Tipps zeigt sie zielgruppengerecht, wie man im täglichen Leben auch sehr gut ohne Plastik auskommen kann und warum man seine Playmobil-Figuren und Legosteine auf jeden Fall behalten darf. Wir freuen uns sehr auf dieses Buch, weil wir hier unsere Verlagsphilosophie ,Natürlich Magellan‘ auch an unsere Leser, die ,grünen Helden‘ der Zukunft, weitergeben können.“

Stefanie Schweizer, Cheflektorin Bilderbuch Beltz & Gelberg: „Ein Highlight im Herbst wird Wo kommt unser Essen her? von Julia Dürr. Ein großformatiges Sach-Bilderbuch für Kinder ab fünf Jahren, das in vielen wimmeligen Bildern Produktionsprozesse zeigt, industrielle und handwerkliche. Dabei bewertet Dürr nicht – das dürfen dann die jungen Leser selbst tun. Die Autorin hat dafür vor Ort recherchiert, auf einer schwimmenden Fischfangfabrik, einer Tomatenfarm und auch im Schlachtbetrieb. Großartig, wie sie all das in Bildern einfängt. Das Buch wird sicher viele Gespräche in den Familien anregen.“

Wie titelstark wird der Herbst?

Zusätzlich zu den Herzenstiteln wollten wir wissen, welche Auswirkungen die Corona-Krise auf die Herbstprogramme insgesamt nehmen wird. Es wird weniger Titel geben in diesem Jahr, so viel steht fest. Jeder Verlag wägt gerade ab, wie er sich in einer nie da gewesenen Situation verhalten soll. Die Statements im Einzelnen:

Dr. Lambert Scheer, Geschäftsführer Coppenrath: „Die Vorbereitungen zum Herbstprogramm waren bei uns schon ziemlich weit fortgeschritten, als die Corona-Krise über uns hereinbrach. Aber kleinere Anpassungen konnten wir noch vornehmen. Wir haben die Auflagen nun insgesamt etwas vorsichtiger eingeschätzt und auch hier und da einen Titel ins kommende Jahr verschoben, denn in der Herbstsaison wird es noch viel Nachholbedarf aus der Frühjahrssaison geben und die Kapazitäten im Handel, neue Titel aufzunehmen, werden wohl begrenzt sein. Darüber hinaus werden wir die Aussendung unserer Herbstvorschauen flexibler gestalten, je nach Verlauf der Krise. Wir möchten möglichst einen Zeitpunkt treffen, zu dem der Handel auch aufnahmebereit ist für unsere Themen.“

Herwig Bitsche, Verleger NordSüd: „Im Moment gehen wir noch davon aus, dass wir das Herbstprogramm weitgehend so machen können, wie wir es geplant haben. Aber wir haben auch schon ein paar Titel auf das Frühjahr 2021 geschoben. Wir wollen weder den Buchhandel noch uns überfordern.“

Daniela Filthaut, Geschäftsführerin Gerstenberg: „Wir haben acht geplante Projekte sowie einige Nachdrucke verschoben. Die Situation ändert sich jeden Tag, daher ist eine Prognose im Moment schwierig – wir versuchen durchzuhalten.“

Monika Bilstein, Geschäftsführerin Peter Hammer Verlag: „Ich habe das Herbstprogramm um 40 Prozent reduziert, dabei sind zwei kostenträchtige Produktionen, die verschoben werden müssen. Statt zehn Titeln erscheinen nur sechs.“

Hildegard Gärtner, Geschäftsführerin Jungbrunnen: „Auf unser Herbstprogramm hat die aktuelle Situation derzeit keine Auswirkungen, wir produzieren die Titel, die wir geplant haben, weil wir bei unserem ohnehin sehr kleinen Programm nicht noch Titel reduzieren wollen. Es gibt aber viele Unsicherheitsfaktoren, die den Verkauf betreffen: Wie wird die Geschäftssituation nach der Krise sein? Wie werden die Buchhändler*innen das Herbstprogramm einkaufen? Werden Kund*innen Geld für Bücher ausgeben können?“

