Manfred Maurenbrecher über sein Buch "Grünmantel" „Grünmantel und Unterleuten ergänzen sich ganz gut“

Manfred Maurenbrecher: „Hätte ich von Julie Zehs Projekt gewusst, hätte ich mich wahrscheinlich mehr beeilt, damit mein ‚Grünmantel‘ auf dem Markt nicht wie ein Nachklapp erscheint. Von jetzt her gesehen, ergänzen sich die beiden Bücher eigentlich ganz gut“ (Durch Klick auf Foto zu seiner Webseite)

Der Liedermacher Manfred Maurenbrecher hat in diesem Jahr bei be:bra mit Grünmantel ein Buch vorgelegt, das wir mit Freude gelesen haben – und für uns Anlass war, ihn zu fragen: Was treibt einen Mann, der eher bekannt als Liedermacher und Kabarettist ist , sich der Mühe des Schreibens zu unterziehen?

BuchMarkt: Worum geht es in Grünmantel?
Manfred Maurenbrecher: In Grünmantel gehts um zwei ganz unterschiedliche Lebensformen, weit draußen auf dem Land und mittendrin in der Großstadt. Nach 30 Jahren Teilung prallen diese Lebensformen, die ja auch Varianten der Alltagsbewältigung sind, rund um Berlin besonders hart aufeinander. Die entlaufenen Stadtbewohner bringen ihr Bewusstsein nach draußen mit. Das ist manchmal mühsam, oft komisch und manchmal auch pathetisch schön oder traurig. Das Buch erzählt ein paar Geschichten von Leuten mit ganz unterschiedlichen Wünschen, die sich sehr fremd aneinander stoßen und gewöhnen. Aber manche verlieben sich sogar ineinander.

Und wenn Sie Buchhändler wären, wem würden Sie das Buch mit welchem Argument verkaufen?

Das Buch lohnt sich für alle, die Freude am Spiel mit den Mitmenschen haben und nicht nach vorgefertigten Schablonen suchen. Das heißt auch: Man sollte sich an der Sprache freuen können und auf Abenteuer aus sein, nicht auf Botschaften. Und wenn man dann noch ‚aus der Gegend ist‘, ist dem Vergnügen keine Grenze gesetzt (außer der Buchlänge, die ist eher kurz).

Einer Ihrer Kritiker hat bemängelt, Ihre Geschichte sei unterhaltsam zu lesen, leider habe das aber alles schon Juli Zeh  erzählt…

Das freut mich zu hören! Julie Zeh hat nach ihren eigenen Angaben sehr planvoll an ihrem Buch gearbeitet und mit großem soziologischen Impetus, das ist meine Art eher nicht. Ich habe auch keine Schablonen, die ich dann mit Leben füllen muss beim Schreiben – eher flitzen mir manchmal die ausgedachten (und beobachteten) Figuren davon. So hatte ich die Liebesgeschichte zwischen Zara Mengeleng und Karl Krassow überhaupt nicht ‚vor‘, sie hat sich erst beim Schreiben so ergeben. Aber hätte ich von Julie Zehs Unterleuten gewusst, hätte ich mich wahrscheinlich mehr beeilt, damit mein Grünmantel auf dem Markt nicht wie ein Nachklapp erscheint. Weil ich ja mein Geld mit Kabarett und Singen verdiene, tritt das Romanschreiben öfter mal zurück. Von jetzt her gesehen, ergänzen sich die beiden Bücher eigentlich ganz gut.

Durch Klick auf Cover zum Buch

Ich muss zugeben, dass ich mit Ihrem schmalen Band  besser zu recht gekommen bin, ich fand ihre filmische Erzählweise mit vielen kurzen Einstellungen lebendiger.

Ich bin jemand, der mit der kurzen Form besser zu Rande kommt als mit der langen, und weil ich auch musikalisch bin, liegt mir das Schreiben und Komponieren von Liedern sehr. Wenn ich längere Texte schreibe (was ich phasenweise sehr gern tue), will ich damit ein bisschen auch ins Abenteuer gehen.

Juli Zeh hat sich auch anhören müssen, sie habe alle Klischees über das Leben in der Uckermark bedient, haben Sie sich diesen Vorwurf sicher schon anhören müssen?

Ja, von Rezensenten, die selbst ihre West/Ost-Klischees pflegen und einem geborenen Westberliner nicht recht zubilligen, etwas in ‚ihrem‘ Land stattfinden zu lassen.  Ich finde ja, dass ich die gängigen Klischees zur Uckermark eher breche.

Ich wollte noch wissen, warum Sie sich der Mühe des Schreibens zu unterziehen
Das Erfinden von Geschichten geht mir leicht von der Hand, Mühe macht die Überarbeitung. Mir hat das teamwork mit meiner Frau, die hervorragend in Logik und Grammatik ist, dabei sehr geholfen. Viel an der Überarbeitung verdanke ich auch Wend Kässens aus Hamburg.
Im Abspann des Buches gestehen Sie, dass Sie  ziemlich lange an Grünmantel gearbeitet haben… warum

Wegen der Überarbeitungen – und im Zuge der Verlagssuche dann weiterer, anempfohlener Änderungen wegen, die ich aber meist am Ende verwarf. Was heißt: Ich mache mir zwar Pläne und ein Konzept, aber im Schreibprozess reiße ich die gern wieder ein. Wenns gut geht, liest es sich nachher wie ein natürlicher Alltag oder Fortgang – wenns nicht klappt, wirds unlogisch und kindisch, leider. Aber ohne dieses Risiko würde mir das Prosa-Schreiben keine Freude machen.

Der Verlag schreibt, Sie seien Liedermacher und Schriftsteller, Sie haben dazu Auszeichnungen als Kabarettist erhalten – was sind Sie nun wirklich?
Jemand, der sich in Worten und Tönen auszudrücken gewohnt ist und schon früh erlebt hat, dass sich andere darin bisweilen wiederfinden, was die eigene Schüchternheit allmählich beseitigte. Ich bemühe mich, für das, was ich mache, die Schubladen eher zu meiden. Bei dem Jahresrückblick, an dem ich wie jedes Jahr gerade teilnehme (wir spielen in Berlin ca. 40mal vor ausverkauftem  Haus) machen u.a. Horst Evers und Bov Bjerg mit – beides Kollegen, die auch in keine Schublade so richtig passen …
Wie groß muss Ihre Bühne sein? 

Die Größe spielt keine Rolle. In einer kleinen Buchandlung kann ich ohne Mühe lesen und erzählen und – falls ein Klavier vorhanden ist – auch noch singen, und so ganz ohne Technik ist es am natürlichsten. Wichtig ist nur, dass die Konzentration beim Vortrag liegt und es nicht nebenbei geschieht.

Also machen Sieauch Lesungen im Buchhandel? 

Sehr gern, auch musikalische Lesungen. Mit „Grünmantel“ hatte ich bisher ca. 30, jetzt läppert es erstmal etwas aus. Im März erscheint eine neue CD von mir, dann wird es viele Konzerte geben – bei denen ich das Buch natürlich dabei habe und vielleicht auch einen kleinen Ausschnitt daraus vorlese.
Die Fragen stellte Christianvon Zittwitz

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