Bertelsmann mit operativer Umsatzrendite von erneut 9,7 Prozent, aber deutlich weniger Gewinn / Ostrowski: „Wir prüfen alle strategischen Optionen, inklusive eines möglichen Verkaufs“

Rolf Buch (Vorstandsvorsitzender Arvato), Hartmut
Ostrowski, Thomas Rabe (v. l.)

Bertelsmann hat im Jahr 2007 seine operative Ertragskraft auf hohem Niveau stabilisiert, wurde eben auf der Pressekonferenz des Konzerns in Berlin bekanntgegeben.

Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereinflüssen (Operating EBIT) betrug 1.811 Mio. € nach einem Rekordwert von 1.867 Mio. € im Vorjahr. Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte legte das Operating EBIT um 3,7 Prozent zu. Der Konzernumsatz ging bedingt durch den Verkauf des Musikverlagsgeschäfts und den schwachen Kurs des US-Dollars um 2,8 Prozent auf 18,8 Mrd. € (Vorjahr: 19,3 Mrd. €) zurück.

Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte lag der Umsatz auf dem hohen Wert des Vorjahres. Die operative Umsatzrendite erreichte erneut 9,7 Prozent. Deutlich niedriger fiel dagegen der Konzerngewinn aus, der 2006 von hohen Veräußerungsgewinnen geprägt gewesen war: Bedingt durch negative Sondereinflüsse betrug der Konzerngewinn im Berichtszeitraum 405 Mio. € nach 2,5 Mrd. € im Vorjahr.

Als Wachstumstreiber erwies sich 2007 erneut das Fernsehgeschäft: Die TV-, Radio- und Fernsehproduktionsgruppe RTL Group erwirtschaftete mit ihren Sendern und Produktionen 2007 ein deutliches Plus beim Umsatz und beim operativen Ergebnis (Operating EBIT).

Auch der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato konnte den Umsatz steigern; das operative Ergebnis erreichte den hohen Vorjahreswert. Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr lag bedingt durch die Schwäche im Tiefdruckgeschäft bei Umsatz und operativem Ergebnis unter Vorjahresniveau, ebenso die Buchverlagsgruppe Random House, deren Umsatz und Ergebnis stark von der Dollarentwicklung beeinflusst war. Der Unternehmensbereich BMG gab nach dem Verkauf des Musikverlagsgeschäfts bei Umsatz und operativem Ergebnis nach. Bereinigt um Portfolioeffekte steigerte BMG sein operatives Ergebnis in einem schwierigen Marktumfeld von 90 auf 93 Mio. €.

Die Direct Group wies 2007 einen deutlich gesunkenen Umsatz- und Ergebnisbeitrag auf; im nordamerikanischen Clubgeschäft wurde eine hohe Wertberichtigung erforderlich.

Der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann AG, Hartmut Ostrowski, erklärte: „Bertelsmann war im Geschäftsjahr 2007 erfolgreich. Nach den Rekordergebnissen im Vorjahr bleiben wir auf stabilem Kurs. Wir sind operativ stark und auf hohem Niveau profitabel. Wir haben 2007 umfassende Wertkorrekturen vorgenommen und Risiken wie die Napster-Klagen mit entsprechendem Aufwand bereinigt, um den Boden für die neue strategische Ausrichtung auf organisches Wachstum zu bereiten. Nur durch Wachstum kann der Wert des Unternehmens langfristig weiter gesteigert werden.“

Im Zuge der neuen Wachstumsstrategie wird Bertelsmann die Mittel für Investitionen auf wachstumsstarke Geschäfte konzentrieren. Die damit verbundenen Konsequenzen für die Direct Group umschrieb Hartmut Ostrowski wie folgt: „Wir prüfen alle strategischen Optionen, inklusive eines möglichen Verkaufs.“

Der Konzernumsatz lag im abgelaufenen Geschäftsjahr bei 18,8 Mrd. € (Vorjahr: 19,3 Mrd. €), was einem Rückgang um 2,8 Prozent entspricht. Einem organischen Wachstum von 0,4 Prozent standen dabei Portfolioeffekte von -1,4 Prozent sowie Wechselkurseffekte von -1,8 Prozent gegenüber. Das Operating EBIT erreichte im Berichtszeitraum 1.811 Mio. € und damit 3,0 Prozent weniger als 2006. Bereinigt um Portfolio- und Wechselkurseffekte legte das Operating EBIT im Vergleich zum Vorjahr um 3,7 Prozent zu. Die Umsatzrendite lag bei 9,7 Prozent und erreichte damit erneut den Rekordwert des Vorjahres. Auch der Operating Free Cash Flow
erreichte 2007 einen Höchstwert.