Monika Osberghaus, Verlegerin Klett Kinderbuch: „Im Moment planen wir alles noch genauso wie vorher. Das Programm ist ja ohnehin immer eher klein, und es kam so, wie es ist, bei den Vertretern sehr gut an. Es kann aber gut sein, dass wir je nach Lage an drei Stellen nachjustieren. Erstens werden wir mit den Auflagenhöhen sehr vorsichtig sein. Zweitens werden wir vielleicht etwas später ausliefern als wie geplant Ende August. Drittens: Wenn die Lage wirklich kritisch bleibt, entscheiden wir kurz vor dem geplanten Druck, zwei der sieben Titel ins nächste Jahr zu verschieben.“

Christiane Steen, Programmleitung rotfuchs: „Das Herbstprogramm steht zum größten Teil so wie geplant – jedenfalls noch. Entscheidungen werden zu den Titeln gefällt, die in den nächsten vier Monaten erscheinen sollten – etwa 40 Prozent der Titel aus dem Frühjahrsprogramm werden verschoben.“

Heike John, Programmleitung Kindersachbuch und Kinderbeschäftigung arsEdition: „Wir bearbeiten die Projekte überwiegend noch ganz normal und halten an Druckabgaben fest, eine Vielzahl der Herbsttitel ist auch schon fertig und in der Produktion. Da die ersten Auslieferungen erst im Juni sind, hoffen wir alle, dass das Leben bis dahin wieder langsam ins normale Fahrwasser kommt. Wenn in ein paar Wochen absehbar ist, dass das nicht der Fall ist, werden wir sicherlich nötige Maßnahmen ergreifen, vielleicht Teilauslieferungen machen oder Titel verschieben. Aber das ist gerade noch nicht absehbar. Außerdem haben wir ja zum Beispiel in der Kinderbeschäftigung, aber auch in den anderen Bereichen des Kinderbuchs, das Glück, dass die Titel teilweise gerade sehr stark nachgefragt werden, um die Kinder zu Hause zu beschäftigen. Das erreicht natürlich nicht die Breite der normalen Verkäufe und Umsätze, hilft aber ein wenig.“

Annabel Lammers, Programmleitung Bohem: „Da das Herbstprogramm weitestgehend steht, werden wir alle Projekte auch weiter vorantreiben. Vielleicht entzerren wir es noch ein wenig und werden Auflagen überdenken. Die persönlich größte Auswirkung ist, dass wir beim Fertigstellen ein wenig mehr zwischen Home-Office und Büro jonglieren müssen.“

Katja Meinecke-Meurer, Geschäftsführerin Tessloff: „Natürlich stehen wir – wie vermutlich alle – vor unzähligen Fragestellungen, die unser Herbstprogramm betreffen. Neben der Sorge um die Gesundheit unserer Autoren und Illustratoren, aber auch der Mitarbeiter, wird es eine große Herausforderung, die eng gesteckten Zeitpläne kreativ und flexibel so zu gestalten, dass wir dennoch die meisten Titel hinbekommen werden. Wir sind mit unseren Druckereien eng im Gespräch, viele Lieferwege und Materialen werden nicht so einfach und in der gleichen Zeit zu bewältigen und beschaffen sein wie sonst. Da wir aber fast ausschließlich in Deutschland produzieren, sind wir diesbezüglich optimistisch. Und die Produktion muss natürlich trotz des fehlenden Umsatzes finanziert werden. Aber auf der anderen Seite motivieren und begeistern uns unsere Herbsttitel! Wir schöpfen sehr viel Kraft daraus, dem Buchhandel im Herbst ein außergewöhnliches und verkaufsstarkes Programm anbieten zu können. Die Titel helfen uns, nach vorn zu schauen. Schon seit Wochen arbeiten wir außerdem an einem neuen, frischen Vorschaukonzept, das wir trotz allem umsetzen werden. Und wir konzipieren derzeit sehr besondere POS-Werbemittel, damit der Handel im Herbst besonders schöne Tische und Schaufenster gestalten und wieder richtig durchstarten kann. Wir glauben fest daran, dass dann wieder in den Buchhandlungen eingekauft werden kann! Und wir glauben auch, dass Kunden das zu schätzen wissen werden.“

