Ein Urgestein des Zwischenbuchhandels hört auf KNV-Einkaufschef Rudolf Sommer geht in den Ruhestand

Rudolf Sommer

Heute geht KNV-Einkaufschef Rudolf Sommer in den Ruhestand. Zum Abschied winken ihm Günter Kopietz und Christian Appelt  zu:

Es gibt Kollegen in der Branche, die über alle Sparten hinweg einen ausgezeichneten Ruf genießen – dazu gehört Rudolf Sommer. Loyal seinem Unternehmen gegenüber, jedoch immer die Interessen aller Teilnehmer im Auge, ausgleichend, verbindend, zielstrebig, freundlich und bei allem was er anfasst: fair! Wenn man „win-win“ ein Gesicht geben müsste, dann fällt einem sofort Rudolf Sommer ein. Nur einmal – ein einziges Mal – ist er vom rechten Wege abgekommen, und das kam so:
Ein Termin mit Rudolf Sommer stand an, die Zahlen wurden besprochen, offene Punkte geklärt, und wie immer war es ein angenehmes und konstruktives Gespräch, auch wenn jeder seine Interessen und Positionen klar vertreten hatte. Das Gespräch war fast zu Ende, da öffnete Rudolf Sommer seine Tasche noch einmal und zauberte einige farbig bedruckte Blätter hervor. Er legte die Blätter vor sich hin, und wir konnten eine ausgedruckte Power Point Präsentation bewundern, lasen die Überschrift und waren erstaunt. Was stand dort in größeren Lettern? „RABATTFALLENTREPPE.“
Müßig wäre es nun, diesen historischen Verlust der Unschuld des Barsortiments im Detail zu beschreiben. Der Tenor der Ausführungen war offenbar der, dass die Buchhändler doch bitte nicht mehr beim Verlag bestellen sollten, sondern nur noch bei KNV.
Ein Schelmenstück, gleichwohl mit Verve vorgetragen. Man konnte allerdings sehen, dass Rudolf Sommer dies nicht wirklich leicht fiel und sich im Verlaufe seiner Ausführungen die eine oder andere Schweißperle auf seiner Stirn bildete. Diesmal also kein Ausgleich der Interessen, keine Win-win-Situation, keine rosige Branchenzukunft, in der jeder leben kann und leben lässt. Verstanden haben wir diese „Treppe“ eigentlich nie so richtig, und deshalb wurde auch nichts daraus. So recht daran geglaubt hat er vermutlich selbst nicht.
Aber Rudolf Sommer war nicht nur seinem Unternehmen gegenüber immer treu – das gleiche gilt auch für seinen Club, die Frankfurter Eintracht. Allerdings bestätigen auch hier Ausnahmen die Regel, wenn auch nur seiner Tochter zuliebe. Als die nämlich im zarten Teenie-Alter für eine gewisse Zeit Fan des SSV Reutlingen war, hat er sie zu zahlreichen Auswärtsspielen durch ganz Deutschland begleitet. Warum eigentlich zu Auswärtsspielen? „Naja, weil da immer die Spieler nach dem Spiel die Handvoll Fans abgeklatscht haben … und der Vater-Tochter-Beziehung hat’s auch nicht geschadet“, wie er stolz erzählt. Ob Rudolf Sommer allerdings in voller Fan-Montur in der Reutlinger Kurve stand, ist nicht bekannt.
Und: Wer weiß, vielleicht schauen wir drei Fußballexperten uns ja mal eine Partie gemeinsam live im Stadion an – jetzt wo er dann Zeit hat? Ob die Eintracht, die Knappen oder die Fohlen – das müssen wir freilich erst noch verhandeln. So wie in alten Zeiten.
Alles Gute für Sie, lieber Rudolf Sommer, sagen
Günter Kopietz und Christian Appelt

Und was sein Abschied bedeutet fasst Rudolf Frankl, selbst auch seit Jahresende im Ruhestand beim dtv, in einem Satz zusammen: „Ihn zeichneten aus Seriosität, Fairness und gesunder Menschenverstand,  gepaart mit feinem, hintersinnigen Humor: Solche Gesprächspartner hätte es gerne noch viel mehr geben können in unserer Branche“.

Kontakt: Wer ihm mailen  will – seine alte KNV-Adresse funktioniert noch.

Kommentare (3)
  1. Lieber Rudolf Sommer,

    es ist geschafft! – dieser Abschnitt Ihres Lebens gehört demnächst der Vergangenheit an!
    Und ich sage Ihnen – aus eigener Erfahrung – der nächste Abschnitt macht auch sehr viel Freude, man kann so vieles genießen für das früher nicht so recht Zeit und Muße war. Da ich weiß, dass Sie viele Hobbies haben, ist mir um Ihre Zukunft nicht bange.
    Auch wenn der Intensität unserer Gespräche sehr schnell Grenzen gesetzt waren, haben sie mir doch oft Spaß gemacht, weil wir häufig in die gleiche Richtung dachten.

    Genießen Sie die “ Zeit danach “ ! Ihnen alles Gute und herzliche Grüße aus Hamburg

    Marga Winkler

  2. Erst hört der Frankl auf, jetzt der Sommer – unserer Branche droht ein bedenklicher Mangel an Rudolfs, und das vielbesungene Rentier kann da auch nicht helfen.
    Ich wünsche zum Start der nicht-mehr-ins-Büro-müssen-Zeit von Herzen alles Gute, drücke für alle Vorhaben sämtliche Daumen und freue mich auf ein Wiedersehen, ganz gleich wo!
    Holger Ehling

  3. Lieber Rudolf Sommer:

    Wir sind uns nur wenige Male begegnet, aber die sind mir in Erinnerung geblieben. Vor allem Ihr Besuch beim Mohr-Jubiläum im September 2001. Da saßen Sie genüsslich unter dem alten Nussbaum und betrachteten das bunte Treiben der Mohren- und Autorenschar.

    Der alte Nussbaum steht nun nicht mehr. Der alte Verleger ist auch seit zwei Jahren nicht mehr im Verlag. Aber die Welt der Bücher, die wir jahrelang bewegt haben, existiert weiter, und das wahrscheinlich besser als die Digitalunken es prophezeiten.

    Schauen Sie auch dem nun genüsslich zu und seien Sie herzlich gegrüßt von Ihrem

    Georg Siebeck

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