Der Konzerngewinn sank dagegen deutlich. Sondereinflüsse in Höhe von -854 Mio. € und der Wegfall hoher Veräußerungsgewinne aus dem Verkauf des Musikverlagsgeschäfts im Vorjahr ließen den Gewinn 2007 auf 405 Mio. € nach 2.459 Mio. € im Vorjahr zurückgehen. Die Belastungen resultierten aus Vergleichen im Rechtsstreit um die ehemalige Musiktauschbörse Napster, aus Impairments im nordamerikanischen Clubgeschäft, im Tiefdruck und beim britischen TV-Sender Five sowie aus einem Bußgeld beim RTLWerbezeitenvermarkter IP Deutschland.

Die Investitionen gingen 2007 im Vergleich zum Vorjahr um 5,5 Prozent zurück. Für Investitionen in Sachanlagen, immaterielle Vermögensgegenstände sowie Finanzanlagen inklusive Kaufpreiszahlungen wurden im Geschäftsjahr 2007 1.032 Mio. € aufgewandt (Vorjahr: 1.092 Mio. €). Hiervon entfielen 463 Mio. € (Vorjahr: 502 Mio. €) auf Sachanlagen, von denen der überwiegende Teil bei Arvato zum Einsatz kam. In immaterielle Vermögensgegenstände wurden 171 Mio. € (Vorjahr: 154 Mio. €) investiert. Diese betrafen im Wesentlichen die RTL Group.

Die Finanzschulden wurden 2007 weiter zurückgeführt. Ende Dezember 2007 lagen sie bei 6.330 Mio. € (Vorjahr: 6.760 Mio. €). Ab 2008 stellt Bertelsmann die Darstellung seiner wirtschaftlichen Finanzschulden auf eine externe Betrachtungsweise um. Nach dieser erweiterten Definition zählen auch Leasingverbindlichkeiten zu den wirtschaftlichen Finanzschulden.

Bertelsmann-Finanzvorstand Thomas Rabe: „Bertelsmann hat die aus unserer Sicht angemessene Verschuldungshöhe erreicht. Die wirtschaftlichen Finanzschulden entsprechen unserem Geschäftsprofil und unserer Ertragskraft. Ab sofort können wir im operativen Geschäft oder durch Portfoliomaßnahmen freigesetzte Mittel wieder für Akquisitionen verwenden.“

Bertelsmann wird für das Geschäftsjahr 2007, wie schon in den Jahren zuvor, wieder eine Gewinnbeteiligung an alle eingebundenen Mitarbeiter ausschütten. Im Juni 2008 werden für den Genussschein 2001 gemäß den Genussscheinbedingungen erneut 15 Prozent auf den Grundbetrag ausgeschüttet. Die Ausschüttung für den „alten“ Genussschein aus dem Jahr 1992 wird bei 5,45 Prozent (Vorjahr: 12,69 Prozent) liegen.

Für die weitere Entwicklung ist der Vorstand der Bertelsmann AG trotz der weltwirtschaftlich schwieriger werdenden Rahmenbedingungen zuversichtlich: Im Vergleich zu 2007 nimmt die Unsicherheit über die weitere konjunkturelle Entwicklung vor allem in den USA zu. Für 2008 rechnet Bertelsmann mit einem moderaten Umsatzanstieg. Das operative Ergebnis wird auf oder leicht über dem hohen Niveau von 2007 liegen. Der Konzerngewinn 2008 wird durch den Wegfall von Sondereffekten deutlich zulegen.

Die international führende Publikumsverlagsgruppe Random House erzielte 2007 einen gegenüber Vorjahr verminderten Umsatz; auch der operative Ertrag gab nach. Die Umsatzrendite erreichte mit 9,4 Prozent ein höheres Niveau als im Vorjahr (9,3 Prozent).

Die schwache Kursentwicklung des US-Dollars und ein eingetrübtes Konsumklima in Nordamerika ließen den Umsatz auf 1,8 Mrd. € und damit 5,6 Prozent unter den Vorjahreswert (1,9 Mrd. €) sinken. Das Operating EBIT ging im Berichtszeitraum – ebenfalls durch die Wechselkursentwicklung bedingt – um 4,9 Prozent auf 173 Mio. € (Vorjahr: 182 Mio. €) zurück. Die Zahl der Mitarbeiter verringerte sich zum Jahresende leicht auf 5.764 (31. Dezember 2006: 5.804).