Julia Bielenberg, Geschäftsführerin Verlagsgruppe Oetinger: „Wir werden voraussichtlich nicht das gesamte ausstehende Frühjahrsprogramm in den Herbst verschieben, sondern agieren soweit wie möglich flexibel. D.h. dass wir nun erst einmal die Termine der Auslieferung von Ende April auf Anfang Mai verschoben haben. Sollte die bisherige Situation der geschlossenen Buchhandlungen weiterhin anhalten, werden wir Titel in den Herbst und voraussichtlich dann auch bis zu 20 Prozent der Herbsttitel ins darauffolgende Frühjahr verschieben.

Da wir z.Zt. jedoch alle nicht wissen, was in den kommenden zwei Monaten passieren wird, ,fliegen wir auf Sicht’ und agieren so wie es die Situation verlangt. Jetzt grundsätzlich alles zu verschieben macht aus unserer Sicht keinen Sinn. Sollten die Maßnahmen der Bundesregierung Ende April/Anfang Mai gelockert werden, wird es zu einem Run auf Neuerscheinungen kommen und wir benötigen schnell neue Geschichten. Diese dann nicht liefern zu können, wäre schade. Und sollten alle Verlage ihre Programme in den Herbst verlegen, könnte dies zu einem Überangebot führen und Titel untergehen.“

Anuschka Albertz, Geschäftsführerin Ravensburger Buchverlag: „Wir haben aktuelle Marketingmaßnahmen bis Ostern ausgesteuert und mehr auf Online-Kanäle umgelenkt, damit die Online-Shops aller Händler profitieren. Titel mit Erscheinungsterminen Ende April und Mai behalten wir im Auge und entscheiden kurzfristig, ob es Sinn macht, sie zu verschieben. Das Herbstprogramm wird hoffentlich nicht mehr von der flächendeckenden Geschäftsschließung betroffen sein. Sollte sich die Situation ändern, müssen wir auch hier flexibel reagieren.Was die Lieferfähigkeit angeht: Bei einzelnen Titeln aus Fernost kommt es zu Verzögerungen von ungefähr zwei Wochen. Generell ist die Lieferfähigkeit aber weiterhin sehr gut.“

Markus Weber, Verleger Moritz Verlag: „Unser Herbstprogramm wird entweder um zwei oder um vier Titel verkleinert. Dies werde ich zum letztmöglichen Zeitpunkt vor Druck der Vorschau entscheiden. Außerdem werden unsere Novitäten nicht wie gewohnt im Juli oder August, sondern erst im Oktober erscheinen. Als ganz besondere Herausforderung empfinde ich die Auflagenfestlegung, denn die Glaskugel, die hierfür notwendig wäre, ist noch nicht geblasen!“

Christine Lederer, Redaktionsleitung Kinderbuch Magellan: „Wir arbeiten, wie alle, gerade natürlich unter erschwerten Bedingungen an unserem Herbstprogramm. Die Außendiensttagung wird erstmals als Telefonkonferenz und Screen Leap stattfinden. Die Abstimmung ist durch das Home-Office erschwert aber machbar. Natürlich sind auch die Autoren/Autorinnen und die Illustratoren/Illustratorinnen betroffen. Einige müssen nun sowohl Kinderbetreuung als auch Deadlines koordinieren. Das stellt die Kreativen und natürlich auch uns als Verlag vor Herausforderungen und fordert Flexibilität.

