Personalia Gerd Haffmans: Ein Nachruf auf Daniel Keel

Er wäre gern Clown, Musiker oder schon irgendwie ein Künstler geworden. Er verstand unheimlich viel von Kunst, war auch selbst gestaltungsfähig und merkte doch bald: Das reicht ja alles hinten und vorne nicht. Die kritische Instanz in ihm war stärker als ein naives Schöpfertum als Literat, Zeichner oder Schauspieler.
Aber der künstlerische Furor loderte in ihm. Wenn er nicht selbst Künstler sein konnte, dann wollte er die besten Künstler aller Art seiner Zeit versammeln, so lange sie gescheit, lesbar, überraschend, gewitzt & gewetzt etwas zu erzählen und zu zeigen hatten. Aber nur ja nicht gebastelt, originalitätssüchtig und stromlinienförmig im Zeitgeist. Nach seinen buchhändlerischen Wanderjahren, die ihn von Zürich über München, Paris, London wieder zurück nach Zürich führten, brachte er seine Fackel mit: »Weil noch das Lämpchen glüht« von Ronald Searle; darin quälen kleine Mädchen mit ausgepichter Boshaftigkeit ihre Lehrkörper. Das gefiel ihm. Kein deutscher Verlag wagte das zu bringen. Da macht er es eben selbst. Die Rechte bekam er spottwohlfeil von der Literary Agency Mohrbooks, und die wunderbare Freundschaft mit dem jungen Agenten Rainer Heumann nahm ihren Anfang.
Der Herr Papa, Vertriebsleiter im Benziger Verlag mit eingeführter renditeintensiven Bibeldruckerei in der Klosterstadt Einsiedeln, zahlte die erste Auflage. Der 22-jährige Anfänger-Verleger ohne jede Art von Abschluss, dafür vom heiligen Feuer der komischen Kunst beseelt und mit orphäischer Überzeugungskraft begabt, gewann den damals schon großen Friedrich Dürrenmatt für ein Vorwort. Ein genügsamer Philosoph von Sinope gab dem Verlag den kosmopolitischen wie kynischen Namen. Und so war auf der Buchmesse 1952 das erste Diogenes-Buch auf der Welt. Der Rest ist bekannt. Die Geschichte eines beispiellosen Erfolgs – von Loriot bis Patrick Süskind und immer weiter – hat sich tief in die Annalen der Kultur eingegraben. Durchaus auch als Gegenentwurf zur wertvollen Suhrkamp-Kultur.
Lieber Daniel, einer Deiner Wahlsprüche war von unserem heimlichen Helden Oscar Wilde: »Fleiß ist die Wurzel aller Hässlichkeit«. Ein Meisterwerk riecht nie nach dem Schweiß der Arbeit, den es gekostet hat.
Du hattest die große Gabe, dem Leichten Gewicht zu geben. Und das Gewichtige leicht zu nehmen und leicht zu machen. Obwohl Dir alles Lehrerhafte zuwider war, bist Du immer ein Vorbild und Lehrmeister geblieben.
Dein Gerd Haffmans

Gerd Haffmans war 1968-1982 beim Diogenes Verlag in Zürich, zunächst als Werbe- und Vertriebsleiter, seit 1970 als Lektor, 1976 Cheflektor, 1978 Direktor, Herausgeber von Anthologien, Lesebüchern, dem Literaturmagazin “Tintenfaß” u.a.

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