Gerhard Beckmanns Meinung – Harry Potter wirft alle gängigen Dogmen über das Kinder- und Jugendbuch über den Haufen

J.K. Rowling macht nach wie vor Schlagzeilen – pro und contra. Aber die „Harry Potter-Autorin ist, wie Felicitas von Lovenberg in der heutigen FAZ zu Recht schreibt, ein Star, dem keine Kritik etwas anhaben kann, selbst wenn sie von so prominenter Seite kommt wie von A.S. Byatt. Da sind die Fans vor.

Sie hat weltweit eine Lektüre von englischen Originaltexten unter Kindern und Jugendlichen ausgelöst, die niemand je für möglich gehalten hätte. Das hat dazu geführt, dass die eisernen Prinzipien über den Gebrauch von Literatur im Englisch-Unterricht revidiert werden. Bisher wurde sie in kleinen Häppchen eingeschleust – stufenweise, mit Auszügen, die so einfach wie möglich sein mussten, um die Kinder ja nicht zu überfordern. „Harry Potter“ zeigt, dass sie, wenn sie wirklich etwas interessiert, ganze Bücher lesen, auch wenn sie nicht alle Wörter und Sätze verstehen – und gerade deshalb unglaublich viel lernen. Der britische Guardian brachte dazu eine ganze Seite von ausgewiesenen Fachleuten.

Der neue „Harry Potter“ beweist, dass all die uns lieb und teuer gewordenen Vorstellungen über die „richtige“ Länge und pädagogisch angemessene Dosierung der Ingredienzien für Kinderbücher fragwürdig sind – das Buch muss die kleinen Leser nur fesseln und packen. Es muss nur richtig „gut“ sein. Und die Kinder literarisch ernst nehmen. Auch das ein Thema, das, bei aller Kritik im einzelnen hier und da – wie es sich gerade bei guter Literatur gehört – zunehmend durchschlägt.

Man wird J.K. Rowling sicher nicht einfach nachmachen können. Doch lernen lässt sich von ihr gewiss eines – die „Formeln“, die gerade in diesem Bereich so fest sitzen und gefordert werden, gehören hinterfragt.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de

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