Bertelsmann im ersten Halbjahr 2002 mit deutlicher Ergebnissteigerung trotz rückläufiger Umsätze – Jahresüberschuss bei 1,6 Milliarden Euro – Thielen: Weitere Stärkung des operativen Geschäfts ist Hauptziel

Bertelsmann hat in den ersten sechs Monaten des Jahres 2002 eine deutliche Ergebnissteigerung bei rückläufigen Umsätzen erzielt. Wie das Unternehmen am Dienstag in Gütersloh mitteilte, erreichte der operative Gewinn (EBITA) 157 Millionen Euro (Vorjahreszeitraum inkl. Internet-Anlaufverluste und Restrukturierungskosten: -884 Millionen Euro). Der Gewinnanstieg ist auf stark reduzierte Internet- und Restrukturierungsaufwendungen zurückzuführen. Der Jahresüberschuss erreichte 1,63 Milliarden Euro (VJ: 577 Millionen Euro). Dazu trugen Gewinne aus dem Verkauf der letzten Tranche von AOL-Europe-Anteilen maßgeblich bei; gegenläufig wirkte eine Risiko-Vorsorge in Höhe von einer Milliarde Euro für eine mögliche Abschreibung auf das Musikunternehmen Zomba, dessen Übernahme Bertelsmann derzeit verhandelt. Der Konzernumsatz ging im Zeitraum 1. Januar bis 30. Juni 2002 durch die dramatischen Einbrüche auf dem Werbemarkt auf 8,83 Milliarden Euro (VJ: 9,29 Milliarden Euro) zurück. Für das zweite Halbjahr, das bei Bertelsmann traditionell stärker ausfällt, rechnet das Unternehmen mit einem höheren Umsatz und operativen Ergebnis.

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Gunter Thielen, erklärte dazu: “Nach Jahren des dynamischen Wachstums und hoher Sondererlöse aus dem Internet-Bereich befindet sich Bertelsmann jetzt in einer kurzen Phase der Konsolidierung. Hauptziel ist eine Steigerung der operativen Performance in den Stammgeschäften von Bertelsmann, um mit einer verbesserten Profitabilität den finanziellen Spielraum und die Möglichkeiten zu weiterem konsequenten Wachstum aus eigener Kraft zu erhöhen. Nur so wird Bertelsmann seine Spitzenpositionen in den weltweiten Medienmärkten ausbauen können. Eine Schlüsselrolle kommt dabei dem unternehmerischen und gestalterischen Freiraum zu, den Bertelsmann seinen Führungskräften einräumt. Dezentrale Verantwortung gepaart mit firmen- und bereichsübergreifender Kooperation ist einer der Erfolgsgaranten unseres Unternehmens.“

Kerngeschäft von Bertelsmann sei und bleibe die Schaffung erstklassiger Medieninhalte sowie deren Verbreitung, betonte Thielen. Das Fernsehgeschäft spiele bei der Weiterentwicklung der Inhaltegeschäfte eine zentrale Rolle. Auch solle die weltweite Marktführerschaft Bertelsmanns im Buchgeschäft gesichert und ausgebaut werden. Der Gestaltung des Musikgeschäfts angesichts großer Unsicherheiten in den Märkten und sich stark wandelnder Kundenbedürfnisse widme das Unternehmen besondere Aufmerksamkeit. Der Erfolg des internationalen Zeitschriftengeschäfts als zweitwichtigste Ertragssäule werde ebenso weiterentwickelt wie der Dienstleistungsbereich, der Bertelsmann in Zeiten raschen Wandels Stabilität verleihe. Der Turnaround der DirectGroup werde kraftvoll vorangetrieben. “Das Internet sehen wir indessen nicht als eigenes Geschäft, sondern als Teil der Stammgeschäfte, und dort vornehmlich als Vertriebsweg“, fügte der Vorstandschef hinzu. Diese strategische Entscheidung werde auch!

Die Investitionen von Bertelsmann stiegen im Berichtszeitraum – vor allem durch die Übernahme eines Anteilspakets der britischen Pearson-Gruppe an der RTL Group – auf 2,1 Milliarden Euro (VJ: 1,6 Milliarden Euro). Die Nettofinanzschulden betrugen zum 30. Juni 2002 334 Millionen Euro (31. Dezember 2001: 422 Millionen Euro). Bruttofinanzschulden von 2,3 Milliarden Euro standen dabei liquide Mittel von knapp zwei Milliarden Euro gegenüber. Das Unternehmen verfügt des weiteren über freie Kreditfazilitäten von mehr als vier Milliarden Euro. Dies gebe Bertelsmann ausreichend finanzielle Flexibilität, das Musikunternehmen Zomba wie angekündigt zu übernehmen und sich darüber hinaus weitere Spielräume zu erhalten, erklärte Bertelsmann-Finanzvorstand Siegfried Luther. Die Emission eines Benchmark-Bonds sei weiterhin geplant, der Zeitpunkt hänge aber von der Lage an den Kapitalmärkten ab.

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