Aktuell sind wir besonders froh, unsere Bücher ausschließlich in Deutschland und im nahen europäischen Ausland zu drucken und so unabhängig vom asiatischen Raum agieren zu können. Gerade sieht es so aus, als müssten wir einige Titel verschieben, aber das kann sich natürlich täglich ändern. Da ist es wichtig einen kühlen Kopf zu bewahren, Prioritäten zu setzen und natürlich das wichtigste Ziel nicht aus den Augen zu verlieren: Gesund bleiben!“

Emily Huggins, Programmleitung Kinder- und Jugendbuch Ueberreuter: „Wir arbeiten während der Corona-Krise von zu Hause, aber mit der gleichen Leidenschaft weiter an neuen Stoffen, denn wir brauchen jetzt alle gute Bücher! Unser Herbstprogramm wird wie geplant erscheinen.“

Ina Lutterbüse, Teamleitung Wissen moses: „Wir mussten einige wenige Titel in das nächste Frühjahr schieben, waren aber zum Glück im Wesentlichen mit dem Herbstprogramm schon so weit, dass wir nun hoffen und zuversichtlich sind, dass der Herbst mit neuer Energie vorangeht. Dankbar sind wir für einen fulminanten Frühlingsstart (vor Corona) und so zahlreiche mutmachenden Nachrichten, die uns aus dem Handel erreichen. Wir sind froh über den unermüdlichen Einsatz so vieler Buchhändler!

Alles Weitere können wir erst in ein paar Wochen entscheiden, wenn hoffentlich Licht am Ende des Tunnels zu sehen ist. Bis dahin arbeiten wir weiter mit Herz und Bücherliebe an unseren Produkten und freuen uns darauf, die Kollegen, Autoren und Illustratoren hoffentlich alle in Frankfurt wiederzusehen. Auch Lizenztermine wurden schon diese Woche via Skype abgehalten. Nur halb so schön, aber deutlich sicherer. Nichtsdestotrotz eine Freude, vertraute Gesichter aus allen Ländern zu sehen. Per Email trudeln weitere Lizenz-Novitätenlisten ein. Ein Trend im Kindersachbuch ist schon in den Buchhandlungen ganz klar angekommen und zeigt sich auch weiter im Lizenzgeschäft: das Thema Klima, Umwelt und Natur!

Claudia Rehm, Pressesprecherin Freies Geistesleben/Urachhaus: „Angesichts einiger in diesem Frühjahr zu wenig beachteten Titel soll die Herbstvorschau ein wenig schlanker gehalten werden. Das bedeutet, dass geplante Herbst-Titel ins Frühjahr 2021 verschoben werden.“

Alexandra Schönleben, Geschäftsführerin Arena: „Wir gehen davon aus, dass dem Handel im Sommer das Geld für große Einkäufe fehlen wird. Um den Buchhändlern schnell die notwendige Liquidität in die Ladenkassen zu spülen, bringen wir im Juni daher als erstes unseren Bestseller Seawalkers mit einer großen Aktion als Umsatzzugpferd. Titel, die keine Selbstläufer sind oder die etwas mehr Investitionsbereitschaft des Handels erfordern, haben wir auf September/Oktober 2020 bzw. zum Teil sogar auf das Frühjahr 2021 verschoben. Dafür haben wir im Herbst 2020 Raum gewonnen, um Titel, die im Frühjahr kurz vor oder während der Ladenschließungen erschienen sind, noch einmal wie eine Novität zu bewerben. Somit verschaffen wir den späten Frühjahrstiteln erneut Aufmerksamkeit, damit diese aufgrund der aktuellen Situation nicht untergehen.“

