Gerhard Beckmanns Meinung – Die Remittendenpraxis müsste neu überdacht werden

In einem Branchenbuch meines alten Kollegenfreunds Michael Korda habe ich gestern abend gelesen, wie es in den USA zur Praxis der Remittierung unverkaufter Bücher gekommen ist – dort ist sie mittlerweile so ausgewachsen, dass von der halben Million georderter Exemplare eines Bestsellers manchmal 200.000 wieder zurückgehen.

Begonnen hat alles aus bester Absicht, aus einer – trotz verständlicher Eigeninteressen der Verlage – fast karitativen Einstellung während der Weltwirtschaftskrise, als man sich sorgte, dass sehr viele Buchhandlungen finanziell am Ende waren. Man wollte sie erhalten: darum erstmals die Lieferungen mit Remissionsmöglichkeit. Sie wurde nicht zurückgenommen, als die Zeiten besser wurden.

Es ist, wie alle wissen, eine Praxis, wie sie im gesamten sonstigen Einzelhandel nicht existiert. Es gibt sie einzig und allein im Buchhandel.

Je größer die Abhängigkeit des Absatzes von Büchern vom Medienspektakel vor allem des Fernsehens, umso stärker wird die Tendenz zur schnellen Remittierung werden. Ein Anwachsen der Remittenden um ein Prozent heißt aber, so eine Faustregel, ein Prozent weniger Gewinn – für die Verlage, so meine ich, angesichts ihrer meist ohnehin schwachen oder gar „negativen“ heutigen Renditen eine Katastrophe.

Deshalb würde mich Ihre Meinung interessieren – wie lässt sich heute eine überhitzende Remissionspraxis begründen? Wie lässt es sich rechtfertigen, wenn – was ich gerade von kleinen und mittleren Verlagen häufig höre – Sortimenter Novitäten nur unter der Bedingung einkaufen, dass der Vertreter alle bis dato nicht verkauften Exemplare zurücknimmt? Haben das wieder einmal die „Grossen“ den Kleinen eingebrockt? Ist es überhaupt richtig, dass die Verlage alle Order-Risiken des Sortiments schultern müssen? Wäre es nicht angemessen zu erwarten, dass Buchhandlungen auch bei Medienereignissen auf Grund der Kenntnis ihrer Kundschaft ihren Bedarf einigermaßen korrekt einschätzen? Oder ist das eine hirnrissige Idee?

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

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