So gelang es der Verlagsgruppe in den USA, die Rekordzahl von 230 Titeln auf den Bestsellerlisten der „New York Times“ zu platzieren, darunter „Playing for Pizza“ von John Grisham, „On Chesil Beach“ von Ian McEwan, „Clapton“ von Eric Clapton, „Giving“ von Bill Clinton und Suze Ormans „Women & Money“.

Weitere Bestseller waren die filmbegleitenden Ausgaben von Cormac McCarthys „No Country for Old Men“, Robert Ludlums „The Bourne Ultimatum“, Philipp Pullmans „The Golden Compass“ sowie Ian McEwans „Atonement“.

Die mit einem Grammy ausgezeichnete Hörbuchausgabe von „Harry Potter and the Deathly Hollows“ verkaufte sich besser als je ein Hörbuch zuvor. In Großbritannien stellte die Random House Group UK erstmals fast ein Drittel aller Titel auf den nationalen Bestsellerlisten der „Sunday Times“ und damit mehr als jeder andere Verlag. Über eine Million Mal wurde die Hardcover-Ausgabe von Nigella Lawsons „Nigella Express“ verkauft.

Die Gruppe erwarb einen Mehrheitsanteil an Virgin Books und gründete mehrere Verlage neu, darunter den irischen Autoren gewidmeten Verlag Transworld Ireland.

In Deutschland konnte die Verlagsgruppe Random House ihren Umsatz und das operative Ergebnis spürbar steigern. Dazu trugen Bestsellerautoren wie Leonie Swann, Dieter Hildebrandt und Eva-Maria Zurhorst ebenso bei wie Taschenbücher und Bücher aus den Bereichen Lebenshilfe und Religion.

In Spanien setzte sich der Erfolg des von Random House Mondadori publizierten Romans „La Catedral del Mar“ von Ildefonso Falcones fort.

Random House weitete im Geschäftsjahr 2007 seine Online-Vertriebswege aus. So baute die Verlagsgruppe in den USA, Kanada und Deutschland digitale Plattformen auf, mit denen sich Buchinhalte von Händlern und Endkunden gezielt suchen und einsehen lassen. Random-House-Autoren wurden 2007 mit mehreren prestigeträchtigen internationalen Auszeichnungen bedacht: So erhielt Doris Lessing, die von Random House in Deutschland und Spanien verlegt wird, den Literaturnobelpreis und Al Gore, der seine Werke in Deutschland, Japan und Korea über Random House veröffentlicht, den Friedensnobelpreis.

Darüber hinaus gewannen vier Random-House-Titel – mehr als je zuvor in einem Jahr – einen Pulitzer-Preis.

Der Zeitschriftenverlag Gruner + Jahr hat 2007 einen Umsatz knapp unter Vorjahresniveau erzielt, das Operating EBIT ging leicht zurück. Die Umsatzrendite betrug 9,3 Prozent (Vorjahr: 9,7 Prozent). Der Umsatz erreichte im Berichtszeitraum 2,8 Mrd. € und lag um 1,0 Prozent unter dem Vorjahreswert (2,9 Mrd. €). Der operative Gewinn betrug 264 Mio. € und damit 4,7 Prozent weniger als im Vorjahr (277 Mio. €). Insbesondere das Marken- und Magazingeschäft wies eine positive Entwicklung auf. G+J Deutschland und G+J International erzielten Rekordergebnisse.

Der Medien- und Kommunikationsdienstleister Arvato legte im Geschäftsjahr 2007 beim Umsatz zu; der operative Ertrag blieb auf hohem Niveau stabil. Die Umsatzrendite erreichte 7,4 Prozent (Vorjahr: 7,7 Prozent). Der Umsatz erhöhte sich im Berichtszeitraum um 2,8 Prozent auf 4,9 Mrd. € (Vorjahr: 4,8 Mrd. €). Dieser Anstieg ist in erster Linie auf organisches Wachstum zurückzuführen. Das Operating EBIT lag mit 366 Mio. € nahezu auf Vorjahresniveau (367 Mio. €). Die Zahl der Mitarbeiter stieg zum Jahresende auf 51.846 weltweit (31. Dezember 2006: 46.584). Die bei Arvato Services gebündelten Dienstleistungsgeschäfte wiesen profitables Wachstum aus.

