Internationales Literaturfestival Berlin Berlin: Elif Shafak eröffnete das Internationale Literaturfestival

Mit einer Rede der regierungskritischen türkischen Schriftstellerin Elif Shafak wurde gestern Abend im gut besuchten Haus der Berliner Festspiele das 17. Internationale Literaturfestival Berlin eröffnet.

Elif Shafak

Festivaldirektor Ulrich Schreiber unterstrich zuvor in seiner Begrüßung den politischen Charakter des Festivals und wies unter anderem auf den „Internationalen Kongress für Demokratie und Freiheit“ hin, der im Rahmen des Festivals mit 120 Gästen stattfindet. Damit wolle man die Hoffnung lancieren, dass es sich lohnt für Demokratie und Freiheit zu kämpfen. „Die Haltung der Selbstgenügsamkeit, die wir viel zu oft von Politikern und Journalisten, aber auch in unserer eigenen Umgebung spüren, muss einer Haltung der Selbstkritik, des Zweifels und der Neugier weichen“, sagte er.

„Derzeit befindet sich nicht nur die EU in einer Krise, sondern der Begriff ‚Demokratie‘ selbst“, Elif Shafak, die mittlerweile in London lebt, gab in ihrer Rede eine Bestandsauf­nahme der politischen Lage in der Türkei und in der Welt. Übersteigerter Nationalismus, Islamismus, Sexismus und autoritäres Denken seien seit Jahren im Aufwind. „Mag sein, dass mancher keinen Zusammenhang zwischen diesen Phänomenen sieht, aber ich halte sie für eng miteinander verwoben“, sagte sie und forderte zu mehr Solidarität auf. „Wir brauchen jetzt dringender denn je Geschichten und Geschichtenerzähler. Geschichten verbinden die Menschen, machen ihr Denken flexibler und helfen, künstliche Grenzen in Form von Religion, Rasse, ethnischer Zugehörigkeit und Nationalität zu überwinden. Die Welt ist ohnehin schon chaotisch, aber ohne Empathie, Fantasie und Zwischentöne wäre sie noch wesentlich düsterer.“

Elif Shafaks Rede wird voraussichtlich in der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung vom 10. September abgedruckt.

Ulrich Schreiber und Christoph Rieger (Programmleiter Internationale Kinder- und Jugendliteratur)

Bereits am Vormittag hatte die amerikanisch-britische Schriftstellerin und ALMA-Preisträ,gerin Meg Rosoff mit einer Rede über den charakterbildenden Wert der Literatur das Festival in der Sparte Internationale Kinder- und Jugendliteratur eröffnet und aus ihrem Buch Oh.Mein.Gott. (aus dem Englischen von Brigitte Jakobeit) gelesen, das bei Fischer KJB erschienen ist. „Stellt euch einen Menschen vor, der nie ein Buch liest. Einen Menschen wie vielleicht den Präsidenten der Vereinigten Staaten. Was macht es mit dem Verstand, wenn man immer nur man selbst ist, immer nur in seinem eigenen Hier und Jetzt lebt. Wenn man keine Ahnung von Geschichte hat oder nicht weiß, wie es ist, schwarz zu sein, oder arm, ein Flüchtling, ein Muslim, ein Nordkoreaner, eine Frau, ein Homosexueller, ein Krieger – wenn man sich nicht in einen anderen hineinversetzen kann“, sagte Meg Rosoff und forderte die Jugendlichen auf: „Habt den Mut, komisch, widerspenstig, phantasievoll, der Zeit voraus zu sein. Seid stur, seid trotzig. Seid anders. Habt abstruse, weltbewegende Ideen. Sorgt euch nicht, wenn ihr damit falsch liegt.“ Die Rede ist in der heutigen Ausgabe der Frankfurter Allgemeinen Zeitung abgedruckt. Der Gang zum Kiosk lohnt sich.

Meg Rosoff, Brigitte Jakobeit, Eva Kutter (v.l.)

Im Verlag Vorwerk 8 erscheint auch in diesem Jahr wieder ein Katalog über alle beteiligten Autoren. Wegen des politischen Fokus‘ des Festivals trägt er den Titel Human Rights. Außerdem feiert das Festival die Premiere seines Buchprojekts Refugees Worldwide, herausgegeben von Luisa Donnerberg und Ulrich Schreiber im Wagenbach Verlag. Der Band versammelt 14 literarische Reportagen über die Erfahrungen Geflüchteter. In englischer Übersetzung erscheint der Band bei Ragpicker.

Flankiert wird das Festival von mehreren Ausstellungen. So ist im Foyer des Hauses der Berliner Festspiele wieder die Ausstellung „Das außergewöhnliche Buch“ zu sehen, für die jeder Gast der Sektion Internationale Kinder- und Jugendliteratur jeweils ein außergewöhn­liches Buch für Kinder, Jugendliche oder junge Erwachsene nominiert hat.

Den Büchertisch gestaltet in diesem Jahr die Buchbox.

ml

 

 

 

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