Dotiert mit 35.000 Euro Kathrin Röggla erhält den Wortmeldungen-Literaturpreis 2020

Kathrin Röggla (©Jessica Schäfer)

Die Berliner Schriftstellerin Kathrin Röggla erhält den Wortmeldungen-Literaturpreis 2020. Der mit 35.000 Euro dotierte Preis wird zum dritten Mal verliehen.

In ihrem literarischen Essay Bauernkriegspanorama spreche Kathrin Röggla vielfältige Aspekte der aktuellen gesellschaftlichen Lage in Deutschland an, die vor dem Hintergrund der politischen Auseinandersetzungen um die thüringische Landtagswahl umso brisanter wirken: Rechtspopulismus, soziale Spaltung, Stadt-Land-Gefälle werden anhand des Bauernkriegspanoramas von Werner Tübke als Merkmale einer historischen Rückwärtsbewegung gedeutet, heißt es in einer Pressemitteilung.

„Kathrin Röggla gelingt es auf so kluge wie leidenschaftliche Weise, ein Bild der deutschen Gegenwart zu zeichnen: die Bewegung nach rechts als Rückwärtsgang, die Grundierung durch Hetze und Menschenhass, das falsche Pathos, das aus der Vergangenheit herüberstrahlt, die Ironie als hilflose Pose, die Leerstellen und blinden Flecken unserer Wahrnehmung. Der Text setzt die Unübersichtlichkeiten und Verwerfungen unserer Zeit kongenial in literarische Bilder um. Er ist schon deswegen ein Wagnis, weil er versucht, die vielen widerstrebenden Entwicklungen als eine Gesamtheit abzubilden“, so die Begründung der Jury, der Beate Gütschow (Künstlerin), Hasnain Kazim (Journalist), Sandra Kegel (Literaturkritikerin), Stephan Lebert (Journalist), Christine Lötscher (Literaturkritikerin), Sighard Neckel (Soziologieprofessor) und Daniela Strigl (Literaturkritikerin) angehören.

Die Preisverleihung findet am 16. Mai in den Kammerspielen des Schauspiel Frankfurt statt. Der prämierte Text von Kathrin Röggla ist zusammen mit den Texten der Shortlistautorinnen und –autoren online zu lesen unter: www.wortmeldungen.org. Er erscheint außerdem zur Preisverleihung im Verbrecher Verlag als Band 1 einer Wortmeldungen-Schriftenreihe.

Kathrin Röggla, 1971 in Salzburg geboren, lebt als Schriftstellerin in Berlin. Sie veröffentlichte viele Prosabände, zuletzt Nachtsendung. Unheimliche Geschichten (2016; S.Fischer Verlag), Essays wie Die falsche Frage. Über Theater, Politik und die Kunst, das Fürchten nicht zu verlernen (2015, Theater der Zeit Verlag), zahlreiche Theatertexte und Hörspiele. Für ihre literarischen Arbeiten wurde sie mit zahlreichen Literaturpreisen ausgezeichnet, u.a. mit dem Arthur-Schnitzler-Preis (2012) oder dem Nestroy für das beste Theaterstück (2011). Kathrin Röggla ist seit 2015 Vize-Präsidentin der Akademie der Künste in Berlin.

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