Die Drucksparte Arvato Print erzielte 2007 bei hohem Wettbewerbsdruck leicht rückläufige Ergebnisse bei in Summe stabilen Umsätzen. Die Wertschöpfungskette wurde weiter ausgedehnt und die Marktposition gestärkt. Vor allem die im Offsetdruck tätige Mohn-Media-Gruppe baute ihr Geschäft nachhaltig aus: Bei dem gemeinsam mit G+J und der Axel Springer AG betriebenen Tiefdruckunternehmen Prinovis ging das Ergebnis aufgrund von Anlaufverlusten für den Standort Liverpool und nach wie vor schwieriger Marktbedingungen 2007 zurück.

Der Speichermedienbereich wurde neu strukturiert zu Arvato Digital Services. Durch die Zusammenführung der bisherigen Arvato-Storage-Media-Gruppe mit Teilen des Dienstleistungsgeschäfts entstand ein integrierter Full-Service-Dienstleister rund um digitale Inhalte. Der Speichermedienbereich konnte sich insgesamt in einem schwierigen Marktumfeld behaupten. Der IT-Dienstleister Arvato Systems verzeichnete Umsatz- und Ergebniswachstum in seinen Stammgeschäften. Bei Arvato Mobile ging der Umsatz vor dem Hintergrund eines rückläufigen Klingeltongeschäfts und einer Portfoliobereinigung zurück. Das Direktvertriebsunternehmen Inmediaone erzielte erneut Rekordumsätze.

Die Direct Group mit ihren Buch-, DVD- und Musik-Clubs, Buchhandlungen und Online-Shops wies 2007 weniger Umsatz als im Vorjahr und ein deutlich gesunkenes operatives Ergebnis aus. Die Umsatzrendite lag bei 0,4 Prozent (Vorjahr: 4,1 Prozent). Der Umsatz erreichte 2,6 Mrd. € (Vorjahr: 2,7 Mrd. €). Dieser Rückgang um 4,1 Prozent erklärt sich mit negativen Währungseinflüssen im US-Dollar-Raum, einem deutlich rückläufigen Absatz physischer Tonträger und sinkenden Mitgliederzahlen, vor allem in den USA. Der Erwerb des zweiten 50-Prozent-Anteils am US-Buchclub Bookspan vom früheren Joint-Venture- Partner Time Warner konnte diese Effekte nicht ausgleichen.

Das Operating EBIT sank um 90,9 Prozent auf 10 Mio. € (Vorjahr: 110 Mio. €). Auch hier machte sich primär die schwache Entwicklung der US-Geschäfte bemerkbar. Die Mitgliederzahlen in den Clubbereichen Musik, DVD und Buch gingen in erheblichem Umfang zurück, auch die Umsätze je Mitglied schrumpften. Bei Bertelsmann Direct North America entstand im Berichtszeitraum substanzieller Wertberichtigungsbedarf. Auch die Gewinne einiger Clubs außerhalb der USA sowie der Buchhandelsketten waren rückläufig. Die Zahl der Mitarbeiter stieg zum Jahresende auf 15.109 (31. Dezember 2006: 14.996). Der Club in Deutschland erwirtschaftete 2007 erneut einen Gewinn. Das französische Clubgeschäft von France Loisirs und der spanische Circulo de Lectores waren weiterhin profitabel. In Portugal verfügt die Direct Group nach der Integration der 2006 erworbenen Buchhandelskette Bertrand nunmehr über die gesamte Wertschöpfungskette vom Verlag über die Distribution bis hin zum Vertrieb über Club, Internet und stationären Handel.

Unter gleichem Namen wurde 2007 der Aufbau einer eigenen Buchhandelskette in Spanien gestartet. Das Clubgeschäft in der Ukraine wuchs weiterhin dynamisch. Ende 2007 beschlossen Vorstand und Aufsichtsrat der Bertelsmann AG eine Neuordnung der in der Direct Group gebündelten Endkundengeschäfte. Fernando Carro übernahm als neuer CEO die operative Verantwortung für die Geschäfte maßgeblich in Europa [mehr…]. Die Musik- und DVD-Clubs von BMG Columbia House und der im Berichtsjahr vollständig erworbene Buchclub Bookspan berichten seither unter dem Namen Bertelsmann Direct North America an Bertelsmann-Vorstand und Random-House-Chef Peter Olson. Zudem wurden der chinesische Buchclub und die zugehörige Ladenkette bei Arvato angesiedelt.

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