Anette Beckmann, Verlegerin Tulipan: „Zum jetzigen Zeitpunkt ist diese Frage nicht einfach zu beantworten. Als kleiner Kinderbuchverlag mit einem ausgewählten Programm hoffen wir, dass der Bedarf an hochwertiger Kinderliteratur weiterhin besteht und vielleicht sogar noch steigt. So viele Kinder sitzen jetzt zuhause, die Möglichkeit Zeit im Freien zu verbringen ist stark eingeschränkt. Viele Eltern suchen nach Unterstützung, vor allem online. Und da bietet das Netz aktuell wirklich viel. Wir sind begeistert, wie viele unserer Autor*Innen und Illustrator*Innen z.B. live lesen, zum Mitmachen animieren oder kleine Workshops anbieten. Damit bleibt vieles sicht- und hörbar, was enorm wichtig ist.

Aber es wird auch nach guter und anspruchsvoller Unterhaltung jenseits des Online-Angebotes gesucht, und da sehen wir eine Chance im Kinderbuch. Gemeinsames Lesen oder auch das stille Eintauchen in Geschichten wird in dieser Zeit medialer Ablenkungen immer wichtiger. Gerade Kinder im Alter zwischen acht und zwölf Jahren, die allein lesen, haben mit einem Buch die Möglichkeit, sich mal zurückzuziehen.  Denn jetzt, wo zuhause oft alle aufeinander hocken, ist ein Rückzug in eine andere Welt doch enorm wichtig. Wir halten derzeit an unserem Herbstprogramm fest, wie geplant. Wir sind optimistisch, haben unsere Vorschau in den Druck geschickt und sitzen an der Buchproduktion. Wir hoffen trotz allem auf einen starken Herbst und wünschen das der gesamten Branche!“

Lena Frenzel, Leitung deutschsprachiges Programm, Mixtvision: „Wir bei Mixtvision haben unser Herbstprogramm noch einmal ganz genau angeschaut und ein paar Startauflagen und Erscheinungstermine vorsichtig angepasst. Aber grundsätzlich bewahren wir die Ruhe und werden einen Großteil unserer Titel wie geplant im Herbst veröffentlichen.“

Edmund Jacoby, Verleger Jacoby & Stuart: „Wir werden ein paar Novitäten verschieben und ein kompaktes Gesamtprogramm 2020 anbieten.“

Leona Pfeiffer, Lektorin Arctis:„Natürlich hat uns die Krise schwer getroffen und wir mussten aufgrund der aktuellen Lage unsere Programmplanung für den Herbst komplett neu überdenken. Nach aktuellem Stand wird der Großteil unserer Titel aber wie geplant erscheinen.“

Neele Bösche, Programmleiterin WooW Books: „Da fast überall die Buchläden geschlossen wurden, haben wir uns dazu entschieden, einige unserer Herbsttitel ins Frühjahr zu verschieben. Unsere wichtigsten Bücher werden wir aber wie geplant im Herbst veröffentlichen.“

Katharina Diehl, Programmleitung Atrium Kinderbuch: „Die Schließungen der Buchhandlungen treffen uns als Verlag natürlich ebenfalls. Deshalb haben wir entschieden, einen Teil unserer Herbsttitel in das Frühjahr zu verschieben.“

Jeannette Hammerschmidt, Programmleitung Loewe Verlag: „Wir liefern voraussichtlich etwas später aus und schieben Titel aus dem Juni und Juli nach hinten. Den einen oder anderen Titel werden wir auch ins Frühjahr schieben müssen, da die aktuelle Situation dazu führt, dass wir nicht ganz so schnell sind und nicht ganz so viel schaffen wie unter normalen Bedingungen. Es gibt aber auch eine positive Auswirkung: Autorinnen und Autoren können sich derzeit wieder verstärkt ums Wesentliche, nämlich ums Schreiben kümmern.“

