Börsenverein In Frankfurt tagt die Branche

Kyra Dreher, Thomas Wrensch, Franziska Bickel

Im November 2007 wurde erstmals ein Branchenparlament durchgeführt, im April dieses Jahres tagte es zum 16. und letzten Mal. Heute sitzen die Vertreter der drei Sparten wieder zur Herbstsitzung zusammen – allerdings in anderer Form.

So ging den einzelnen Gesprächen der Sparten am Nachmittag eine Diskussion aller am Vormittag voraus – eine Novität im sich reformierenden Börsenverein, der auf der Suche nach neuen, zeitgemäßen Strukturen ist.

Zu den Themen, die in gemeinsamer Runde besprochen wurden, gehörten:
• die Gesetzesnovellen zur Preisbindung und zum Urheberrecht
• die Änderung der Verkehrsordnung in puncto Preisaktionen für E-Books
• das kartellrechtliche Vorgehen gegen Amazon und Audible
• die künftige Bundle-Besteuerung
• Updates zum Verzeichnis lieferbarer Bücher und zum neuen VLB-TIX

In der Mittagspause konnte BuchMarkt mit Kyra Dreher, Geschäftsführerin Sortimenterausschuss (SoA), Thomas Wrensch, SoA-Vorsitzender, und Franziska Bickel, stellvertretende SoA-Vorsitzende, im Haus des Buches in Frankfurt sprechen. Die gemeinsame Sitzung hatte länger als geplant gedauert, nach dreieinhalb Stunden Diskussion war diese erste Runde mit etwa 30 Teilnehmern und 20 Gästen – Sprecher der Interessengruppen und der noch bestehenden Arbeitsgruppen – beendet.

Herausgegriffen wurde zunächst das Thema Preisaktionen bei E-Books. „Es gibt erst einmal keine neue Regelung, wir haben darüber diskutiert, aber es bleibt jetzt so, wie es ist. Wir beobachten, ob es funktioniert“, äußerte Thomas Wrensch. „Wir wollen uns die Regelung in sechs und in zwölf Monaten nochmal genau anschauen, es gab große Diskussionen um den Aktionszeitraum der E-Books. Aber die Sortimenter haben sich sehr gegen die Tendenz, das aufzuweichen oder den Zeitraum zu verkürzen, ausgesprochen. Es wird nicht nur unter preisbindungsrechtlichen Erwägungen gesehen. Die Preisbindung schützt einen gegebenen Preis, sieht aber durchaus vor, dass Preise geändert werden können. Vielmehr geht es darum, dass der ganze Handel an Preisaktionen fördernd mitwirken kann – nicht nur einzelne große Händler, sondern auch die unabhängigen Buchhandlungen. Also wird die Regelung, über die bereits in der Vergangenheit diskutiert wurde, erst einmal so belassen“, ergänzte Kyra Dreher.
„Es wird jetzt auch so etwas wie gelbe Seiten für E-Book-Aktionen geben“, setzte Wrensch hinzu, „so kann sich jeder informieren und entsprechend vorbereiten.“

„Die Diskussion wurde direkt und unmittelbar in einem Raum geführt und verläuft so anders, weil jeder seine Haltung offen darlegen konnte und man sofort genau darauf antworten konnte“, schätzte Franziska Bickel die erste gemeinsame Sitzung dieser Art positiv ein. „Es sitzen nicht nur drei Sparten in einem Raum, da passiert auch etwas zusammen – und das war spürbar.“

Die Branchenpresse war bei dieser Herbstsitzung nicht anwesend – irgendwo verständlich in einer Findungsphase. Ob die Sitzungen weiter ohne Öffentlichkeit stattfinden, wird besprochen: „Ich denke, da werden wir uns in den Fachausschüssen noch unterhalten müssen. Doch es wird in dieser Runde sehr viel offener diskutiert, als das früher der Fall war. Und da kann es manchmal ein Problem sein, wenn jede Presse sofort Zugang hat. Manch einer würde sich dann nicht so offen äußern“, bemerkte Wrensch dazu. Dem stimmten Dreher und Bickel zu. Es gehe jedoch nicht um ein Aussperren die Presse, stellte Dreher klar: „Wir wollen im Zuge dieser Strukturreform, bei der es das Ziel ist, dass von Anbeginn alle zu einem Thema zusammensitzen, erreichen, dass Ziele schneller erreicht werden als in der Vergangenheit.“

Kyra Dreher, Thomas Wrensch und Franziska Bickel zeigten sich von dieser neuen Form der gemeinsamen Arbeit überzeugt. „Man kann das am Thema E-Bundle ganz gut sehen“, erklärte Wrensch. Die Gruppen hätten erstmals die Probleme der anderen Sparten verstanden. Das sei vorher nicht so gewesen, da jede Gruppe für sich diskutierte und dann eigentlich die Haltung der Gruppe vorgestellt wurde. „Man kam von einem ganz anderen Standpunkt. Jetzt wurden gemeinsam Argumente zusammengetragen, das führt zu einem viel besseren Verständnis.“

„In der Vergangenheit haben zunächst die Sparten unter sich getagt. Dann wäre das so gelaufen, dass die Sortimenter mit einem Appell im Parlament an die Verleger herangetreten wären. So ist das heute in ganz kollegialer Weise sehr konkret geäußert worden“, ergänzte Dreher.

„Früher haben sich die Verleger eine Meinung gebildet und die Sortimenter ebenfalls. Man ist dann mit einer solchen festen Meinung ins Parlament gegangen. Heute wird offen diskutiert, alle können ihre Argumente darlegen – und erhalten sofort Antwort. Es ist ein Prozess, an dem alle Seiten beteiligt sind“, stellte Wrensch fest.

Die Stimmung auf der Herbsttagung war offensichtlich positiv. Man hatte den Eindruck, dass tatsächlich ein neuer Wind weht.

JF

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