Gerhard Beckmanns Meinung – Müssen Autoren auf den Bücherklappen so mickerig sein?

Vorgestern traf – endlich, so spät wie noch nie – die Vorschau des Suhrkamp Verlages ein. In ihrer Gestaltung ist sie, wie ich finde, von allen die ästhetisch ausgewogenste, die schönste. Ob ihre Präsentation der Novitäten den Erfordernissen und Erwartungen der Buchhändler entspricht, vermag ich nicht zu beurteilen. Optisch dominieren hier nicht die Bücher, sondern deren Autoren, mit geschickt und groß herausgestellten „sprechenden“ Fotos.

Ein Vergleich der deutschen Vorschauen zeigt: Je kommerzieller die Ausrichtung eines Verlagsprogramms, desto kleiner die Autoren, desto mehr werden sie marginalisiert und die Abbildungen des zu verkaufenden Objekts Buch in den Vordergrund gerückt. Mag sein, dass so etwas dem Handel gegenüber verkaufspsychologisch richtig ist – im Zusammenhang mit den (in einer anderen Kolumne kürzlich bereits kritisierten) lieblos zusammengestellten, mangelhaften Autoren-Infos scheint es zumindest bedenklich. Ein Problem werden auf Briefmarkengröße reduzierte Fotos ohne Aussagekraft jedoch auf den Klappen der Bücher.

Jeder weiß, dass wir in einer Zeit bild-orientierter Menschen leben. Alle Medienanalysen halten es fest, es steht fast täglich in den Gazetten zu lesen: Auf „Personalisierung“ kommt es an. In den meisten Buchverlagen aber scheint sich noch immer nicht herum gesprochen zu haben, was moderne Zeitungs- und Zeitschriftenmacher längst verinnerlicht haben: Ein gutes, sprechendes Foto in angemessener Größe führt einen Leser oft überhaupt erst zur Lektüre eines Textes; es erhöht auf jeden Fall sein Interesse.

Gerade für Belletristik ist ferner bekannt, dass der Namen, die Identität eines Autors beim Publikum eine große Rolle spielt . Das gilt für die unterhaltende sicher nicht weniger, eher noch mehr als für die hohe Literatur. Das „große Publikum“ nimmt „den Autor“ viel ernster als Verlage und Feuilletons meinen.

Die Schuld an dem Manko liegt keinesfalls,, vielleicht nicht einmal in erster Linie bei den Verlagen, sondern in der Regel bei den Autoren (und ihren Agenten). Es geht hier primär auch mitnichten um eine Kostenfrage. Man ist nicht unbedingt auf die teuren Starfotografen der Medienwelt angewiesen. Es gibt überall (junge, unbekannte) Künstler, die fähig sind und froh wären, wunderbare Fotos zu machen. (So wie etliche der wirkungsmächtigsten Fotos ja nicht von Kamerastars stammen.) Als Anregung empfehle ich die Lektüre eines Artikels in der New York Times vom 11. Januar. Geschrieben hat ihn Randy Kennedy unter dem Titel „ART: The Photographer Who Makes Writers Look Like Authors“.

Gerhard Beckmann sagt hier regelmäßig seine Meinung … und freut sich über Antworten an GHA-Beckmann@t-online.de. Natürlich können Sie diese Kolumne auch im BuchMarkt-Forum diskutieren. Einfach oben auf der Seite den Button „Forum“ anklicken, einloggen und los geht‘s.

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