Stefanie Schweizer, Cheflektorin Bilderbuch Beltz & Gelberg:„Corona bedingt werden wir das Herbstprogramm der Kinder- und Jugendbuchprogramme der Verlagsgruppe Beltz um einige Novitäten reduzieren. Zum einen wollen wir damit schlichtweg das Volumen, das bewegt werden muss, verringern. Zum andern wissen wir, dass feinsinnige oder themen-spezifische Titel einer Aufmerksamkeit bedürfen, die sie unter den gegebenen Umständen kaum erhalten. Keines dieser schönen Bücher soll verpuffen; wir werden sie punktgenau platzieren, wenn sich die Lage beruhigt hat und die Köpfe der Leser und Leserinnern wieder frei sind und durstig nach Inspiration.“

Theresa Scholz, Leitung Kinder- und Jugendbuchprogramm Knesebeck: „Wie alle Verlage versetzt uns die derzeitige Situation in eine andere, ungeahnte Ausgangslage und damit auch die eingeplanten Titel für den Herbst. Auch wir schauen uns genau an und prüfen, ob die Titel ggf. einen neuen Erscheinungsmonat bekommen – sei es später in diesem Jahr oder gar erst im kommenden Frühjahr. Denn sie alle sollen ja die Bühne erhalten, die sie verdienen. Mit Blick auf nun vorhandene Kapazitäten und Ressourcen wird das Programm in der zweiten Jahreshälfte ein wenig kleiner im Vergleich zu den Vorjahren.“

Was bleibt, erzählen die AutorInnen und IllustratorInnen

Der Astrid Lindgren Memorial Award ging in diesem Jahr übrigens an die Koreanerin Baek Hee Na. Ihr Bilderbuch Wolkenbrot war einer der ersten Titel im Mixtvision Verlag und ist erst im vergangenen Jahr neu aufgelegt worden. Eine Geschichte, die auch in anstrengenden Zeiten die Gedanken zum Fliegen bringt. Prominent präsentiert werden auf der Bologna-Messe auch immer die GewinnerInnen des Bologna Ragazzi Awards. In diesem Jahr gewannen in der Kategorie Fiction Sepideh Sarihi  und Julie Völk mit Meine liebsten Dinge müssen mit (Beltz & Gelberg).

Dass die Titelzahlen in diesem Jahr sinken, wäre das dem dem Handel wohl auch ohne Corona entgegengekommen. Wenn jetzt Titel geschoben werden, kann das für ihre UrheberInnen aber zum Problem werden. Wie kreativ viele von ihnen derzeit mit den Herausforderungen des #stayathome umgehen, lässt sich u.a. auf Instagram und Facebook erleben. Carson Ellis zum Beispiel hat einen „Quarantine Art Club“ gestartet, mit Zeichenaufgaben, die sowohl von ihren KollegInnen als auch von Kindern erfüllt und gepostet werden. Jutta Bauer führt ein „Diary“, in dem sie ihre täglichen Erlebnisse und Gedanken festhält und teilt. Jörg Mühle stellt seine Erlebnisse online (und hat dem Buchhandel zudem ein fabelhaftes Hasenkind mit Mundschutz gezeichnet, das beim Moritz Verlag angefragt werden kann).

Selda M. Soganci zeichnet in ihrem Münsteraner Ladenatelier Wünsche von PassantInnen und hängt sie in ihr Schaufenster. Wer sich ganz analog etwas Kunst nach Hause holen möchte, findet Anregungen in unserer Serie Schöner arbeiten im Home-Office , die wir in den folgenden Tagen noch fortsetzen werden. Es sind die Ideen dieser Kreativen, die ein Lächeln in ungewisse Zeiten bringen. So auch Sybille Hein mit diesem Film:

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„Ich habe solche Sehnsucht nach Menschenaufläufen!“, schreibt sie auf Instagram.  Wer hätte gedacht, dass man zu solch einem Satz einmal leise nicken würde. In großer Zuversicht, dass wir uns im kommenden Jahr wieder live und ohne Schutzmaske in Bologna begegnen und wir anschließend schöne Fotos davon auf buchmarkt.de sehen werden,

Susanna Wengeler

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